Die Seele zum Tanzen bringen

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 23. August 2021

St. Märgen

Abschlusskonzert der vierteiligen Reihe von Abendmusiken in der Kirche von St. Märgen.

Es war eine Initiative des St. Märgener Arztes Friedrich von Flotow, um die professionellen Künstler und Künstlerinnen in St. Märgen, die unter Corona leiden und litten, zu unterstützen: Eine vierteilige Reihe von Abendkonzerten in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Die ersten drei Abendmusiken in der Kirche bestritten der Panflötist Oscar Javelot, der Pianist Lambert Bumiller und die Mezzosopranistin Györgyi Dombradi.

Für das vorläufige Abschlusskonzert gelang es, die Sopranistin Monika Eder zu gewinnen. Sie präsentierte ein pralles Programm mit barocken Liedern, begleitet von ihrer Tochter Siri Eder an der Violine und Johannes Götz am Cembalo. Monika Eder hat mit ihrer Familie selbst eine ganze Zeit in St. Märgen gewohnt und bereits früher in der Kirche konzertiert.

Pfarrer Armbruster verband seine abendliche Begrüßung mit einem Text von Madeleine Debrêl, in dem es heißt: "Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, o Herr, könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen". Monika Eder eröffnete sodann den bunten Strauß barocker Melodien mit dem Psalm "Ich will den Herren loben allezeit" von Heinrich Schütz und der Kantate "Domine, Dominus noster" von André Campra. Das volle Volumen ihrer glasklaren, glockenhellen Stimme erfüllte jeden Winkel des Kirchenraums und die positiv heitere Grundstimmung dieser beiden Kompositionen knüpfte an die beschworene Lebensfreude des Eingangsgedichts an.

Ebenso das folgende Cembalo-Solo von Johannes Götz. Das von Jacques Duphly für dieses Instrument geschriebene Stück "La De Belombre" wird gewöhnlich mit "vivement", also lebendig, charakterisiert und exakt dieses Urteil trifft auch zu. Von Friedrich von Flotow war zu erfahren, dass dieses Instrument das erste Mal in der St. Märgener Kirche erklungen ist und dies nur durch die Leihgabe des Freundeskreises für Musik der evangelischen Kirchengemeinde Kirchzarten möglich geworden war.

Der eingeschlagene Weg der musikalischen Beschreibung der reinen Lebensfreude kulminierte in Georg Friedrich Händels Arie "Meine Seele hört im Sehen", zu der das Künstlertrio im Chorraum wieder vereint war. Schon im Titel ist der innere Gemütszustand untrennbar mit der materiellen Sinnlichkeit verknüpft und so auch im mitreißenden Vortrag der Musik. Eine eher romantische Grundstimmung schuf das von Giulio Caccini vertonte Liebesgedicht "Amarilli" an die gleichnamige Blume.

Das Finale stand im Zeichen der Großmeister Bach und Händel. Bachs "Willst du Dein Herz mir schenken" und Händels "Singe Seele Gott zum Preis", das eine ein geadeltes Volkslied, das andere eine gefühlvolle Lobesarie. Begeisterter Beifall belohnte die virtuose Sängerin und ihre kongenialen Begleiter, aber das Konzert war noch nicht vollends zu Ende.

Monika Eder ergriff das Wort und erinnerte an die Schnelllebigkeit und die für gewöhnlich damit verbundene Oberflächlichkeit unserer Zeitläufte, aber auch an die Katastrophen unserer Gegenwart. Schwer sei oftmals, ein inneres Gleichgewicht zu finden. Mit ihrer Zugabe, der Händel-Arie "Süße Stille, sanfte Quelle", hoffe sie, den Anwesenden eine kleine Hilfe mitgeben zu können. Das rührte tief und die Anwesenden verstanden und befolgten ihre Geste nach dem Vortrag, auf Beifall zu verzichten. So endete der Abend voller Eindrücke in einem Moment der kontemplativen Stille.