Die Geschichte der Zähringer

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 04. September 2019

Rheinfelden / Schweiz

Ausstellung im Fricktaler Museum nimmt das für die Stadt bedeutsame Adelsgeschlecht unter die Lupe.

RHEINFELDEN/SCHWEIZ. Mit Klängen aus dem elften Jahrhundert und mittelalterlichen Szenen wurden die Besucher auf die Ausstellung "Die Zähringer – Mythos und Wirklichkeit" im Fricktaler Museum im schweizerischen Rheinfelden eingestimmt. Groß war das Besucherinteresse auch von badischer Seite an der Schau über dieses Adelsgeschlecht, das die Geschichte am Hochrhein etwa 150 Jahre lang mitgeprägt hat.

"Tauchen Sie ein in die Vergangenheit", forderte Vizeammann Walter Jucker die Vernissagegäste auf. Rheinfelden sei stolz, die älteste Zähringerstadt der Schweiz zu sein. Museumsleiterin Kathrin Schöb erläuterte den Aufbau dieser Wanderausstellung, die vom Alemannischen Institut, dem Stadtarchiv und dem Historischen Seminar an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg konzipiert wurde. Viele Themen werden anhand von großen Text- und Bildtafeln und Objekten aufbereitet. Darin erfährt der Besucher, woher das Geschlecht stammt, wer dessen berühmteste Vertreter waren, wie und wo sie gelebt haben. Stammtafel, Burgen und Klöster, Rang und Stellung in der Reichspolitik, ritterliches Leben, höfische Kultur sowie Sagen um Herzog Bertold V. werden beleuchtet. Auch den Spuren in Rheinfelden wird nachgegangen.

Mehr als 800 Jahre ist es her, dass mit Bertold V. 1218 der letzte Herzog von Zähringen gestorben ist. Mit ihm starb auch das Geschlecht der Zähringer aus. Für etwa 150 Jahre hatten Vertreter des Zähringergeschlechts zu den einflussreichsten Reichsfürsten gezählt. Rheinfelden, früher Sitz der Grafen von Rheinfelden, sei damals ein kleiner Marktflecken gewesen, beschrieb Schöb. Es waren die Zähringer, die die Siedlung vergrößerten, mit dem Bau einer Brücke und einer Festung auf der Rheininsel den wichtigen Flussübergang sicherten. Die Siedlung Rheinfelden sei zwar keine Zähringer Gründung, aber die Zähringer hätten den Marktflecken zur Stadt ausgebaut.

Meist werde Konrad von Zähringen als Stadtgründer angeführt. Doch es gebe noch eine Persönlichkeit, die in der damaligen Geschichte von Rheinfelden eine wichtige Rolle spielte: Agnes, die Tochter von Rudolf von Rheinfelden, dem Herzog von Schwaben und Gegenkönig, die von 1065 bis 1111 lebte. Sie hat den Zähringer Bertold II. geheiratet und "königliches Blut in die Zähringer Dynastie" gebracht. Die Heirat von Bertold und Agnes war bedeutsam für den Machtaufstieg der Zähringer, so Schöb.

In einem Umzug von Darstellern in historischen Kostümen durch die Altstadt von der Stadtkirche zum Museum stand die hoheitsvolle Agnes von Rheinfelden im Mittelpunkt. Unter einer Art Baldachin zog sie, begleitet von musizierenden Spielleuten und Hofleuten, durch die Marktgasse. Vor dem Museum beobachteten die Zuschauer, welche strengen Regeln vor mehr als 900 Jahren auf dem Markt herrschten, wie mit Waffen das Kriegsvolk abgewehrt wurde, wie ein Händler mit einem Holzbottich für natürliche Bedürfnisse umherging und ein fauler Zahn mit der Zange gezogen wurde.

Danach ging es in die Ausstellungsräume, wo thematisch gegliedert die Geschichte der Zähringer dokumentiert werden. In einer Vitrine findet sich ein Modell der Burg Stein auf der Rheininsel, die vermutlich um 1130 von den Zähringern errichtet wurde. Außerdem zu sehen sind ein schmiedeeiserner Türgriff sowie Stangenwaffen wie Morgenstern, Sense und Hellebarde aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Eine Vitrine erinnert an den historischen Zähringer Umzug zur 850-Jahr-Feier Rheinfeldens.

Info: Die Ausstellung dauert bis 24. November und hat dienstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Vorträge gibt es am Dienstag, 17. September, und Mittwoch, 30. Oktober, im Rathaussaal, je 19.30 Uhr, sowie eine Altstadtführung mit Susanne Ammann als Agnes von Rheinfelden am Sonntag, 20. Oktober, 15 Uhr.