Demenz-Marketing

Die Masche von Reader's Digest mit den Senioren

Ines Fuchs

Von Ines Fuchs

Do, 28. April 2011 um 01:48 Uhr

Südwest

Der Verlag Reader’s Digest verführt Senioren mit Glücksspielen. Ein Freiburger Rentner hat an den großen Gewinn geglaubt und ist nun um 20.000 Euro ärmer. Und es gibt viele Fälle dieser Art.

Unter dem Bett von Heinz Brunner stapeln sich Dutzende zusammengefalteter Versandkartons. Unter der Treppe, die ins Obergeschoss seiner Wohnung in einem Freiburger Altenheim führt, türmen sich Bücher, original eingepackt in Folie. Im Regal ist kein Millimeter Platz mehr, viele DVDs und CDs quetschen sich aneinander. Auf jedem Buch- und CD-Rücken prangt das Logo des fliegenden Pferdes – das Emblem von Reader’s Digest.

All die unzähligen Bücher, DVDs und CDs hat Heinz Brunner in den vergangenen Jahren bei dem Stuttgarter Verlag bestellt. Ihr Warenwert: rund 20.000 Euro. "Das Superbuch der erstaunlichen Tatsachen" besitzt Brunner in fünf Exemplaren, die DVD "Bezauberndes Norwegen" in vier. Gelesen, angehört oder angesehen hat er die wenigsten. "Wo denken Sie hin?", fragt Brunner. Klar, Bücher mag er gerne. "Ein Teil der Bücher enthält sehr schöne Fotografien", sagt er. Aber angenommen hat er sie alle nur, weil er glaubte, dass er damit seine Chancen erhöht – und zwar bei den Gewinnspielen, die der Verlag Reader’s Digest neben seinen Produktverkäufen ausschreibt, endlich das große Los zu ziehen.

Der Rentner ist auf eine Masche hereingefallen, die dem Verlag viel Geld einbrachte, Brunner aber um viele Tausende Euro ärmer machte. Kritiker sprechen polemisch von Demenzmarketing – Marketing, das gezielt auf Verwirrtheit und Gutgläubigkeit von Senioren abzielt. Heinz Brunner ist noch nicht dement, die Krankheit ist bei ihm erst im Anfangsstadium. Aber er ist vertrauensselig und durchschaut Machenschaften nur noch schwer. Immerhin ist er 81 Jahre alt.

Es gibt viele Fälle dieser Art. Die Verbraucherzentrale Hamburg weist Kunden auf der Homepage deutlich darauf hin, dass die Werbung von Reader’s Digest in den Papiermüll gehört. In Foren wie dem Verbraucherportal ciao.de warnen Nutzer vor ...

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