Fußball-Europameisterschaft

Deutschland unterliegt Frankreich mit 0:1

Jan Christian Müller

Von Jan Christian Müller

Di, 15. Juni 2021 um 22:55 Uhr

Fußball-EM

Nach einem Eigentor durch Mats Hummels in der ersten Halbzeit liegt Deutschland im ersten EM-Spiel gegen Frankreich lange 0:1 zurück – und schafft auch in der Nachspielzeit nicht mehr den Anschluss.

Der Auftakt hatte Endspielcharakter und phasenweise Finalniveau. Am Ende schaffte es die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem EM-Auftakt trotz einer zunehmend ansehnlicheren Vorstellung nicht, den Weltmeister zu bändigen. Frankreich gewann, ausgerechnet durch ein frühes Eigentor von Rückkehrer Mats Hummels, verdient 1:0. Das DFB-Team steht am Samstag (18 Uhr) gegen Portugal nun schon unter enormen Zugzwang.

Schnellen Einlass zum deutschen Tor hatte das DFB-Team dem Weltmeister im Spiel unbedingt verwehren wollen. Denn klar war: Ein Rückstand gegen diese Qualitätsmannschaft würde vieles schwieriger machen. Doch dann passierte genau das, und zwar vollkommen überflüssig. Denn Löw hatte oft genug und ausdrücklich davor gewarnt, Einwürfe in vermeintlich ungefährlichen Räumen unkonzentriert zu verteidigen.

Das Eigentor

Genau das tat die deutsche Mannschaft nach 20 Minuten, zudem war Joshua Kimmich rechts zu weit nach innen gerückt, das darf einer Fünferkette so nicht passieren. Der überragende Paul Pogba erkannte das blitzgescheit, flinker Flügelwechsel von rechts nach links , Mats Hummels wollte in höchster Not die Hereingabe von Lucas Hernandez vor Kylian Mbappé klären – und traf ins eigene Tor.

Das DFB-Team erholte sich von diesem Rückschlag nur schwer. Im Mittelfeld gewann vor allem Toni Kroos zwar immer wieder Zweikämpfe, aber die Nervosität war dem deutschen Spiel allzu sehr anzumerken. Vor allem Kai Havertz verlor Bälle, die ein Spieler seiner Klasse nicht verlieren darf, auch Ilkay Gündogan hat schon bessere Abende erlebt. Löw wurde in seiner Coachingzone mehrfach ganz verrückt. Durchschlagskraft entwickelte sein Team zunächst jedenfalls nicht, die Franzosen wirkten selbstbewusster und präziser und zielstrebiger. Im deutschen Strafraum war immer wieder was los.

Hinzu kam, dass Referee Carlos del Cerro Grande sicher kein Heimschiedsrichter war. Im Zweifel bevorzugte der Spanier Frankreich, die Deutschen haderten mehrfach nachvollziehbar. Auch die frühe Gelbe Karte gegen den später immer stärker werdenden Kimmich war eine breite Spur zu hart. Links tat Robin Gosens viel nach vorn, aber zu viele Aktionen im deutschen Angriffsspiel verpufften gegen einen abgezockten Gegner. Die französischen Umschaltaktionen liefen wie auf Schienen, einmal klärte Matthias Ginter spektakulär, nachdem Mbappé leichten Fußes Hummels weggelaufen war, ein 0:2 nach 36 Minuten wäre wohl einer Vorentscheidung gleichgekommen.

Millimeter-Abseits kurz vor Schluss

Nach der Pause versuchte die Heimmannschaft, mehr Zug in die Aktionen zu bekommen. Den Pfosten traf nach 52 Minuten aber zunächst Adrien Rabiot. Glück für das deutsche Team! Kurz darauf verpasste Serge Gnabry mit der ersten klaren Chance das Tor nur knapp. Gleich darauf noch einmal. Das Spiel wurde rasanter. Deutschland kämpfte. Frankreich blieb gefährlich. Mbappés Tor wurde zurecht wegen Abseits nicht gegeben (66.).

Löw brachte erst nach 74 Minuten Timo Werner für Gnabry und Leroy Sané für den nicht überzeugenden Havertz. Der Endspurt sollte eingeleitet werden, denn die zwischenzeitliche Energie war aus dem deutschen Spiel wieder etwas gewichen. Die Konter schnitten wie ein Messer ins deutsche Fleisch. Mbappé rannte Hummels davon, konnte von diesem aber noch mit einer Monstergrätsche gestoppt werden (77.). In der 85. Minute wurde Karim Benzemas vermeintliches 2:0 wegen eines Millimeter-Abseits aberkannt.

Deutschland packte mit zunehmender Verzweiflung die Brechstange aus, Emre Can und Kevin Volland legten Fuß an, Flanke um Flanke segelte in den Strafraum, prallten aber an Frankreichs Coolness und Klasse ab. Und auch die sechsminütige Nachspielzeit überstand der mit Mann und Maus verteidigende Weltmeister unbeschadet.
Frankreich: Lloris, Pavard, Varane, P. Kimpembe, Hernandez, Pogba, Kanté, Rabiot (94. Dembelé), Griezmann, Benzema (89. Tolisso), Mbappe. Deutschland: Neuer, Ginter (87. Can), Hummels, Rüdiger, Kimmich, Gündogan, Kroos, Gosens (87. Volland), Havertz (74. Sané), Gnabry (74. Werner), Müller. Schiedsrichter: del Cerro (Spanien). Tor: 1:0 Hummels (20./Eigentor). Zuschauer: 14.000. Gelbe Karte: Kimmich.


Fallschirmaktion von Greenpeace vor dem Spiel

Kurz vor dem Anpfiff hatte ein Fallschirmspringer sich selbst und die Fußball-Fans in der Münchner Arena in Gefahr gebracht. Der Mann schwebte über dem Stadion und versuchte, einen großen gelben Ball in die Arena zu werfen. Dabei geriet er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln. Nur mit großer Mühe konnte er einen Absturz in die Zuschauerränge verhindern und landete unsanft auf dem Rasen. Dann wurde er von zwei Sicherheitskräften abgeführt.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat sich nach ihrer misslungenen Protest-Aktion beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft entschuldigt. "Das tut uns wahnsinnig leid", sagte ein Sprecher der Organisation am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: "Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten." Greenpeace Aktionen seien immer friedlich und gewaltfrei. "Leider ist bei dieser Aktion nicht alles nach Plan gelaufen".

Mit der Aktion wollte Greenpeace gegen den Sponsor Volkswagen protestieren. Bei Twitter forderte Greenpeace in einem Post dazu von dem Konzern, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen.