Die Plakatabreißer

Jana Schmidt und Mark Sterkle,

Von Jana Schmidt, Mark Sterkle &

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-AKTIONSTAG in der Ausstellung "Poesie der Großstadt – die Affichisten" im Basler Tinguely-Museum.

Meistens waren die Künstler nachts unterwegs – mit irgendeinem Kumpel, der ihnen dabei half Plakate, von der Plakatwand zu lösen und ins Atelier zu bringen. Zurzeit ist im Basler Tinguely-Museum die Ausstellung "Poesie der Großstadt" zu sehen, die Werke von Affichisten zeigt. Benannt wird die Künstlergruppe nach dem französischen Wort "Affiche", was auf Deutsch "Plakat" heißt. Im Rahmen eines Zischup-Aktionstages hat sich die Klasse 8a der Zähringer Werkrealschule aus Neuenburg die Ausstellung angesehen.

Als Erstes sprang uns das Riesenflugzeug ins Auge: Es hing im Museum direkt über unseren Köpfen. Am 26. November besuchte unsere Klasse das Tinguely-Museum in Basel. Die beiden Museumspädagogen Beat Klein und Lilian Steinle führten uns durch die Ausstellung. Warum da über uns ein Flugzeug hänge, wollte Klein von uns wissen. Und weil keiner eine Antwort parat hatte, verriet er uns, dass das Flugzeug dem Künstler Jean Tinguely gehörte, nach dem das Museum benannt sei (siehe Infobox).

Beim ersten Affichisten-Kunstwerk hat uns Beat Klein gefragt, ob wir wüssten, was es darstellen soll. Darauf zu sehen war ein Mann auf einem Motorrad, der ein bisschen aussah wie James Bond. Klein erzählte uns, dass dies eines von vielen Plakaten sei, die Künstler in den Straßen von Paris gesehen und mitgenommen hätten. Die Plakate bestehen aus Werbung, die damals unter anderem Kinofilme und Veranstaltungen ankündigten oder für Dinge wie Zigaretten warben. Von allen Schichten sah man nur noch einen Teil, weil von jeder Schicht etwas abgerissen war.

Nachdem uns Museumspädagoge Klein erklärt hatte, wie die Affichisten gearbeitet haben, wurden wir zum Bilderbetrachten in Gruppen eingeteilt. Wir sollten genau beschreiben, was wir alles auf den Plakaten erkennen können, was die unterste Schicht ist, was die oberste Schicht ist und um was für Themen es sich auf dem Plakat handelt. Anschließend zeigte Klein uns Plakate mit teilweise verdeckten Wörtern, die auf Werbung, Getränke und Namen hinwiesen. Sie liefern dem Betrachter wertvolle Informationen darüber, wo und wann das Kunstwerk entstanden ist.

Später sollten wir in der Gruppe unsere Namen rückwärts auf ein Kärtchen schreiben und es wie ein Gedicht betont aufsagen. Auch die Affichisten haben damals mit geschriebenen und gesprochenen Wörtern experimentiert. Bei dem Spiel kamen lustige Wortklänge heraus. Nach der Führung verließen wir das Museum und liefen zu einem Haus, das auch auf dem Museumsgelände liegt – das Atelier. Dort hatten die Museumspädagogen kleine Plakate für uns vorbereitet, die ebenfalls aus mehreren Schichten bestanden. Wir konnten unserer Fantasie freien Lauf lassen und wurden selbst zu Plakatabreißern: Kleine Fetzen rissen wir mit den Fingern ab, große mit einer Zange. Wer wollte, konnte auch Wörter- und Bilderschnipsel aus Zeitungen auf sein Plakat kleben oder es mit Farbstiften bemalen. Marc kam sogar auf die Idee, mit einem Feuerzeug ein Loch in sein Mini-Plakat zu brennen. Der Künstler, dessen Plakat er in der Ausstellung untersucht hat, hatte das mit seinem großen Plakat auch gemacht.

Unsere selbstgemachten Kunstwerke hängen inzwischen in unserem Klassenzimmer. Den meisten hat der Aktionstag gut gefallen, weil er abwechslungsreich war. Viele fanden, dass unser Museumsbesuch der beste Ausflug in unserer Schulzeit war.