Die OB-Wahl in Zahlen und Details

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

So, 24. Mai 2020 um 20:19 Uhr

Emmendingen

Alles war anders bei der Wahl in Corona-Zeiten, nur die Spannung blieb gleich. Ganz neu: Ein Livestream der Stadt nach der Wahl. Ganz zufrieden zeigten sich beide nicht.

Aber Stefan Schlatterer hat es geschafft. Mit 64,29 Prozent der gültigen Stimmen setzte sich der Amtsinhaber gegen seine Herausforderin Susanne Wienecke durch, die auf 35,35 Prozent kam.

88 Wahlhelfer plus Hausmeistern und ihren Teams waren im Einsatz, ihnen dankte Wahlausschussvorsitzender Franz Ruetz, der den Livestream zum Wahlergebnis eröffnete.

Dann hatten die Hauptakteure das Wort: Wienecke dankte den Wählern für deren Zuspruch, "soweit ich sie persönlich treffen konnte." Lebendige Demokratie bestehe darin, einander zu treffen – auch sei es erschwerend gewesen, dass sämtliche Sitzungen corona-bedingt abgesagt wurden bis auf die eine im April. Sie vermisste auch diese Möglichkeit, sich zu präsentieren. Und der BZ-Livestream? Da haben die Bürger keine direkten Fragen stellen können, auf die sich die Kandidaten dann hätten einstellen müssen (Fragen waren im Vorfeld möglich gewesen).

Ja, sie habe mehr erwartet, sagte sie – plädierte für nachhaltige Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung, sie sei ein wenig enttäuscht. Sieht sie einen Einfluss der Coronakrise auf die Wahl? Da müsste man Hellseher sein, meint sie.

Denkt sie an eine Wahlanfechtung? Sie wird das Ergebnis prüfen und sehen, wie’s weitergeht, sagt Wienecke – es könne sein, dass es aus der Bürgerschaft heraus entsprechende Infos gebe.

Der alte und neue Oberbürgermeister Stefan Schlatterer dankte ebenfalls den Wählerinnen und Wählern und all denen, die die Wahl ermöglicht und organisiert hatten – das zeige die Leistungskraft der Stadtverwaltung. Schlatterer rief die Grünen auf, künftig im Gemeinderat mit ihm zusammenzuarbeiten. Er sagte auch: "Ich glaube nicht, dass man mit Jammern OB-Wahlen gewinnen kann". Jetzt gehe es darum, in den Normalzustand zu kommen – damit sprach er auch die finanziellen Folgen der Coronakrise an.

Persönlich wäre er gern über die Zweidrittelgrenze gekommen, sagte Schlatterer. Es sei aber "honoriert worden, was wir in den vergangenen Jahren geleistet haben".

Und der Einfluss der Coronakrise auf die Wahl? Schlatterer sieht auch neue Formate auf dem Vormarsch, soziale Medien und Livestreams. Beide Kandidaten hatten gleiche Voraussetzungen, betont er . Die hohe Wahlbeteiligung sieht er als positive Folge der Coronakrise. Die weiter wirkt: Eine Großveranstaltung zu seinem Amtseintritt sieht er aber infolge der Coronaeinschränkungen noch nicht.

Dazu noch ein paar Zahlen: Die Wahlbeteiligung lag deutlich höher als vor acht Jahren, 52,63 Prozent oder 11 395 Bürger hatten dieses Mal abgestimmt. Die meisten per Briefwahl: In den drei Hallen, in denen man persönlich abstimmen konnte, waren 104 (Fritz-Boehle-Halle), 89 (Steinhalle) und 28 (Neumattenhalle) gekommen. Bei den Briefwählern schnitt Stefan Schlatterer noch einen Tick besser ab als in der Gesamtsicht: Dort bekam er 64,62 Prozent (Wienecke 35,05 Prozent). Bei den Direktwählern dagegen lag Wienecke mit 109 Stimmen (50,46 Prozent) sogar vor Stefan Schlatterer (103 Stimmen / 47,69 Prozent); dort waren fünf Stimmen ungültig gewesen, bei den Briefwählern 62.

Vor acht Jahren setzte sich Schlatterer mit 5662 Stimmen oder 64,49 Prozent der abgegebenen Stimmen durch, Wienecke holte 3095 Stimmen oder 35,25 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,1 Prozent. 1513 der 8850 Wähler hatten 2012 von der Briefwahl Gebrauch gemacht.

Es war ein spannender Abend gewesen. Sah es nach Auszählung des ersten Briefwahlbezirks noch nach einer recht gleichmäßigen Verteilung der Stimmen aus, so kristallisiert sich bald eine ähnliche Situation wie vor acht Jahren heraus.