Trends in München

Die Autobranche gibt sich auf der IAA ökologisch

dpa

Von dpa

Mo, 06. September 2021 um 20:14 Uhr

Auto & Mobilität

Die Sorge, die Pandemie könnte Autobauer existenziell treffen, war überzogen. Inzwischen ist die Stimmung besser. Dennoch plagen die Hersteller Probleme. Bringt die IAA neuen Schwung?

BMW-Chef Oliver Zipse hat am Montag auf der Internationalen Automobilausstellung IAA ein komplett aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen hergestelltes Auto vorgestellt. Auch der Reifenhersteller Continental will die Messe nutzen, um sich als ökologisches Unternehmen darzustellen. Und der weltgrößte Autozulieferer Bosch setzt auf Wachstum mit Elektromobilität. "Die Elektromobilität wird für uns zum Kerngeschäft, die CO2-freie Mobilität zu einem Wachstumsfeld", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner zum Auftakt der Messe, die erstmals in München stattfindet. Die IAA will grüner werden.

Mit ihrem neuen Konzept als Verkehrsmesse IAA Mobility will die Branche über Wege zur Klimaneutralität und die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger sprechen. Es soll – nach abflauendem Interesse bei der bislang letzten Ausgabe 2019 in Frankfurt – keine PS-Schau in geschlossenen Hallen mehr sein, sondern eine Messe an verschiedenen Plätzen in der Stadt zum Ausprobieren und Diskutieren. Die Messe will näher zu den Menschen. Jedoch ist der Erfolg des Vorhabens noch offen. Zudem fehlen wichtige Aussteller wie Toyota und Stellantis (Opel) beim wichtigsten Branchentreffen.

Angela Merkel eröffnet die Messe

Am ersten Tag stellten sich die Hersteller und Zulieferer zunächst der Presse. Am Dienstagnachmittag soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Messe eröffnen. Ab dann starten auch die Präsentationen auf mehreren Plätzen mitten in München sowie Testfahrten für Besucher: Erstmals können sie auf einer IAA rund 250 neue Fahrzeuge auf Straßen und einem Autobahnteil zwischen Stadt und Messegelände probeweise fahren, darunter hochautomatisierte Wagen und solche mit Wasserstoffantrieb.

Unter den Ausstellern sind erstmals auf einer IAA rund 70 Fahrradhersteller. Im Hintergrund prägt allerdings auch die Corona-Pandemie die IAA, deren Pkw-Ausgabe sich jährlich mit der Nutzfahrzeug-Ausgabe in Hannover abwechselt. Die Veranstalter vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Messegesellschaft München werten es schon als Erfolg, dass sie überhaupt stattfinden kann. Alle Besucher und Aussteller der Mobilitätsschau müssen genesen, geimpft oder getestet sein. Die Klimadebatte dürfte in den nächsten Tagen bis zum Messeende am nächsten Sonntag jedoch das entscheidende Thema bleiben – neben der weiter schwächelnden Autokonjunktur und der Versorgungskrise bei wichtigen Elektronik-Bauteilen.

"Dabei geht es nicht nur um ökologische, sondern auch um betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit" Oliver Zipse
BMW verschärfte seine Klimaziele vor der Messe: Der CO2-Fußabdruck der Autos von den Rohstoffen bis zur Stilllegung soll bis 2030 nicht nur um 33 Prozent, sondern nun um mindestens 40 Prozent gesenkt werden. "Dabei geht es nicht nur um ökologische, sondern auch um betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit", sagte Zipse. "Denn die aktuelle Entwicklung von Rohstoffpreisen zeigt, mit welchen Auswirkungen eine Industrie rechnen muss, die von begrenzten Ressourcen abhängig ist." Auch andere Hersteller berichteten zuletzt von stark steigenden Ausgaben für Rohmaterial.

Die Unternehmensberatung PwC beurteilt die Produktionspläne der Branche angesichts der anhaltenden Engpässe bei Mikrochips skeptisch. Der Ausbau von Halbleiter-Produktionsanlagen dauere bis zu zwei Jahre, der Bau neuer Werke fünf – deshalb sei "keine kurzfristige Erholung der Versorgung mit Halbleitern zu erwarten", sagte PwC-Experte Tanjeff Schadt.



Als die Autoindustrie während der Corona-Lockdowns 2020 Bestellungen kürzte und 2021 schnell wieder erhöhte, kam es zu einem erheblichen Mangel. Zudem brannte im März eine wichtige Chipfabrik in Japan. Die Autoproduktion wurde so weltweit ausgebremst. Inzwischen sehen viele Manager die Knappheit auch grundsätzlich als strukturelles Problem. Daimler-Vorstandschef Ola Källenius erwartet, dass die Nachfrage nach Halbleitern auch nächstes Jahr höher sein wird als die globale Produktionskapazität. Erst 2023 dürfte es merklich besser sein.

BMW hatte Mercedes bei den Absatzzahlen im ersten Halbjahr überholt und will 2030 schon drei Millionen Autos verkaufen, ebenso wie Audi. Källenius sagte, für ihn sei Gewinn wichtiger als Volumen. Mercedes wolle mit guter Technik und Ästhetik Autos zu "Premiumpreisen" verkaufen und nicht "unten rumjagen". Auch beim autonomen Fahren überlasse man das Robotaxi gerne den Volumenherstellern. VW stellte zum IAA-Start und vor dem Verkauf des vollelektrischen Busses ID.Buzz im kommenden Jahr eine autonome Prototypen-Version des Fahrzeugs fertig. Erst wird die Technologie mit fünf Exemplaren getestet, ehe ab 2025 dann ein Serienbetrieb möglich sein soll.