Berlin

Atommüll: Kommission empfiehlt Endlager-Standorte

dpa

Von dpa

Mi, 29. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Deutschland

Wo könnte in Deutschland hoch radioaktiver Atommüll aufbewahrt werden? Die Endlagerkommission des Bundestages einigt sich auf Kriterien für die Standortsuche.

Eine Million Jahre: So lange soll der hoch radioaktive Atommüll aus deutschen Akw in einem Endlager vor sich hin strahlen, ohne Leben und Gesundheit der Menschen zu gefährden. Aber wo soll dieses Endlager sein? Darüber wird in Deutschland seit Jahrzehnten gestritten. Die Endlagerkommission des Bundestages hat sich nun auf Empfehlungen für die Suche nach einem Standort zur Lagerung geeinigt. Der Abschlussbericht wird kommende Woche an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) übergeben.

Was ergibt sich aus dem Bericht der Endlagerkommission?
Die Kommission hat nun festgelegt, nach welchen Kriterien ein Standort für das Atommüll-Lager gesucht werden soll. Erst sollen anhand der geologischen Ausschlusskriterien ungeeignete Gebiete ausgeschlossen werden. Dann werden Gebiete ausgewählt, die den Mindestanforderungen entsprechen. In einem nächsten Schritt werden geologisch und planungswissenschaftlich günstige Standortregionen ausgesucht. Bundestag und Bundesrat müssen dann die eingehende Untersuchung einiger Standorte beschließen. Nach diesen Untersuchungen folgt eine weitere Runde in Bundestag und Bundesrat, um festzulegen, wo der Müll letztlich hinkommt.

Welche Kriterien hat die Kommission festgelegt?
Da sind erst einmal die technischen und geowissenschaftlichen Fragen: Wie muss das Gestein beschaffen sein? Wie dick muss die Gesteinsschicht sein? Und kann man sicherstellen, dass es in der Lagerstätte nicht zu unerwünschten Veränderungen durch die Wärmeentwicklung des radioaktiven Abfalls kommt? Außerdem soll sichergestellt werden, dass bei der Suche nicht getrickst und gemauschelt wird. Alles soll ganz transparent ablaufen. Anwohner und Umweltverbände sollen in den Prozess eingebunden werden.

Bleibt der Atommüll dann für immer am selben Ort?
Im Prinzip ja. Doch ist man bescheidener geworden. Das hängt unter anderem mit den schlechten Erfahrungen zusammen, die man im ehemaligen Salzbergwerk Asse gemacht hat. Dort wurden schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Doch die Kammern und Stollen waren nicht so stabil wie erhofft. Grundwasser konnte eindringen. 2013 wurde deshalb ein Gesetz verabschiedet, das festgelegt, wie die Asse-Abfälle möglichst schnell und sicher aus dem unterirdischen Lager herausgeholt werden können. Deshalb wird die Frage der Rückholung auch bei der Suche nach dem Standort für das Endlager berücksichtigt.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Ein geeigneter Ort für ein Endlager soll planmäßig erst 2031 gefunden sein. Doch selbst daran glauben viele Experten nicht. "Vor 2050 definitiv nicht", sagt etwa Jörg Sommer von der Deutschen Umweltstiftung. So ein Endlager gibt es bisher übrigens nirgends auf der Welt. Im November 2015 erteilte die finnische Regierung die Baugenehmigung für ein Endlager in Olkiluoto, das 2022 in Betrieb genommen werden soll.

Welche Standorte kommen überhaupt in Frage?
Der Plan ist, die hoch radioaktiven Atom-Abfälle mehrere hundert Meter tief in einem Bergwerk zu entsorgen. Als geologische Formationen kommen vor allem Salz, Ton und Granit in Frage. Solche Gebiete gibt es mehrere in Deutschland, besonders viele liegen in Niedersachsen. "Grundsätzlich kommen aber alle Bundesländer infrage, außer Hamburg und Berlin", sagt Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Und was ist mit Gorleben?
Am meisten gesprochen wird über den Salzstock Gorleben, wo sich oberirdisch heute schon ein Zwischenlager befindet. Ob er sich als Endlager eignet, ist schon seit fast 40 Jahren ein Streitthema. In das Erkundungsbergwerk wurde schon viel Geld gesteckt – Kritiker befürchten deshalb, dass auch aus diesem Grund am Ende Gorleben als Endlager ausgesucht werden soll. Die Kommissionsmitglieder verneinen das. Sie betonen, die Suche müsse "ergebnisoffen" ablaufen.

Wer saß in der Kommission?
Acht Wissenschaftler, 16 Politiker aus Bund und Ländern und acht Vertreter der Gesellschaft, also aus Gewerkschaften, Industrie, Religionsgemeinschaften und Umweltverbänden. Den Vorsitz teilten sich Michael Müller (SPD), Vorsitzender der Naturfreunde Deutschlands, und Ursula Heinen-Esser (CDU). Beide sind ehemalige Umweltstaatssekretäre.