"Langer Marsch 5B"

Die Reste von Chinas Rakete stürzen ins Meer

dpa

Von dpa

So, 09. Mai 2021 um 16:35 Uhr

Panorama

Die Überreste einer für den Bau der chinesischen Raumstation genutzten Rakete sind nahe der Inselgruppe der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt.

"Der größte Teil" sei in der Erdatmosphäre verglüht, teilte Chinas Raumfahrtprogramm am Sonntag mit. Der Wiedereintritt der 21 Tonnen schweren Hauptraketenstufe in die Atmosphäre war "unkontrolliert", wie westliche Experten sagten. So war vor dem Risiko gewarnt worden, dass Überreste über bewohnten Gebieten niedergehen könnten. Die neue, besonders tragfähige Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am 29. April das 22 Tonnen schwere Modul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Es soll den Hauptteil der chinesischen Raumstation bilden.

Der Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Bill Nelson, übte deutliche Kritik an China. Raumfahrtnationen müssten die Gefahren für Menschen und Eigentum auf der Erde durch den Wiedereintritt von Raumfahrtobjekten minimieren und möglichst große Offenheit hinsichtlich solcher Operationen demonstrieren. "Es ist eindeutig, dass China verantwortliche Standards hinsichtlich seines Raumfahrtmülls nicht erfüllt hat", hieß es in seiner Erklärung.

Raumfahrtbehörden und Experten hatten die Flugbahn in den letzten Stunden genau verfolgt. Die Raketenstufe war demnach noch mit hoher Geschwindigkeit über Portugal, Sardinien und Teile Griechenlands geflogen, bevor sie den Nahen Osten überquerte und nach Angaben des US-Raumfahrtkommandos gegen 4.15 Uhr MESZ über der Arabischen Halbinsel in die Atmosphäre eintauchte.

Als Ursache für den ungesteuerten Wiedereintritt gilt Experten das Design der neuen Rakete. Schon beim ersten Flug des schweren Typs "Langer Marsch 5B" waren im Mai 2019 Reste in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten lokalen Berichten zufolge Häuser beschädigt. Die Raketenstufe gehört zu den größten Objekten, die jemals wieder zur Erde gestürzt sind. China hatte sein Vorgehen als "internationale Praxis" verteidigt. Das Land plant nächstes Jahr zwei weitere Starts mit diesem Raketentyp, wenn zwei Module ins All gebracht werden sollen, um an das Hauptteil der Raumstation montiert zu werden.