Gemeindemarketing

Die schwierige Suche nach einem Slogan für Denzlingen

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Do, 06. Februar 2020 um 11:45 Uhr

Denzlingen

Die Gemeinde beauftragt eine Werbeagentur, ein Logo für Denzlingen zu entwerfen. Die drei vorgestellten Slogans ernten neben Zustimmung auch heftige Kritik. Entschieden ist noch nichts.

Die Gemeinde will ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck bringen – in Form eines einprägsamen Logos mit Wiedererkennungswert. Mit der Aufgabe hat sie vor fast zwei Jahren die Freiburger Werbeagentur "Frau.Wolf macht Kommunikation" beauftragt. Deren Gründerin Andrea Wolf stellte nun im Rat drei Vorschläge vor, für die sie teils Zustimmung, teils heftige Kritik einstecken musste. Eine Entscheidung ist noch immer nicht gefallen.

"Ich finde dumm, was hier vorgeschlagen wird."Dieter Geuenich (Freie Wähler)
Ein wenig neidisch blicken die Denzlinger auf die Webseite ihrer Nachbargemeinde. "Waldkirch. Klingt gut" – ist dort zu lesen, flankiert von einer Kirche inmitten einer durch Striche dargestellten Orgel. Die Assoziation ist eindeutig: Waldkirch, die Orgelstadt. Marketingexperten sprechen von einem Corporate Design: unverwechselbar, dauerhaft präsent und mit hohem Wiedererkennungswert. So ein Logo will auch Denzlingen haben. Nur: In der Gemeinde gibt es nicht das eine Wahrzeichen wie in Waldkirch. Mauracher Berg, Kultur- und Bürgerhaus, Storchenturm, Altes Rathaus, Rocca: Wer Denzlinger nach ihrem Wahrzeichen fragt, erhält viele Antworten, sagt Andrea Wolf. Sie hat viel Aufwand betrieben, um zu erforschen, was die Denzlinger Bürger mit ihrer Gemeinde verbindet, womit sie sich identifizieren können, was den Kern der Marke Denzlingen ausmacht. Doch mit den Ergebnissen ihrer Arbeit sind viele Gemeinderäte überhaupt nicht zufrieden.

Wolf sollte Alternativen erarbeiten

Schon im vergangenen Jahr entwarf sie ein Logo, welches das typische Denzlinger Lebensgefühl verkörpern und Denzlingens positive Eigenschaften bündeln sollte. Heraus kam ein roter Storch, der über dem Schriftzug "Denzlingen macht glücklich." thront. Die Euphorie hielt sich in Grenzen. Mit dem Storchen konnte sich die Mehrheit der Räte anfreunden, der Slogan wurde abgelehnt – verbunden mit dem an Wolf gerichteten Auftrag, Alternativen zu erarbeiten.

Diese präsentierte sie in der jüngsten Sitzung. Und die unruhige Stimmung im Ratssaal ließ schnell vermuten, dass sie auch dieses Mal am Ende nicht mit Jubel belohnt wird. Es wurde viel getuschelt, manche Räte verließen zwischendurch ihren Platz, andere den Saal. "Die Unruhe war nicht zielführend", befand später Andreas Tym (Grüne), der sich nach wie vor mit dem Slogan "Denzlingen macht glücklich." anfreunden kann. Der alte Vorschlag sei immer noch ihr Favorit, sagte Wolf. Ihre vorgestellten Alternativen lauteten: "Denzlingen für’s Leben gern!" und "Denzlingen mitten im Leben."

Droht Rechtsstreit mit RTL?

Daniel Mannhardt (Die Partei) befürchtete, der Slogan "Denzlingen mitten im Leben." könne aufgrund der gleichnamigen Sendung einen Rechtsstreit mit dem Fernsehsender RTL nach sich ziehen. Außerdem bemängelte er, dass die Schreibweise mit dem Apostroph im zweiten Slogan laut Duden falsch ist.

Auch Thomas Pantel (Grüne) sparte nicht mit Kritik. "Wenn Sie mir in einem zwanzigminütigen Vortrag den Slogan erklären, erschließt er sich mir. Aber ein unbedarfter Betrachter versteht ihn nicht auf Anhieb." Der Auftrag habe gelautet, eine Marke zu entwickeln, die die Einzigartigkeit Denzlingens auf den Punkt bringt. Doch die drei Slogans wirkten beliebig und träfen auf jede Gemeinde zu. Wolf solle neue Slogans entwerfen, so Pantel.


"Etwas mehr Lockerheit gehört dazu. Denzlingen wird nicht besser oder schlechter aufgrund eines Slogans." Rudolf Wöhrlin (CDU)
Noch deutlicher wurde Dieter Geuenich (Freie Wähler), der die Slogans ebenfalls für austauschbar hielt: "Ich finde es dumm, was hier vorgeschlagen wird", sagte er. Seine Kritik richte sich nicht an Wolf, wie er betonte, sondern an die Verwaltung und den Gemeinderat, die diesen Auftrag beschlossen hätten. Er störte sich nicht nur an den Slogans, sondern auch an dem Storchen als Wahrzeichen für Denzlingen. Schließlich würden auch in Gundelfingen, Reute oder Breisach Storchennester gepflegt. "Das Logo kann jede Gemeinde in Baden-Württemberg für sich beanspruchen", so Geuenich. Doch für den Storchen als Symbol hatte sich der Gemeinderat im Mai 2019 entschieden, als Geuenich noch kein Ratsmitglied war.

SPD-Rätin fühlt sich auf den Arm genommen

Als Elfriede Behnke (SPD) sagte, dass die Mehrheit im Rat den Slogan nicht will und sie sich auf dem Arm genommen fühle, weil Wolf den Ratswunsch nach einem spezifischen Lokalbezug nicht berücksichtigt habe, wurde diese aus Reihen der CDU in Schutz genommen. Rudolf Wöhrlin (CDU) bat seine Ratskollegen, nicht so verbissen zu sein. "Etwas mehr Lockerheit gehört dazu. Denzlingen wird nicht besser oder schlechter aufgrund eines Slogans." Abgestimmt werden soll in der kommenden Ratssitzung am 10. März.

Die Werbeagentur werde – genau wie die neu gestaltete Webseite der Gemeinde – aus dem Topf für Öffentlichkeitsarbeit bezahlt, sagte Kämmerer Martin Ziegler. 2019 wurden im Haushalt dafür 35.000 Euro bereitgestellt. Die Kosten für die Werbeagentur seien aber deutlich niedriger, hieß es aus dem Rathaus.