Kampf gegen Corona

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts Waldshut mussten wie Detektive gegen das Coronavirus vorgehen

Monika Olheide

Von Monika Olheide

Di, 30. Juni 2020 um 11:10 Uhr

Kreis Waldshut

Die Aufgaben sind entscheidend, um die Weiterverbreitung zu verhindern: Im Gesundheitsamt wurden Tests koordiniert, Erkrankte in Isolation und Menschen in Quarantäne begleitet.

Die Aufgaben sind entscheidend, um die Weiterverbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-Covid-2 zu verhindern: Im Gesundheitsamt des Landkreises Waldshut wurden in den vergangenen Wochen Tests koordiniert, Erkrankte in Isolation und Menschen in Quarantäne begleitet, regionalen Infektionszahlen an übergeordnete Stellen gemeldet. Teils in detektivischer Kleinarbeit mussten Menschen ermittelt werden, die mit Infizierten in Kontakt waren.

2938 Überstunden bis Anfang Juni

"Wir haben in der Hochzeit der Epidemie sieben Tage in der Woche gearbeitet. Es war nicht möglich, das Amt zu schließen", sagt Amtsleiter Jürgen Thoß über die Situation von März bis Juni. 2938 Überstunden kamen bis Anfang Juni bei den 26 Mitarbeitern des Gesundheitsamts zusammen. Doch alleine wäre die Flut an Aufgaben nicht zu bewältigen gewesen: "Wir bekamen in dieser Zeit Unterstützung aus anderen Abteilungen des Landratsamts", so Thoß. Am 27. Mai galt der Landkreis Waldshut als erster in Südbaden als "coronafrei". Es gab keine bestätigten aktiven Sars-Covid-2-Infektionen mehr. Nur noch einen weitere Neuinfektion gab es im Juni. Inzwischen gilt auch dieser als geheilt.

"Das ist dann zum Teil wirklich Detektivarbeit." Michael Erhardt (Mediziner im Gesundheitsamt Waldshut)

Das Landratsamt zieht nun eine Zwischenbilanz: Zu Beginn der Pandemie wurde dort ein Coronateam gebildet, wie Michael Erhardt erläutert. Er ist Mediziner im Gesundheitsamt und stand in den vergangenen Monaten an "vorderster Front". 26 Mitarbeiter des Gesundheitsamts und vier weitere Kräfte bildeten das Kernteam. Bei ihnen liefen die Fäden zusammen: Ärzte und Labore meldeten Fälle, die in der Coronazentrale gesichtet, kategorisiert und weitergemeldet wurden. Bei bestätigten Infektionen wurde eine Akte angelegt. Es folgte ein Erstgespräch mit dem Betroffenen. Er musste angeben, mit wem er in Kontakt gestanden hatte. "Das ist dann zum Teil wirklich Detektivarbeit", sagt Ehrhardt. Dann musste entschieden werden, wer ins Krankenhaus und wer "nur" in Quarantäne kommt. Die Mitarbeiter blieben im Gespräch mit dem Infizierten und den Kontaktpersonen. Sie koordinierten die Tests und die Gesundheitsüberwachung, übermittelten Befunde.

2000 Menschen waren im Landkreis in Quarantäne

Darüber hinaus war die Behörde mit vielen nichterkrankten Bürgern in Kontakt. Bei der Telefonhotline gingen viele Fragen ein. Zusätzlich zum Coronateam waren 40 Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Landratsamts an den Telefonen. "Die Themen der Fragesteller änderten sich im Laufe der Zeit", so Thoß. Ging es zunächst um medizinische Aspekte, kamen später Fragen zu gesetzlichen Vorgaben, der Wirtschaft und den Lockerungen hinzu. Tausende Anrufe gingen ein. Mit wie vielen Menschen das Amt in den vergangenen drei Monaten in Kontakt stand, vermag die Behörde nicht zu beziffern. Gerade in der Anfangsphase kam es zu Überlastungen der Telefonanlage.

Sicher ist, dass bis Anfang Juni 2000 Menschen im Landkreis in Quarantäne geschickt worden sind. Einige Einzelfälle habe es gegeben, in denen die Quarantäne abgebrochen worden sei. "Ganz überwiegend haben sich die Menschen im Kreis aber an die angeordnete Quarantäne gehalten", so Thoß.

"Wir hätten mehr getestet, wenn es möglich gewesen wäre." Jürgen Thoß (Leiter des Gesundheitsamts Waldshut)

Auch Kritik an der Behörde wurde in den vergangenen Monaten immer wieder geäußert – direkt oder auch über Umwege etwa in den sozialen Medien. Vor allem das Vorgehen bei den Abstrichen beschäftigte die Menschen. "Wird genug getestet?", lautete eine vielfach formulierte Frage. Thoß sagt dazu: "Wir haben uns immer an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gehalten." Doch diese änderten sich gerade in der Anfangszeit oft. Zunächst sollten nur Menschen mit Symptomen getestet werden, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten, dann gefährdeten Personen mit Symptomen und vom 12. Mai an alle Menschen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung. Die sich ständig verändernden Regelungen hätten für Unmut gesorgt, so Thoß.

Gerade im März und April habe der Landkreis mit vielen Problemen zu tun gehabt. "Wir hätten mehr getestet, wenn es möglich gewesen wäre", sagt der Amtsleiter. Mittlerweile habe sich die Situation entspannt. Die Labore hätten mehr Testkapazitäten. Obwohl sich die Lagen inzwischen deutlich entspannt hat, ist das Gesundheitsamt weiterhin in das Corona-Testgeschehen involviert: Die Koordinierung, Durchführung und Auswertung von Reihentestungen beispielsweise in Pflegeheimen beschäftigt im Moment die Mitarbeiter.