Jubiläumswahl

Der "Vogel des Jahres" wird erstmals online gewählt

dpa

Von dpa

Do, 03. Dezember 2020 um 21:34 Uhr

Computer & Medien

Zum ersten Mal wählen 2021 nicht die Experten, sondern die Bürger den Vogel des Jahres. Seit 50 Jahren gibt es die Wahl, der erste "Vogel des Jahres" war der Wanderfalke.

Rudolf Wittmann und sein Team haben für ihre Kandidatin alles gegeben. Sie haben Wahlplakate gedruckt und aufgehängt, in den sozialen Medien die Werbetrommel gerührt und virtuelle Talkrunden veranstaltet. Zurzeit liegt die Amsel auf dem 5. Platz. Ein Erfolg für die "Ingolstädter Amselflüsterer": Der Sprung ins Finale ist so gut wie sicher. Die Amsel hat nun Chancen, "Vogel des Jahres" 2021 zu werden.

Seit 50 Jahren ernennen der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) jedes Jahr einen neuen "Vogel des Jahres". 1971 durfte sich der Wanderfalke nicht nur als erster Vogel mit dem Titel schmücken, sondern nach Angaben des LBV als erstes Lebewesen überhaupt. Inzwischen sind alle möglichen Tier- und Pflanzenarten, Pilze, Flechten und sogar Mikroben des Jahres dazugekommen.

Im Jubiläumsjahr ist aber alles anders: Statt der Fachleute dürfen die Vogelfreunde den "Vogel des Jahres" wählen. Turteltaube, Kiebitz, Eisvogel, Weißstorch und Feldlerche – sie alle standen schon einmal (oder sogar zweimal) ein Jahr lang im Rampenlicht, doch noch nie die Amsel.

Diese sei jedoch die ideale Kandidatin, meint Rudolf Wittmann. Eine, die die Massen begeistern könne. "Wir brauchen als Vogel des Jahres einen populären Vogel, mit dem sich viele Menschen identifizieren können." Und überhaupt sei die Amsel eine der besten Sängerinnen im Vogelreich, finden er und die anderen "Amselflüsterer".

Doch auch andere Teams machen im Internet kräftig Stimmung für ihren Lieblingsvogel. Allen voran die "Goldregenpfeifer-Ultras" um Schriftsteller Sasa Stanisic, der auf Twitter mit humorigen Sprüchen und niedlichen Küken-Fotos auf Stimmenfang geht. Auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Autorin Margarete Stokowski und die Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg bekennen sich nach Nabu-Angaben zum "Goldi". Aktuell liegt er auf Platz 3. Der Vogel auf dem aktuellen Platz 1 hat die Naturschützer überrascht. Dort steht die Stadttaube – ein Vogel, den viele Menschen weder für schön noch schützenswert halten und der polarisiert wie kaum ein anderer. Während manche die Taube als "Ratte der Lüfte" verachten, füttern andere diese freudig mit Körnern.

307 in Deutschland weit verbreitete Vögel stehen noch bis zum 15. Dezember auf der "Vogel des Jahres"-Homepage zur Wahl. Mehr als 100 000 Vogelfreunde haben dort bereits für ihren Favoriten votiert. Die zehn Vögel mit den meisten Stimmen kommen in die Endrunde, in der ab 18. Januar wieder die Bürgerinnen und Bürger gefragt sind. Zwei Monate später, am 19. März, soll dann der "Vogel des Jahres" 2021 feststehen.