Weniger Stickoxide

Die Luft in Baden-Württembergs Städten wird besser

Franz Schmider und dpa

Von Franz Schmider & dpa

Di, 21. Januar 2020 um 22:02 Uhr

Südwest

Die Belastung mit Stickoxiden ist 2019 in Baden-Württemberg flächendeckend zurückgegangen. Trotzdem hob das Verwaltungsgericht Stuttgart das Zwangsgeld gegen das Land an.

Die Luft in Baden-Württembergs Städten ist erneut besser geworden. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) wurde der Grenzwert für die Belastung mit Stickstoffdioxid im vergangenen Jahr nur noch in vier Städten im Land überschritten, ein Jahr zuvor waren es noch 14. Trotz der Verbesserungen erhöhte das Verwaltungsgericht Stuttgart am Dienstag das Zwangsgeld, das das Land wegen der Grenzwertüberschreitungen bezahlen muss von 10.000 auf 25.000 Euro.

Der Jahresmittelwert bei der Belastung mit Stickoxiden liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, lediglich in Stuttgart, Heilbronn, Reutlingen und Mannheim wurde dieser Jahresmittelwert überschritten. Unter anderem in Freiburg lag der Jahresmittelwert 2018 mit 50 Mikrogramm über diesem Grenzwert, im vergangenen Jahr sank er nach vorläufigen Zahlen auf 36 Mikrogramm.

Diese Tendenz lässt sich auch in anderen Städten beobachten

Alle festen Messstellen im Land melden sinkende Werte bei Stickoxiden, wenngleich dieser Rückgang recht unterschiedlich ausfällt. In Kehl sank der Wert von 25 auf 24 Mikrogramm, in Neuenburg von 20 auf 18 und in Weil am Rhein von 18 auf 17.

Am berüchtigten Neckartor in Stuttgart lag der Jahresmittelwert zwar bei 53 Mikrogramm, im Vorjahr waren es allerdings noch 71 gewesen. Für das Verwaltungsgericht dennoch ein Hinweis, dass das Land seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Das zu zahlende Zwangsgeld wurde angehoben und muss zudem an eine gemeinnützige Organisation gehen. In Stuttgart wurden eine Busspur eingerichtet und spezielle Filtersäulen aufgestellt. Seit Jahresbeginn dürfen dort außerdem keine Euro-5-Diesel mehr fahren. Die höchsten Werte weist inzwischen eine andere Messstation in der Landeshauptstadt mit 58 Mikrogramm auf.

Langjähriger Trend bestätigt

Die Ergebnisse der Messungen bestätigen laut LUBW einen langjährigen Trend. Noch im Jahr 2006 lag der Spitzenwert im Land am Neckartor mit 120 Mikrogramm beim dreifachen des erlaubten Grenzwertes, in Reutlingen bei knapp 90 Mikrogramm. Seit 2009 gehen die Werte an allen innerstädtischen Messstationen zurück. Allerdings ging diesem Rückgang ein Anstieg voraus, wohl nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Anteils von Dieselfahrzeugen. Zudem wurde der Rückgang 2009 unterbrochen.

Auch hier könnte es einen Zusammenhang mit dem Einsatz von Dieselmotoren geben. Denn im Alltag – nicht auf dem Prüfstand – stoßen die damals neu aufkommenden Euro-5-Diesel nach einer Fahrleistung von 50 000 Kilometern im innerstädtischen Verkehr mehr Stickoxide aus als Diesel der Euronorm 3 und 4. Deutlich dann der Rückgang der Stickoxidemission mit Aufkommen der Fahrzeuge mit Euronorm 6 und vor allem der Norm 6d. Bereits in früheren Berichten hatte die LUBW auf den engen Zusammenhang zwischen der Belastung der Luft mit Stickoxiden und dem Anteil der Dieselfahrzeuge im Verkehr hingewiesen.

Auch beim Blick auf die Stundenhöchstwerte ist eine Besserung erkennbar. Der Grenzwert liegt bei 200 Mikrogramm und darf maximal 18 Mal pro Jahr überschritten werden, was selbst am Neckartor nicht mehr der Fall war. In Freiburg lag der maximale Stundenwert in diesem Jahr bei 108 Mikrogramm am 14. Januar "Die gesamte Entwicklung bei der Stickoxidbelastung hängt stark mit der Erneuerung der Fahrzeugflotte zusammen, insbesondere bei den Diesel-Pkw", folgert LUBW-Sprecherin Tatjana Erkert.

Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) geht davon aus, dass die Jahresgrenzwerte bei Stickoxiden in diesem Jahr überall eingehalten werden können. "Unsere Maßnahmen greifen", betonte er.