Lörrach

Der südliche Teil des Grütts war nicht immer das Zentrum des Freiluftsports

Hubert Bernnat

Von Hubert Bernnat

Fr, 10. Juli 2020 um 08:37 Uhr

Lörrach

Die Geschichte des FV Tumringen verdeutlicht des Entwicklung des Grütt zum Sport- und Freizeitzentrum. Vor dem 19. Jahrhundert war das Grütt noch ein Überschwemmungsgebiet.

Im Süden des Landschaftsparks Grütt befindet sich das Zentrum des Freiluftsports Lörracher Vereine: das Grüttpark-Stadion für Leichtathletik und mit der Gymnastikhalle, Anlagen der Tennisklubs TC Lörrach und TSV Rot-Weiß Lörrach, der Schützengesellschaft Lörrach sowie der Fußballvereine FV Tumringen und FV Lörrach-Brombach. Nimmt man die Anlagen des Freizeitsport beim Sportresort Impulsiv im nördlichen Teil dazu, wird das Grütt seiner Funktion als Sport-, Freizeit- und Erholungspark gerecht. Doch das war nicht immer so.



Das Grütt gehört zum größten Teil zur Gemarkung der bis 1935 selbstständigen Gemeinde Tumringen. Es war Überschwemmungsgebiet der erst Ende des 19. Jahrhunderts regulierten Wiese und seine daher fruchtbaren Matten dienten den Tumringer Bauern jahrhundertelang als Nahrungsgrundlage für ihr Vieh. Unter diesen Matten sammeln sich große Mengen an Grundwasser, das in südliche Richtung abfließt.

Der FV Tumringen wurde 1910 gegründet

Schon 1887 nutzte die Stadt dies durch Bau des ersten Wasserwerks mit Tiefbrunnen beim heutigen Schwimmbad. Heute nutzt der SAK dieses alte Wasserwerk als Jugendzentrum. Mit der Regulierung der Wiese und dem beginnenden Rückgang von Landwirtschaft und Viehhaltung verlor das Grütt immer mehr seine frühere Funktion. Andere Nutzungen wurden nun möglich. Davon profitierte der 1910 gegründete Fußballverein Tumringen.

Der Verein hatte seinen ersten Fußballplatz auf dem Gelände der späteren Firma Wybert. Diese siedelte sich im Jahr 1921 an, aber es war schon zuvor klar, dass der FV Tumringen den Platz nicht mehr nutzen konnte. Durch den Ersten Weltkrieg war der Sportbetrieb wie in vielen Vereinen zum Erliegen gekommen. Am 20. Juni 1920 kam es im Gasthaus Mättle zur Neugründung des Vereins mit dem Vorsitzenden Karl Gimbel.

"Eines der größten Probleme war der Platz zum

Bau einer Fußballstätte."

Aus der Tumringer Chronik
Dazu heißt es in der Tumringer Chronik von 1967: "Eines der größten Probleme war der Platz zum Bau einer Fußballstätte. Es wurde jedoch gelöst, als sich Ernst Knoll bereit erklärte, dem Verein oberhalb der Wiesebrücke ein Stück Land zur Verfügung zu stellen. Der Bau des Fußballplatzes konnte nun sofort beginnen. Dies geschah gut organisiert durch die neu gewählte Vorstandschaft, und schon nach 14 Tagen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Nach einer weiteren Woche wurde der neue Sportplatz durch ein Spiel gegen Wyhlen, das mit 6:4 gewonnen wurde, eingeweiht. Dieser erste Sieg nach der Neugründung gab einen mächtigen Auftrieb. Die Zahl der Aktiven nahm ständig zu und schon nach kurzer Zeit konnte Tumringen eine I. und II. Mannschaft aufstellen." Der 20. Juni war ein Sonntag, rechnet man die beschriebenen drei Wochen dazu, wird das Eröffnungsspiel gegen Wyhlen am Sonntag, 11. Juli 1920, gewesen sein. Fußballspiele am Samstag waren damals für die ländliche Bevölkerung undenkbar.

Dieser Fußballplatz lag dort, wo sich heute der Parkplatz vor dem Grüttpark-Stadion befindet. Zeitgeschichtlich interessant ist, dass südlich davon für kurze Zeit sogar ein Flugplatz existierte. Er war hauptsächlich für den Postverkehr von und nach Frankfurt gedacht und im November 1920 betriebsbereit. Da Lörrach aber nach dem Ersten Weltkrieg in der entmilitarisierten Zone lag, musste der Flugplatz schon im Juli 1921 wieder aufgegeben werden. Er hätte ja potenziell auch militärischen Zwecken dienen können.

1961 baute der TC Lörrach seine Plätze

Gut 40 Jahre lang war der Platz des FV Tumringen die einzige Sportanlage im Grütt.1961 baute der TC Lörrach seine Plätze, er wich der Schwimmbaderweiterung, 1962 folgte die Schützengesellschaft. Erster Höhepunkt war aber 1966 die Einweihung des neuen Stadions von Rot-Weiß, das die Stadt 1985 als Grüttpark-Stadion übernahm. Vollendet wird die Entwicklung des Grütt zum Sport-, Erholungs- und Freizeitgelände aber 1983 durch die Landesgartenschau.

Auch das neue Wasserwerk wird ins Grütt verlegt, das Wasserschutzgebiet ist. Mit der Gartenschau wird auch der Platz des FV Tumringen an die heutige Stelle verlegt. Der FVT war vor 100 Jahren Vorreiter für die Entwicklung des Vereinssports im Grütt. Sein Vorsitzender ist seit Dezember 2019 Andreas Künstle, er folgte auf Bernhard Escher (seit 2010).
Hubert Bernnat ist Stadtrat und Historiker.