Happy Birthday!

Die Queen feiert ihren 94. Geburtstag – abgeschirmt

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mo, 20. April 2020 um 20:29 Uhr

Panorama

Elizabeth II. wird an diesem Dienstag 94. Aber Kanonenböller und Besucher wie sonst gibt es nicht. Für die Briten ist sie der ruhende Pol in der Krise.

Verbarrikadiert auf Schloss Windsor, sucht die Monarchin mit gelegentlichen Fernsehappellen ihren Landsleuten Mut zuzusprechen. Andere Royals unterstützten sie – mit unterschiedlichem Erfolg.

Königin Elizabeth II. ist, mehr noch als die meisten ihrer Landsleute, Gefangene des Coronavirus. Ihr Alter und ihre Stellung verlangen, dass sie sich von der Außenwelt hermetisch abschirmt. Und zum Feiern ist eh niemand groß aufgelegt im Königreich.

Also begeht die Queen ihren Geburtstag allein auf Windsor Castle, dem Stammschloss der Windsors im Westen Londons. Umsorgt von loyalen Bediensteten und mit ihrem Gatten, Prinz Philip, der im Juni 99 wird. Das Jungvolk der Royals, vom 71-jährigen Thronfolger Charles bis zu den vielen Urenkeln, schaltet sich im Lauf des Tages per Videolink mit Glückwünschen zu.   Einen Geburtstag ohne Besucher und ohne Kanonade hat es in den 68 Dienstjahren Elizabeths noch nie gegeben. "Trooping the Colour", die offizielle Geburtstagsfeier im Juni, ist auch schon abgesagt. Ihrer Majestät sei sehr daran gelegen, dass keine besonderen Maßnahmen ergriffen werden, heißt es bei Hofe. "Besondere Feierlichkeiten wären unpassend unter den gegenwärtigen Umständen." Die Queen weiß, was sich in Zeiten wie diesen ziemt.

Zweimal, zuletzt zu Ostern, hat sie sich seit Beginn des Corona-Ausbruchs im Fernsehen mit eindrucksvollen Durchhalteappellen an die Nation gewandt. Ihren Briten, denen die Auftritte Boris Johnsons und seiner Minister immer fragwürdiger wurden, hat sie sich präsentiert als ruhiger Pol in der Krise.  

Kein Verständnis mehr für Harry und Meghan

Sie sprach mit der Autorität, die einer Überlebenden aus Weltkriegstagen mit unsentimentalen Erinnerungen und ungebrochenem Willen zukommt. Die in keine Churchill-Rolle schlüpfen muss, um zu beeindrucken. Immerhin kannte sie Sir Winston noch persönlich. Er war ihr erster Premier.   Kein Wunder, dass sich ihre Landsleute um die Krone scharen wie um die BBC und natürlich ums Nationale Gesundheitswesen (NHS), zwei andere große Institutionen im Staate.

Im Bewusstsein der allgemeinen Erwartung springen die anderen Familienmitglieder der alten Dame bei, so gut es geht.   Prinz Charles, der sich erfolgreich durch seine Corona-Erkrankung kämpfte, hat mit wohldosierten Videoansprachen und der Online-Eröffnung des neuen Londoner Nightingale-Mega-Lazaretts Pluspunkte erzielt, auch bei eher skeptischen Briten. Seine Frau Camilla hat, ohne viel Getue, dem Freiwilligen-Heer im Lande Mut zugesprochen und Hilfe verlangt für alle in häuslicher Isolation gefährdeten Frauen.   Beide, Charles und Camilla, bereiten sich offenbar auf eine aktivere Rolle vor. Auch Prinz William und seine Frau Kate sind sichtbar geblieben. Sie haben den "Frontkämpfern" des NHS versichert, dass ihnen die Nation rückhaltlose Anerkennung schulde und dass jetzt jeder sehen könne, wie wichtig ihre Arbeit ist, die täglich kaum wahrgenommen wird.

Wenig Freunde haben sich hingegen Williams Bruder Harry und dessen Frau Meghan gemacht, die von Kalifornien aus britische Veteranen und Suppenküchenhelfer in London zu weiterem Heroismus anzufeuern suchen. Rapide schwindet der Respekt für das Paar, das sich jüngst aus dem Dienst der Monarchie verabschiedete, um sich mehr um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern.  In der schweren Krise hätten die Sussexe nach England zurückkehren sollen, meinen jetzt auch frühere Harry- und Meghan-Fans betreten. Mit Kopfschütteln wurden gestern auch Erklärungen Harrys und Meghans quittiert, sie wollten nie wieder mit der britischen Boulevardpresse kooperieren. Niemand kümmert mehr so recht der Streit des "geflüchteten" Paars mit der Presse hier. Die Krise hat, offenbar unbemerkt von Prinz Harry und seiner Frau, alles verändert.