Norwegen

Die Sozialdemokraten melden sich in Oslo zurück

Di, 14. September 2021 um 17:59 Uhr

Ausland

Trotz schwachen Ergebnisses steht die Arbeiterpartei nach acht Jahren Opposition in Norwegen vor der Übernahme der Regierung.

Überglückliche Sozialdemokraten, die frenetisch den Namen ihres Spitzenkandidaten rufen und den kommenden Regierungschef stellen werden: Szenen wie in Norwegen dürfte sich auch die SPD bei der Bundestagswahl in knapp zwei Wochen wünschen. Nach dem Sieg bei der norwegischen Parlamentswahl macht sich die sozialdemokratische Arbeiterpartei auf, eine von ihr angeführte Regierungskoalition auf den Weg zu bringen. Parteichef Jonas Gahr Støre ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, dass er die Sozialdemokratie wieder auf dem Vormarsch sieht.

Bereits in den Stunden nach dem Wahlsieg gingen etliche Glückwünsche bei dem 61-Jährigen ein, der aller Voraussicht nach neuer Ministerpräsident der wohlhabenden Nation im Norden Europas wird. Neben der Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton und Parteifreunden aus Skandinavien habe sich auch der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei ihm gemeldet. Viele betrachteten die Lage in Norwegen als "Inspiration". Nachdem vor zwei Jahren erst die finnischen und dann die dänischen Sozialdemokraten die Regierungsmacht zurückerobert hatten, werden nun alle nordischen Länder federführend von sozialdemokratischen Politikerinnen und Politikern regiert.

Støre sah im Erfolg seiner Partei somit auch ein Zeichen über die norwegischen Grenzen hinaus. "Ich meine, dass das zeigt, dass die Sozialdemokratie zurückkommt – in einer etwas neuen Form, aber als führende politische Kraft." Man habe gesehen, dass Sozialdemokraten beim Klima- und Umweltschutz sowie bei der damit verbundenen Umstellung der Industrie punkten könnten. Ob dies der Beginn einer neuen sozialdemokratischen Welle in Europa sei? "Das weiß ich nicht", sagte Støre. "Aber es ist auf jeden Fall ein Bruch mit der Vorstellung, dass sozialdemokratische Parteien auseinandergefallen sind."

Die Arbeiterpartei war bei der Norwegen-Wahl am Montag klar stärkste Kraft geworden. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um das zweitschlechteste Wahlergebnis der Partei in knapp 100 Jahren handelte. Sie kam nach vorläufiger Auszählung aller Stimmen auf 26,4 Prozent, nur 2001 waren es weniger. Doch Støre kann diesmal auf etwas setzen, das seiner Partei in den vergangenen acht Jahren gefehlt hatte: starke Bündnispartner. Seine bevorzugten Koalitionspartner, das Zentrum und die Sozialistische Linke, kommen nach Zugewinnen auf 13,6 und 7,5 Prozent. Dieses Mitte-links-Bündnis zählt 89 von 169 Sitzen im Parlament in Oslo. Die seit 2013 regierende Konservative Erna Solberg gratulierte Støre noch am Wahlabend zum Sieg.