Namibia

Die Deutschen und der Völkermord an den Herero

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Di, 30. August 2016 um 10:23 Uhr

Ausland

Nicht nur Türken, auch Deutsche begingen vor mehr als hundert Jahren einen Völkermord – in Deutsch-Südwestafrika. Gelingt Deutschland jetzt der Ausgleich mit den Erben der Herero?

Chief Vipuira Kapuuo kennt den Weg im Schlaf. Zielsicher steuert er seinen Geländewagen zwischen den Büschen hindurch, nicht einmal die Spur von einer Spur, an der sich der Distriktchef orientieren könnte. Trotzdem steht der Wagen plötzlich mitten in der Wildnis vor zwei übermannsgroßen Aloen, vier Grabsteinen und einem Kreuz – einer liebevoll gepflegten Grabstätte. "Hier ruht in Gott: Leutnant d. R. Dr. jur. Burkhart Freiherr von Erffa-Wernburg", steht auf einem der Steine. Und: "Christus ist mein Leben. Das Sterben ist mein Gewinn."
Die Nachkommen hassen die Deutschen nicht
Kapuuo senkt den Kopf und schließt kurz die Augen. Er komme gerne mit einem Deutschen hierher, sagt er dann. "So können wir zeigen, dass wir keinen Groll auf euch haben." Würden die Hereros die Deutschen hassen, läge das Grabmal längst in Trümmern, gibt der Chief zu bedenken. "Wir sind nicht zornig. Aber wir vergessen auch nicht."
Nicht vergessen wird der Distriktchef, dass die Rinderherden der Herero hier einst ungehindert durch die Gegend zogen, während die Enkel der Nomaden heute in Reservate gepfercht sind – von Tausenden von Hektar großen Farmen umgeben, die noch immer Besitzern mit deutschen Namen gehören. Auch wird sich Chief Kapuuo stets daran erinnern, dass im Gefecht von Oganjira außer Freiherr von Erffa-Wernburg sein eigener Großvater starb. Will er dessen Grab besuchen, muss er die deutschen Farmbesitzer erst um Erlaubnis fragen. Schließlich wird das traditionelle Oberhaupt nicht vergessen, dass die Deutschen seinem Onkel einst im Konzentrationslager von Swakopmund den Kopf abgeschlagen haben. "Sie nahmen seinen Schädel ...

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