Energie aus Abwasser

Die Mitarbeiter der Kläranlage in Kappel leisten einen unermüdlichen Beitrag zum Umweltschutz

Adelbert Mutz

Von Adelbert Mutz

Sa, 09. Januar 2021 um 11:04 Uhr

Ettenheim

Bei einem Gespräch in der Kläranlage in Kappel haben die Betriebsleiter deutlich gemacht, dass das Thema Abwasserbehandlung ihrer Ansicht nach in der Öffentlichkeit zu wenig Beachtung findet.

Dass aus den Abwässern auch Energie gewonnen wird, wissen nur wenige Bürger. Mit der Betätigung der Klospülung sei das Thema meist erledigt, wie die Betriebsleiter Abwassermeister Joachim Klauser und Elektromeister Andreas Ohnemus sowie Alexander Fink, Fachkraft für Abwassertechnik, vermuten. Das gut ausgebildete und hochmotivierte Trio sorgt mit weiteren Mitarbeitern dafür, dass am Ende des Prozesses ein Reinigungsgrad von 95 bis 98 Prozent erzielt und zusätzlich Energie gewonnen wird.

Im Abwasser findet sich vieles, was dort nicht hingehört

Vieles findet sich im Abwasser, was da nicht reingehört, stellt Joachim Klauser fest. Feuchttücher, Papier, Medikamente oder Kleidungsstücke werden zum Teil über das Abwasser entsorgt mit dem Ergebnis, dass trotz aufwändiger Stofftrennung oft Pumpen verstopfen und Elektromeister Andreas Ohnemus gefragt ist. Täglich 24 Stunden und 365 Tage im Jahr werde die Anlage im Bereitschaftsdienst betreut. "Seit einem Jahr suchen wir eine weitere Elektrofachkraft für die Anlage, bisher erfolglos", sagt Ohnemus. Alexander Fink überwacht die Messgeräte und analysiert im Labor täglich Abwasserproben. Die Messwerte geben Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Anlage und über die Einhaltung von vorgegebenen Grenzwerten, denn "wir müssen uns drauf verlassen können, dass die Werte und damit auch die Prozessabläufe stimmen", betont Klauser. Dass Fink sein Metier beherrscht, bewies er kürzlich im Rahmen einer freiwilligen Qualitätskontrolle mit der Uni Stuttgart, die er mit Erfolg absolvierte.

Nur wenige sind noch nicht an das Netz angeschlossen

Vor 20 Jahren bezog sich die Reinigungskraft der Anlage noch auf 34 000 Einwohner. Nach Erweiterungen und technischen Veränderungen entspricht sie heute einer Einwohnerzahl von 64 000 Menschen. In den Mitgliedsgemeinden wohnen rund 31 000 Einwohner. Hinzu kommen die Touristen, die sich in Rust und in den Umlandgemeinden während der Parköffnung aufhalten.

Das Kanalnetz im Verbandsgebiet für Schmutzwasser, Mischwasser und Regenwasser hat eine Gesamtlänge von rund 285 Kilometern. Nur wenige Anwesen sind noch nicht an das Netz angeschlossen. Der größte Teil der Investitionen liegt unter der Erde oder ist in Technikgebäuden verbaut. Das neueste und sichtbarste Bauwerk ist das vierte Klärbecken.

Insgesamt hat der Abwasserzweckverband Südliche Ortenau mit den Städten Ettenheim und Mahlberg sowie den Gemeinden Kappel-Grafenhausen, Kippenheim-Schmieheim, Ringsheim und Rust seit 1975 rund 35 Millionen Euro in die Abwasserbehandlung und damit in den Schutz der Gewässer und der Umwelt investiert. Rund 20 Millionen Euro mussten die Verbandsmitglieder aufbringen, 15 Millionen Euro wurden als öffentliche Fördermittel gewährt. Die jährlichen Betriebs- und Investitionskosten werden durch Umlagen der Verbandsgemeinden erbracht. Berechnungsgrundlage ist dabei die Schmutzwassermenge der Gemeinden.