"Die sehen alle tipptopp aus"

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Fr, 21. Juni 2019

Neuenburg

Steinkauz-Bestand hat sich im Markgräflerland zuletzt vergrößert / Besuch beim Biologen Mett.

MARKGRÄFLERLAND. 30 Jahre lang galt der Steinkauz (Athene noctua) im Markgräflerland als ausgestorben. Bis 2017 erstmals in der Nähe von Auggen wieder ein Bruterfolg mit fünf Jungen gemeldet wurde. Zwei Jahre später hat sich der Bestand erfreulich vergrößert: 21 Jungvögel in fünf Bruten zählte der Biologe Helmut Mett aus Neuenburg, der für die Vogelwarte Radolfzell die Beringungen vornimmt. Kürzlich beringte er die letzte Brut mit vier Jungen.

Die Wiese im Raum Neuenburg ist gut geeignet als Lebensraum für die kleinen Eulen, die nachts auf Mäusejagd gehen: Der Landwirt hat sie schon gemäht. Zwei alte Obstbäume stehen da, im einen hängt die Kauzröhre, in der das Gelege aufgezogen wurde. Der andere gleich nebenan dient den Altvögeln als Tagesquartier, wenn es ihnen in der Brutröhre zu eng wird.

"Die sehen alle tipptopp aus", freut sich Biologe Mett als er dem letzten Nestling den Ring verpasst hat, auf dem Datum und Beringungsort in Chiffren eingraviert sind. Das Futterangebot war offenbar gut. Zehn bis zwölf Mäuse verputzt so eine kleine Kauzfamilie jeden Tag. "Käuze beringen darf man nicht nur, weil man das gerne macht", sagt Mett. Ein mehrtägiger Lehrgang mit viel Theorie und auch mit praktischen Übungen an Kleinvögeln gehört zu dieser Ausbildung. Außerdem muss man sich für jede Vogelart extra qualifizieren.

Beringt werden Vogelarten, an denen die Ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg besonderes Interesse hat, weil sie selten geworden sind und weil man ihre Entwicklung dokumentieren möchte. Ein Elterntier der nun beringten Brut stammt aus Mappach, wie Mett bei der Kontrolle der Brutröhre ablesen konnte. Das andere trägt keinen Ring, ein "No-name". Auch einer der jungen Käuze dieses Jahrgangs 2019 ist Mett "durch die Lappen gegangen". Als er mit den Ringen anrückte, waren von den fünf Jungvögeln nur noch vier zu Hause.

Dass es im Markgräflerland wieder Steinkäuze gibt, ist den unermüdlichen Bemühungen vieler Menschen zu verdanken, die jahrelang in geeigneten Bäumen Brutröhren aufgehängt und diese regelmäßig kontrolliert und gewartet haben. Verschwunden war der Steinkauz im Markgräflerland, weil er in der ausgeräumten Landschaft keine Brutmöglichkeiten mehr gefunden hatte: Hohlräume in alten Bäumen, die sich beispielsweise in abgebrochenen Ästen entwickeln.

Im mittleren Markgräflerland betreut Helmut Mett selbst rund 30 solcher künstlicher Röhren, um weitere zehn bis 15 kümmert sich ein Stab von treuen Helferinnen und Helfern. Im gesamten Markgräflerland hängen ungefähr 180 bis 200 Steinkauzröhren. Alle haben ein Etikett mit dem Nabu-Logo und der Telefonnummer von Mett. So können die Grundstückseigner Kontakt aufnehmen, etwa wenn ein Baum gefällt werden muss oder die Röhre beschädigt wurde. Auch Totfunde von Steinkäuzen sollten an diese Nummer gemeldet werden.

"Die Eigentümer sind alle sehr offen, wenn ich sie frage, ob man auf ihrem Grundstück eine Kauzröhre installieren kann", erzählt Mett. Die Konstruktion der pro Stück etwa 100 Euro teuren Wohnungsangebote hat einen raffinierten Einstieg der dem Marder, Hauptfeind des Steinkauzes, keine Chance lässt, ins Innere zu gelangen. Ein Drittel der Behausungen war dieses Jahr von Staren bezogen, in weiteren zehn Prozent hatten es sich Meisenpärchen mit Nachwuchs gemütlich gemacht. Und manchmal findet Mett auch Hornissen- oder Wespennester.

Den ersten Rundgang zu den Brutröhren unternimmt er schon im Februar. Da kann er sehen, ob sich ein Kauz darin aufgehalten hat; eine kleine Nestkuhle im eingestreuten Sägemehl verrät ihm das. In der ersten Maiwoche dann eine weitere Inspektion, die zeigt, ob Eier oder schon Jungvögel da sind. Die Beringung zwischen Ende Mai und Juni ist dann der Lohn für den Einsatz: Mit Leiter, Werkzeugkasten und einem Eimer mit frischem Sägemehl geht es zu den Brutbäumen, meist ist eine kleine Schar von Interessierten dabei. Besonders die Kinder bestaunen die kleinen flaumigen Wesen mit den großen gelben Augen. Eine letzte Kontrolle im Spätherbst oder Winter gilt dann dem Hausputz, einer frischen Einstreu und der Reparatur der Röhren.

Mett will gerade wieder auf die Leiter steigen, um die frisch beringten Käuzchen in ihre Röhre zu setzen, da kommt der Landwirt per Fahrrad. Für ihn steigt Mett gerne noch einmal herunter und nimmt einen der kleinen Vögel aus dem Transportsäckchen. Der Landwirt freut sich mit ihm über das gesunde Tierchen.