Deutsche Gospel-Lesart

Martha Weishaar

Von Martha Weishaar

Fr, 24. Mai 2019

Bonndorf

Gregor Linßen präsentiert Lieder aus seiner Messe "Tausend Jahre wie ein Tag".

BONNDORF. Im Solokonzert zeigte Gregor Linßen nach einem arbeitsreichen Tag beim Workshop mit Chorsängern (die BZ berichtete) die Bandbreite seines Schaffens auf. Hauptsächlich präsentierte der Kirchenmusiker Lieder aus seiner Messe "Tausend Jahre wie ein Tag". Das Publikum in der katholischen Pfarrkirche erlebte auf diese Weise kirchenmusikalischen Zeitgeist des 21. Jahrhunderts.

Gregor Linßen prägt seine geistlichen Lieder mit Poesie. In allerbester Liedermacherart präsentiert er seine Werke mit Gitarre auf einem Barhocker. Doch er singt nicht allein. Vielmehr nimmt er Zuhörer mit, lässt sie in den jeweiligen Refrain einstimmen. Er wiederholt die eingängigen Liedpassagen so lange, bis sie verinnerlicht sind und blind mitgesungen werden können. Seine gesungenen Gebete zeugen von einem tief verwurzelten Glauben. Gelegentlich greift er auf Worte von Edith Stein zurück. Politisch wird Gregor Linßen, wenn er mit Verweis auf den "Equal Day" an das ökologische Gewissen jedes Einzelnen appelliert. Und auch das Tagesevangelium gehört zwingend zu seinem Konzert. Gregor Linßen befasst sich mit dem Wunder der Schöpfung, der Auferstehung, vor allem jedoch mit der Liebe. In der zentralen Aussage des Neuen Testaments – Gott ist die Liebe – mündet mehr oder weniger alles, was der 53-Jährige seinen Zuhörern zu sagen hat.

Als Komponist bewegt er sich unverkennbar im 21. Jahrhundert. Die neue Zeit braucht auch neue Musik. Jazzig, zuweilen rockig oder im Genre von Folk und Blues bewegen sich die Melodien zu seinen philosophisch-kritischen Texten. Gregor Linßens Sakralmusik ist eine Art deutsche Lesart des amerikanischen Gospels. Gelegentlich ist sie ganz still. Im nächsten Augenblick rockt Gregor Linßen mit Bassgitarre das Gotteshaus. Oder versucht, die Menschen mit einem englischen Lied zu erreichen. "It’s My Life" soll all diejenigen erreichen, die in der Kirche eine neue, eine andere Sprache suchen. Der Mann schafft die musikalische Verbindung von Jahrhunderte alten Texten des Alten Testaments bis hin zur Jetztzeit. Etliche seiner Werke finden sich im "Gotteslob", dem Gesangbuch der Katholiken. Die Prognose, dass dieser Mann kirchenmusikalische Geschichte schreiben dürfte, kann an dieser Stelle gewagt werden.

Weiteres Konzert: Am 7. Juni um 20 Uhr ist Gregor Linßen im Solokonzert mit seinen Werken aus "Kinder des Lichts" in der Heilig Kreuz Kirche in Albbruck-Birndorf zu sehen und zu hören.