Mammutverfahren

Rechtsextremisten aus Freital vor Gericht: Terror nach Feierabend

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Mo, 06. März 2017

Deutschland

Monatelang machen gewalttätige Rechtsextremisten in der sächsischen Kleinstadt Freital, was sie wollen / Nun stehen acht von ihnen vor Gericht – ein Mammutverfahren.

Romeo ist nicht mehr da. Er ist weggezogen, im vergangenen Herbst war das, von Freital bei Dresden nach Rheine. Das liegt im tief im Nordwesten Deutschlands nahe der holländischen Grenze. 550 Kilometer trennen die beiden Orte. Und Welten, wenn man Romeos Mutter glauben darf. Ganze Welten.

Romeos Mutter ist nicht wirklich seine Mutter, aber der 19-Jährige nennt Ines Kummer so, "Mutti", sagt er, seit sie den jungen Ghanaer vor bald drei Jahren aufnahm und sich um ihn kümmerte. Einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling mit schwarzer Haut: "Meine Mutti." Ines Kummer ist 54, sie ist verheiratet, sie hat drei Kinder, sie erzählt, wie Romeo in Rheine ankam, wie er seine Lehre in einer Logistikfirma begann, wie die Kollegen ihn dort aufnahmen, wie er das erste Mal bei ihr in Freital anrief und staunend berichtete: "Du, Mutti, die grüßen mich hier. Die sind freundlich."

Man muss wissen, wie Romeo in Freital verabschiedet wurde, wenn man verstehen will, warum Ines Kummer das so ausführlich erzählt: Es gab nämlich einen Grillabend mit Familie und Freunden im Garten. Irgendwie hatte die lokale Neonaziszene das mitbekommen und dann die Straße beschmiert. "Alle raus", stand da mit Kreide, überall "NS". Ein schlimmer Abend. "Er musste hier weg", erzählt sie. "Er war hier dauernd Angriffen ausgesetzt." Silvester 2015/16 sei er mit Böllern beschossen worden, ständig bremsten Autos ab, wenn er auf dem Bürgersteig ging, Fenster runter, Geste: Kopf ab. In der S-Bahn habe ihn eine Schaffnerin hämisch angemacht, er sei jawohl "Schwarzfahrer, hähä. Deine Karte will ich sehen." Die Deutsche Bahn habe sich später ...

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