Landtagswahl

Die Kleinen wuchsen im Wahlkreis Emmendingen über sich hinaus

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Di, 16. März 2021 um 10:03 Uhr

Emmendingen

Bei der Landtagswahl am Sonntag sorgte vor allem Andreas Gerber von den Freien Wählern für ein überraschend gutes Ergebnis. In seinem Heimatort Forchheim holte er 27 Prozent.

Teils traten sie zum ersten Mal an, teils mit wenig ermutigenden Ergebnissen bei früheren Land- und Bundestagswahlen. Die sechs Kandidaten und eine Kandidatin der sogenannten kleinen Parteien, die im Landkreis Emmendingen antraten, sehen in ihren am Sonntag erzielten Ergebnissen, die allesamt auch landesweit unter der Fünf-Prozent-Hürde blieben, durchaus positive Signale.

Aus dem Stegreif an die Spitze

"Die Überraschung" gelang sicher Andreas Gerber, der in seinem Wohnort Forchheim als Kandidat für die Freie Wähler Partei mit 27 Prozent alle hinter sich ließ. "Das macht mich sehr zufrieden", erklärt der 46-Jährige. Dies gelte auch für das Ergebnis im Wahlkreis, denn mit 3,8 Prozent seien die Freien Wähler "aus dem Stegreif" die sechste Kraft geworden. Obwohl er spät und mit kleinem Budget eingestiegen sei. "Schade, dass es im Land nicht gereicht hat, um in den Landtag einzuziehen", so Gerber. Er will sich auch weiterhin überkommunal für die Freien Wähler engagieren, selbst aber bei der Bundestagswahl im September nicht antreten.

Heimbonus für Kandidaten

"Eine coole Wahl, landesweit 1,2 und im Wahlkreis haben wir mit 1,8 Prozent bis auf die Freien Wähler alle hinter uns gelassen", räumt Andreas Heidinger eine "schöne, krachende Wahlniederlage" ein. Für "Die Partei" sieht er es durchaus als achtbares Ergebnis. Auch sein persönliches Ergebnis in der Heimatgemeinde Emmendingen freut ihn, wobei er auf Zustimmungswerte von bis zu sechs Prozent in einzelnen Wahlbezirken verweist. "Weitermachen als Stadtrat und Unterschriften sammeln für unseren Bundestagskandidaten", äußert sich der 47-Jährige bei der Frage nach der Zukunft.

Einen Heimbonus konnte auch Michael Kefer ausspielen. In Teningen erhielt der Kandidat der ÖDP 3,9 Prozent der Stimmen und damit deutlich mehr als im Wahlkreis (1,4 Prozent). "Wir haben in keiner Gemeinde keine Stimme erhalten", sieht der 52-Jährige einen Aufwärtstrend für die ökologischen Demokraten. Vorhergesagt worden sei eine Klimawahl, doch fragt er sich, abgesehen davon, dass die Klimaliste sicher ein paar Stimmen gezogen habe, wo die gewesen sein soll. Zukünftig bleibe jedoch das Thema und habe die ÖDP noch viele Ideen, für deren Umsetzung er sich, auch außerparlamentarisch, einsetzen werde. Schon in den nächsten Tagen werde die Bundestagswahl in der ÖDP thematisiert.

Kein einfacher Wahlkampf

"Wir haben uns nicht wer weiß was versprochen", sieht Annegret Höveler in den 1,18 Prozent, die sie für "Wir 2020" im Landkreis erreichte, ein achtbares Ergebnis. "Es war ohne Präsenzveranstaltungen kein einfacher Wahlkampf", so die 61-Jährige. An ihrem Wohnort hat die Herbolzheimerin immerhin 1,7 Prozent erreicht. Wir 2020 sei noch nicht so groß, habe noch nicht so viele Aktive, doch sieht sie Wachstumspotenziale. Wie sie sich persönlich weiter engagieren werde, lässt sie offen. Sicher ist, dass sie politisch aktiv bleiben werde.

"Geschielt haben wir nach zwei, drei Prozent", ist Roland Philipps von den 1,17 Prozent, die er für die Klimaliste im Wahlkreis erreichte, "etwas enttäuscht". Landesweit kam die Liste auf 0,9 Prozent. Dass er in seiner Wohnortgemeinde Waldkirch mit 1,57 Prozent noch mehr Zustimmung erhielt, führt er auf die "Stadt-Land-Verteilung" zurück. "Der Kampf fürs Klima geht weiter", betont der 33-Jährige. Im Hinblick auf die Bundestagswahl gelte es, ein bundesweites Bündnis auf die Füße zu stellen. Enttäuscht hat ihn auch die gegenüber 2016 geringere Wahlbeteiligung.

"Ich freue mich über jede Stimme, habe aber auch ein kleines bisschen mehr erwartet", resümiert Robert Kehrberg das Ergebnis von Volt, das unter 0,5 Prozent blieb. Unter erschwerten Bedingungen habe er im Wahlkampf viel gelernt. "Wir müssen an der Bekanntheit arbeiten", so der 26- Jährige. Dies auch im Hinblick auf die Bundestagswahl und die kommenden Kommunal- und Europawahlen. "Wir sind mehr als Europa", verweist er auf ein sehr detailliertes Wahlprogramm und sieht Volt wahlkreisübergreifend, aber auch in Emmendingen und im Elztal, personell gut aufgestellt.