Neujahrsempfang

Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre fordert Wegfall von Parkflächen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 16. Januar 2020 um 11:48 Uhr

Freiburg

Weniger Parkplätze in der Wiehre – und dafür mehr Platz für Fahrräder und Fußgänger forderte Justus Kamp vom Vorstandsteam. Denn: "Unser Stadtteil leidet extrem unter dem Verkehr".

"Das Thema Verkehr hat für unseren Stadtteil an Schärfe gewonnen": Das sagte Justus Kampp vom Vorstandsteam des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre beim Neujahrsempfang – und forderte eine Verkehrswende. Für Autos müsse es deutlich weniger Platz im öffentlichen Raum geben, zum Beispiel dadurch, dass Parkplätze für Autos in Stellflächen für Fahrräder umgewandelt werden. "Wir brauchen mehr Mut im Erproben neuer Wege", so Kampp.

Ein Verkehrskonzept für den Stadtteil fordert der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre seit langem, und es werde immer dringlicher, sagte Justus Kampp, der gemeinsam mit Loretta Lorenz, Monika Lang-Dahlke und Klaus Füsslin an der Spitze des Vereins steht: "Unser Stadtteil leidet extrem unter dem Verkehr."

Das Rathaus solle zulange bei "Zweit-, Dritt- und Viertautos, die die Besitzer auch noch in der Wiehre abstellen wollen"

Das inzwischen auch stadtweit über höhere Anwohnerparkgebühren diskutiert werde, sei eine gute Entwicklung, so Kampp. Dabei müsse Maß gehalten werden: Es gebe zum Beispiel ältere Menschen, die auf ein Auto und einen wohnortnahen Stellplatz angewiesen seien. "Gerne zulangen" könne das Rathaus jedoch bei "Zweit-, Dritt- und Viertautos, die die Besitzer auch noch in der Wiehre abstellen wollen". Diese zusätzlichen Einnahmen solle die Stadtverwaltung in die Verkehrswende stecken. Kampp: "Der Platz für alle reicht nicht aus, und der Verkehrsträger Auto muss Platz abgeben." Ein Zeichen könne sein, Auto-Parkplätze in Stellflächen für Fahrräder umzuwandeln. Das sei auch für die zunehmende Zahl von Lastenfahrrädern wichtig, für die es in den Häusern häufig keine Abstellmöglichkeit gebe und die deshalb vermehrt am Straßenrand stünden. Ein weiterer Vorschlag des Bürgervereins sind weitere Einbahnstraßenregelungen in der Wiehre.

Bereits beschlossen ist, dass Autofahrer in der Günterstalstraße zukünftig einen Fahrstreifen an Radfahrer abtreten müssen. Die Stadtverwaltung will gegenüber der Johanneskirche Parkplätze entfernen und die bisher zwei Autospuren Richtung Innenstadt auf eine überbreite Fahrbahn reduzieren. Die Planungen seien inzwischen fertiggestellt, berichtete Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach in seiner Ansprache, nun könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden.

Ein Sorgenkind bleibt die östliche Basler Straße. In der Straße, die eigentlich nur von Anwohnern befahren werden darf, die aber häufig für Schleichverkehr genutzt wird, seien nach der Fertigstellung der neuen Kronenbrücke zwar deutlich weniger Autos unterwegs, so von Kirchbach. Durch die in der Mitte verlaufenden Stadtbahnschienen und die engen Fahrspuren links und rechts gibt es aber immer auch wieder Probleme mit der Sicherheit, vor allem für Radfahrer. Aktuell prüfe die Stadtverwaltung, ob sie in der Straße eine Verkehrsüberwachung installieren könne, erklärte von Kirchbach.

Dauerthema Bauen

Das zweite Topthema in der Wiehre neben dem Verkehr ist die weitere bauliche Entwicklung des Stadtteils. Dabei wolle die Stadtverwaltung "behutsam vorgehen", sagte von Kirchbach. Vorhandene Strukturen sollen erhalten bleiben, auch zum Beispiel in der Quäkerstraße. Dort hatte die Baugenossenschaft Familienheim Pläne, Häuser abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Inzwischen gibt es eine soziale Erhaltungssatzung, viele Gespräche hätten stattgefunden, berichtete von Kirchbach: "Wir sind auf einem guten Weg, alle Beteiligten sind daran interessiert, eine Lösung zu finden". Versprochen hat die Stadtverwaltung für den Stadtteil Wiehre auch eine städtebauliche Erhaltungs- und Gestaltungssatzung. "Wir hoffen, dass diese endlich umgesetzt und nicht nur diskutiert wird", sagte Justus Kampp.

"Fortschritte und neue Bewegungen" gebe es beim Ex-Feuerwehrgerätehaus am Annaplatz, berichtete Kampp. Im Gespräch sei nun ein generationsübergreifendes Wohnprojekt. Der Bürgerverein wünsche sich aber nach wie vor auch eine öffentliche Nutzung der Räumlichkeiten.