Gedichte

Dichterin Cornelia Boese: "Reime können wie Musik in Worten klingen"

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mo, 10. Januar 2022 um 08:57 Uhr

Neues für Kinder

Ein Interview mit der Dichterin Cornelia Boese, die jüngst ein Buch mit Märchen der Gebrüder Grimm in Gedichtform veröffentlicht hat, über lustige, schwierige und besonders lange Reime

Früher saß sie in einem Kasten am Bühnenrand des Würzburger Theaters und half als "Notfall-Fee" den Opernsängerinnen und Opernsängern, wenn sie den Text vergessen hatten. Heute ist Cornelia Boese Dichterin und hat für ihre Verse schon viele Preise bekommen. "Ich bin Cornelia, die Boese – Gedichte schreibende Souffleuse" – so stellt sie sich selber vor. Marion Klötzer hat sie über das Reimen interviewt.

BZ: Was mögen Sie an Reimen?
Boese: Reime können tanzen, singen – wie Musik in Worten klingen!
BZ: Oh, Sie antworten ja sogar in Reimen!
Boese: Außer Tagebuch im Geheimen schreibe ich jeden Text in Reimen.
BZ: Denken Sie manchmal auch in Reimen?
Boese: Tagsüber, wenn ich wach bin, kaum, doch manchmal reime ich nachts im Traum.
BZ: Waren Sie schon als Kind Dichterin?
Boese: Oh ja, ich konnte mich mit neun
als Autorin in der Zeitung freu’n: Da wurde erstmals ein Gedicht von "Conni B." veröffentlicht.
BZ: Mögen Sie lieber lange oder kurze Gedichte?
Boese: Ich mag es, an längeren Texten zu feilen. Mein längstes Gedicht hat 1000 Zeilen!
BZ: Wer ist Ihre Lieblingsdichterin oder ihr Lieblingsdichter?
Boese: Wenn ich nur einen nennen soll,
dann find ich Erich Kästner toll!
BZ: Was ist Ihr Lieblings-Kurzgedicht?
Boese: "Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!" – von Erich Kästner.
BZ: Was ist das Wichtigste beim Dichten?
Boese: Wunderbare Worte wählen,
Reime finden, Silben zählen.
BZ: Wovon handelt Ihr bislang verrücktestes Gedicht?
Boese: Ein Weihnachtsreim mit vielen X, da findet man so leicht ja nix:
"Sechs Boxer büxen aus aus Bayern, um X-mas in New York zu feiern."
BZ: Auf welche Worte ist es besonders schwer zu reimen?
Boese: Auf Zahlen, wie zum Beispiel 20, da reimt sich "fand sich" oder "ranzig".
BZ: Auf welchen Reim sind Sie besonders stolz?
Boese: Auf den, der aussagt, wer ich bin: Souffleuse Boese, Dichterin!
BZ: Wann fallen Ihnen die besten Verse ein?
Boese: Ich dichte beim Spazierengehen, im Zug, beim Aus-dem-Fenster-Sehen, beim Kanufahren auf dem Main – mein Kopf muss in Bewegung sein!
BZ: Was machen Sie, wenn Ihnen nichts einfällt?
Boese: Ich gehe raus in die Natur
und suche eine neue Spur.
BZ: In Ihrem neuen Buch "Und wenn er nicht gestorben ist, kann’s sein, dass er sie heut noch küsst" erzählen Sie Märchen der Gebrüder Grimm in Reimen. Haben Sie eine Lieblingsstelle?
Boese: Ich habe drei. Sagt ihr geschwind, aus welchen Märchen sie wohl sind?!
"Die Räuber werden wir vergraulen:
Wir fauchen, brüllen, kräh’n und jaulen!"
"Die Magd letztendlich rupfte nun
das hundert Jahre alte Huhn."
"Ich hab’ ein hochbegabtes Kind.
Aus Stroh wird Gold, wenn Ida spinnt!"
BZ: Und noch ein Tipp für junge Dichter?
Boese: Bücher lesen, Briefe schreiben,
kreativ und kindlich bleiben!

Cornelia Boese: Und wenn er nicht gestorben ist, kann’s sein, dass er sie heut noch küsst. Grimms Märchen in Reimen. Illus. Daniela Bunge. Knesebeck, München 2021. 144 S., 22 Euro, ab 5. Mehr Infos auf http://www.boesesouffleuse.de