Nachbarschaftsstreit

Der Zoff um das Flintstone-Haus geht vor Gericht

dpa

Von dpa

Fr, 12. April 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Ein "Steinzeit"-Anwesen in vornehmer Gegend bei San Francisco erhitzt die Gemüter. Das Anwesen ist auffällig und skurril dekoriert.

Fred und Wilma Feuerstein hätten an dem Flintstone-Haus in dem schicken Ort bei San Francisco ihre helle Freude. Die 85-jährige Besitzerin Florence Fang hat ihre Millionenvilla in Hillsborough liebevoll im Steinzeit-Flair dekoriert.

Vor dem Haus steht ein lebensgroßes Abbild von Fred Flintstone. Auch dessen Frau Wilma und die Nachbarn Betty und Barney aus der beliebten 60er-Jahre-Cartoonserie "Familie Feuerstein" (englisch: The Flintstones) gehören zu dem schrägen Sammelsurium auf dem Grundstück. Der berühmte Schlachtruf "Yabba Dabba Doo" ziert in großen Buchstaben die Auffahrt zur Garage.

"Ich liebe all diese Figuren. Ich erwecke damit die guten Erinnerungen an die Flintstones zum Leben und mache mich und andere Menschen glücklich", sagt Fang. Die pensionierte Unternehmerin, liegt mit der Stadt Hillsborough im Clinch. Im März verklagte die Gemeinde Fang, die nicht genehmigten Anbauten auf dem Grundstück zu entfernen. Ihre Anwältin Angela Alioto kündigte am Donnerstag eine Gegenklage wegen Diskriminierung und Schikane "im eigenen Hinterhof" an.

Die Häuser der Nachbarschaft sind eher elegant

Fang habe wiederholte Aufforderungen, die nötigen Baugenehmigungen zu beschaffen, ignoriert, sagt Hillsboroughs Anwalt Mark Hudak. Alle Anwohner müssten diese Regeln befolgen. Das habe auch mit Ästhetik zu tun. "Häuser und Gärten in Hillsborough sind eher vornehm und elegant", beschreibt Hudak das Image des Ortes, südlich von San Francisco auf halbem Weg ins Tech-Mekka Silicon Valley. Stadtvertreter beschrieben das Flintstone-Haus als "Schandfleck". Fang hatte das Anwesen 2017 für rund 2,5 Millionen Euro gekauft. Sie lebt in einem anderen Haus in Hillsborough, benutzt die Flintstone-Villa für Veranstaltungen.

Schlagzeilen machte das bauchige Haus mit drei Schlafzimmern und runden Türmen schon 1976 durch seine ungewöhnliche Bauweise. Der Architekt William Nicholson sprühte Spritzbeton über riesige Ballons und Maschendraht, das Innere des Hauses wirkt wie eine moderne Steinzeithöhle.

Fang wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die Hügel von Hillsborough schirmen das Grundstück weitgehend ab, doch von einer nahe gelegenen Autobahnbrücke aus ist das skurrile Haus mit den riesigen Garteninstallationen deutlich zu sehen. Viele Passanten haben daran offenbar Spaß. Eine Online-Petition zum Erhalt der Steinzeit-Dekorationen hat in wenigen Wochen bereits mehr als 24 000 Unterschriften. Auch Architekt Nicholson ist ein Fan des Flintstone-Anstrichs: "Die Autofahrer lachen auf dem Weg zur Arbeit. Warum haben wir nicht einfach etwas Spaß mit unseren Gebäuden?"

Fang wehrt sich gegen die Vorwürfe der Stadt, sie habe die Anordnungen nicht befolgt. Sie spricht von einem Kleinkrieg mit ständig neuen Auflagen. Mal seien es die bunten Riesenpilze, die sie braun übermalen sollte, mal die Dinosaurier-Figuren, die sie hinter Hecken verstecken solle. "Eigentlich wollte ich ein friedliches Rentnerleben führen", seufzt die Eigentümerin. Und fügt kämpferisch hinzu: "Das ist Amerika, hier kann man seine Träume erfüllen." Die Stadt Hillsborough sieht das anders. Fang müsse ihre Pläne einreichen und möglicherweise einige Änderungen vornehmen, sagt Anwalt Mark Hudak. Die großen "Yabba Dabba Doo"-Buchstaben im Vorgarten dürften dabei wohl auf der Strecke bleiben. "Sie verstoßen gegen unsere Schildervorschriften", sagt Hudak. "Das können wir wahrscheinlich nicht zulassen."