Miteinander

Die Rechte werden doch damit wiederhergestellt

Dietrich May

Von Dietrich May (Gengenbach)

Sa, 07. August 2021

Leserbriefe

Zu: "Jeder Geimpfte kann das Virus übertragen", Zuschrift von Wolfgang Schonhard (Forum, 24. Juli)

Der Leserbrief darf nicht unwidersprochen bleiben. Schon der erste Satz, "dass die BZ [für Hetze] Raum bietet", lässt ahnen, dass Herr Schonhard Artikel fünf (1) Grundgesetz nicht kennt oder akzeptiert: Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Seine Meinung soll man veröffentlichen, nicht aber die des Herrn Maurer? Schonhard fordert von der BZ Zensur.

"Es ist mein Körper, und niemand hat das Recht, darüber zu bestimmen." Das trifft zu, der Autor darf sich rädern, vierteilen, federn, tätowieren. Das ist nur auf seine Person bezogen. Jedoch, wenn einer mangels Impfung ernstlich erkrankt und wochenlang auf der Intensivstation liegt, berührt das die Solidargemeinschaft und belastet die Menschen in den Kliniken. Es ist eine intellektuell schwache Argumentation, 100-prozentige Sicherheit zu fordern. Die gibt es (fast) nirgends, nur der Tod ist sicher.

"Wenn ein Mensch meint, er sei etwas Besseres, weil er geimpft ist, ist er nicht Teil der solidarischen Gemeinschaft." Wer so argumentiert, verkennt einiges: Durch den Wegfall der Einschränkungen werden die verfassungsmäßigen Rechte wiederhergestellt – keiner ist da etwas Besseres. Aber wer sich nicht in eine Gemeinschaft einordnen will, verdient schon einige Nachteile. Ich habe Zweifel, aber vielleicht hilft es endlich. Wenn eine Person immer jeweils zwei ansteckt, dann geht die Reihe 1, 2, 4, 8, 16 … Nach nur zehn Stufen sind es 1048. Heftiger wird es bei dreien: 1, 3, 9, 27... und nach zehn Stufen: 59049. Vor wenigen Wochen waren es in Deutschland etwa 750 Neuinfizierte pro Tag, zwei Wochen später 1589. Ist das Nichtimpfen solidarisch? Sollte man im Gegenzug die Impfunwilligen nicht ihre eigenen Krankheitskosten zahlen lassen, da man ihnen die Behandlung nicht verweigern darf? Mich ärgert die Unbedarftheit mancher Zeitgenossen. Dietrich May, Gengenbach