Unter Kameraden

Bundeswehrsoldat und Rechtsextrem - Christian Weißgerber

Sebastian Leber

Von Sebastian Leber

Mi, 23. August 2017

Deutschland

BZ-Plus Christian Weißgerber war früher eine Größe in der Thüringer Naziszene – und gleichzeitig Bundeswehrsoldat / Die Hakenkreuztattoos, sagt er, hätten keinen gestört.

Dass er ein Nazi war, hätten die Kameraden in der Friedensteinkaserne in Gotha schon beim Duschen erkennen können. Seine Tätowierungen waren recht aussagekräftig, sagt Christian Weißgerber. Welche denn so? "Na, zum Beispiel die Hakenkreuze." Eines hatte er sich auf die Kniescheibe stechen lassen, ein anderes auf die Schulter, eines auf die Innenseite des Arms. Dazu der Thorshammer und die Rune eines SS-Freikorps. "Es hat sich keiner dran gestört", sagt er. Im Gegenteil. Die Tätowierungen halfen, ins Gespräch zu kommen. Etwa über die Gefahren der multikulturellen Gesellschaft.

Wer dem 28-Jährigen heute gegenübersteht, zum Beispiel vor einem Café am Berliner Hausvogteiplatz, kann sich Weißgerbers früheres Leben schwer vorstellen. Zaghafter Händedruck, sanfte Stimme. "Ich glaube, ich hätte gern einen Milchkaffee", sagt er. Aber mit 19 war er sogenannter "Autonomer Nationalist", eine feste Größe in der Naziszene Südthüringens – und Rekrut bei der Bundeswehr. Weißgerber wollte Reserveoffizier-Anwärter werden, begann die Grundausbildung bei der Panzergrenadierbrigade 37. Seine Gesinnung habe er vor Kameraden
nie verheimlicht. Er sagt: "Ich wurde sofort akzeptiert."

Die Geschichte, die Christian Weißgerber erzählt, ist verstörend – und besonders interessant vor dem Hintergrund der Debatte, die seit drei Monaten in und außerhalb der Bundeswehr geführt wird. Die Festnahme des rechtsextremen Oberleutnants Franco A., der sich als Flüchtling ausgab und mutmaßlich Terroranschläge plante, warf Fragen auf: Hat die Bundeswehr ein Problem mit Neonazis? Falls ja: Wie kann das bekämpft werden?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte Reformen an. Unter anderem soll der sogenannte ...

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