Städtepartnerschaften

Die hohe Politik außen vor lassen

Karl A. Ammann

Von Karl A. Ammann (Freiburg)

Mi, 16. September 2020

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht "Jupi-Fraktion will Ende der Partnerschaft mit Isfahan" (BZ, 29. August).

Ich bedaure den Wunsch der Jupi-Fraktion, die Partnerschaft mit Isfahan zu kündigen. Hauptanlass scheint die in Iran verhängte Todesstrafe zu sein. Wenn Wisconsin nicht der zweite US-Staat gewesen wäre, die Todesstrafe schon 1853 abzuschaffen, sondern einer der 28 Bundesstaaten, die die Todesstrafe noch aufrecht halten – wäre das ein Grund die Partnerschaft mit Madison zu kündigen? Wenn die Handhabung der Todesstrafe in Iran ein Kündigungsgrund ist, warum dann nicht die völkerrechtswidrige Annexion von Ost-Jerusalem und den Golan-Höhen durch Israel als Grund, die Partnerschaft mit Tel Aviv-Yafo zu kündigen? Ich meine, dass man bei den Städtepartnerschaften die hohe Politik außen vor lassen soll. Der Zweck der Partnerschaften sind vor allem kulturelle Kontakte und die Förderung der Völkerverständigung, das Kennenlernen und Schließen von Freundschaften. Die Todesstrafe gibt es auch noch in Japan (Matsuyama) und Südkorea (Suwon). Es gibt sie noch theoretisch in Israel, aber sie wurde dort zuletzt 1962 mit dem Erhängen von Adolf Eichmann angewendet. Ich teile die Meinung von Rathaussprecher Toni Klein, dass eine Kündigung der Partnerschaft Freiburg – Isfahan den falschen Adressaten träfe.Karl A. Ammann, Freiburg