Hamburg

Bendestorf: Geisterstadt der Filmgeschichte

Stefanie Maeck

Von Stefanie Maeck

Do, 17. Oktober 2013

Deutschland

Versteckt und verwittert liegen vor den Toren Hamburgs die Filmstudios in Bendestorf, in denen einst Filmstars wie Hildegard Knef und Zarah Leander drehten.

In der Garderobe Nummer zwölf sind die Jalousien runtergezogen, sie sind zerfetzt, die Scheiben dahinter zersprungen. Putz bröckelt von der Zimmerdecke und Schimmel greift die Lunge an. Den Gang hinunter, in der Kantine der Filmstudios, liegen noch Messer und Gabel in der Schublade, in den Studiohallen lagern Scheinwerfer. So ähnlich muss die Titanic am Meeresgrund aussehen: gespenstisch und verwunschen, voller Lebensspuren, als wären die Stars eben noch am Set gewesen, hätten geprobt, gelacht und in ihren Rollen versunken da gestanden. Und doch ist das Leben vor sehr langer Zeit ausgezogen.

Ein Schild stoppt den Besucher am Eingang der Filmstudios: Betreten verboten. Die monumentale Zufahrt mit Portal und Werksuhr liegt verlassen. Nur ein Hund aus der Nachbarschaft streunt herum. Auf dem Studiogelände wächst Schafgarbe zwischen den Gehwegplatten, über die einst Limousinen rollten. Zum Hof liegen Toiletten: Auf dem Damenklo hängt ein Foto von Marika Rökk, auf der Herrentoilette eines von Hans Albers.

Was hier einmal los war! Bendestorf mit seinen gut 2000 Einwohnern, Luftkurort im Landkreis Harburg: Vor 60 Jahren gaben sich die Filmstars in den Studios der "Jungen Film Union" die Klinke in die Hand: Hildegard Knef, Zarah Leander. Die Diven tippelten über die Dorfstraße unterhalb des Filmgeländes, gekleidet in Haute Couture, Seidenstrümpfen und Stöckelschuhen aus Paris. Die Dorfbewohner staunten.

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