Eishockey

Der ungeahnte Höhenflug des EHC Freiburg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 08. Dezember 2019 um 00:10 Uhr

EHC Freiburg

Der Sonntag Beim EHC Freiburg sind sie derzeit guter Dinge. Nach knapp der Hälfte der Spielzeit stehen die Wölfe auf einem starken fünften Platz. Der Eishockey-Zweitligist will nun den Schwung nutzen.

Michael Müller hat derzeit etwas von einem Antreiber. Seit 18 Monaten ist der 53-Jährige Präsident des Eishockey-Zweitligisten EHC Freiburg. Es ist eine turbulente Zeit gewesen. Der Bau- und Immobilienfachmann hat mächtig Schwung in den Verein gebracht. Der Laden läuft. Und Müller versucht, den Schwung auszunutzen. Mit hehren Zielen: "Wir wollen uns als guter DEL-2-Standort etablieren", sagt er am späten Freitagabend.

Noch ist nicht Feierabend. Gleich aber wird er sich an den Ticker setzen und beobachten, wie seine Wölfe sich auswärts gegen die Tölzer Löwen schlagen. EHC-Schauen bereitet derzeit Freude. Nach dem knappen Klassenerhalt in der vergangenen Saison präsentiert sich das Team des neuen Trainers Peter Russell grundsolide. Vor kaum zwei Wochen erst schickten die Eisspeziallisten den Tabellenführer EC Kassel Huskies mit 5:4 auf die Heimreise.

Das Prunkstück dabei ist die Defensive. Kein Team verteidigt effektiver. Goalie Ben Meisner hat die besten Werte der Liga. Davor sorgen der Kanadier Nick Pageau, Patrick Kurz und Alexander Brückmann für niet- und nagelfeste Verhältnisse. Lediglich 65 Tore haben sie so zugelassen in bisher 24 Spielen. Und mittlerweile läuft es auch vorne wieder besser. In den vergangenen vier Spielen haben sie stets mindestens zwei Tore geschossen.

Der neue Coach lässt einen rasanten Eishockey spielen. Eine Art Eishockey total. Russell will, dass das gesamte Team verteidigt, stets in Bewegung ist und mit Hochgeschwindigkeit agiert. Der Gegner soll keinen Platz haben, um sich zu entfalten. Die Mischung aus klarer Strategie, starker Defensive und guter Transferpolitik im Sommer, als gleich 14 Neue ins System integriert werden mussten, hat sie auf den fünften Platz gebracht. "Wir sind damit sehr zufrieden", sagt Müller, der verdeutlicht: "Dafür, dass wir das zweit- bis drittkleinste Budget der Liga haben, ist das super."

Die Freude über den aktuellen Lauf darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie beim EHC noch viel vorhaben. Müller: "Wir sind der drittgrößte Standort der Liga, das wollen wir auch vom Gesamtniveau sein." Sprich: In Sachen Budget, Zuschauerzuspruch und Leistung wollen sie sich irgendwann im oberen Ligadrittel einordnen: "Kontinuierlich zwischen Platz eins bis acht, das muss das Ziel sein. An einem Standort wie Freiburg sollte das auch mittelfristig möglich sein", sagt der Präsident.

Dazu haben sie bereits viel angestoßen, einen neuen Eismeister angestellt, die Geschäftsstelle aufgestockt, einen neuen sportlichen Leiter geholt, zahlreiche Ehrenamtliche dazugewonnen, neue Teambusse gekauft, den VIP-Raum erneuert, die Beleuchtung verbessert und der Halle einen neuen Namen gegeben.

Apropos Halle: Deren Sondergenehmigung läuft 2024 aus. Was ihr nachfolgen könnte, eruiert die Stadt momentan. In Sachen Neubau ist Präsident Müller guter Dinge: "Ich bin zuversichtlich", sagt er, mahnt aber: "Stadt und Verein müssen gemeinsam eine Lösung finden. Wenn nichts passiert, ist Feierabend." Zumal der Zuspruch derzeit ausgesprochen gut ist. Vergangene Spielzeit kamen durchschnittlich 1900 Zuschauer. Derzeit sind es 2400. Spitzenreiter Frankfurt zieht aber 4800 Fans an. Auch hier will Müller das derzeitige Hoch nutzen, um weitere Schritte zu machen. "Dauerhaft 2800 Zuschauer in der Halle: Das wäre eine super Sache."

Am Freitagabend haben die Freiburger erneut gewonnen – gegen die Tölzer Löwen mit 4:3 (Spielbericht: Effiziente Wölfe: EHC Freiburg gewinnt mit 4:3 in Bad Tölz). "Nach schwachem Start waren unsere letzten 24 Minuten stark", freut sich Trainer Russell, der in Torhüter Ben Meisner einmal mehr den überragenden Spieler der Partie in den eigenen Reihen hatte. Was sie erneut ausgezeichnet hat: großer Eifer und taktische Disziplin. Wenn ihnen auch heute (18:30 Uhr, Tickets im Vorverkauf auf bz-ticket.de) zu Hause gegen den Tabellenzweiten EC Bad Nauheim ein Sieg gelingt, könnte der EHC auf den vierten Platz hochrutschen. Was Präsident Müller zwar freuen würden, insgesamt aber nicht so ganz behagt: "Das wäre fast zu schnell. Der ganze Vorstand strebt schließlich ein solides Wachstum an, keine Eintagsfliegen."