K-Frage

"Die Sympathie für Söder ist ausgesprochen stark"

Dietmar Ostermann

Von Dietmar Ostermann

Fr, 09. April 2021 um 08:11 Uhr

Deutschland

Mehrere CDU-Politiker aus dem Südwesten bekennen sich zu Markus Söder als Kanzlerkandidaten.Der Bundestagsabgeordnete Matern von Marschall erklärt, warum er Armin Laschet damit nicht schaden will.

BZ: Herr von Marschall, warum wäre Armin Laschet kein guter Kanzlerkandidat?
Marschall: Armin Laschet ist mit Sicherheit gut geeignet als Kanzlerkandidat. Aber wir, die Mitglieder der Unionsfraktion, sollten in dieser entscheidenden Frage für die Zukunft Deutschlands ein Wort mitreden. Das gilt insbesondere jetzt, vor dem Treffen der Fraktionsspitze mit Armin Laschet, Markus Söder und der Kanzlerin am Sonntag.


BZ: Das übliche Verfahren in der Union lautet: Die Parteichefs von CDU und CSU einigen sich und schlagen einen Kandidaten vor. Haben Sie damit grundsätzlich ein Problem oder nur diesmal?
Marschall: Es ist wichtig, dass sich die Parteiführung der CDU die Stimmungslage im Land ansieht. Da ist die Fraktion das richtige Gremium, um diese Stimmung zu transportieren. Ich hoffe, dass schon an diesem Sonntag oder wenige Tage später eine einvernehmliche Lösung getroffen werden kann zwischen CDU- und CSU-Spitze. Wenn es danach nicht aussieht, dann wird die Rolle der Unionsfraktion bestimmt noch wichtiger werden. Insofern war die Erklärung der Gruppe baden-württembergischer Abgeordneter ein Beitrag zur Meinungsbildung.

"Mein Eindruck ist, dass er eine starke integrative Kraft in Deutschland entfalten kann."

BZ: Wie nehmen Sie denn die Stimmung in der Union wahr?
Marschall: Ich hatte immer den Eindruck, dass ein Kandidat aus Bayern in den nördlichen Landesteilen schwer vermittelbar ist. Ich glaube aber, dass das bei Markus Söder ganz anders ist. Es gibt Kollegen nicht nur aus dem Norden, sondern auch dem Osten Deutschlands, die eine große Sympathie für ihn haben. Mein Eindruck ist, dass er eine starke integrative Kraft in Deutschland entfalten kann. Auch in meinem Wahlkreis nehme ich wahr, dass die Sympathie für Markus Söder ausgesprochen stark ist. Das zeigt sich auch in den Reaktionen auf die Initiative.

BZ: Einvernehmlich kann Söder nur Kandidat werden, wenn Armin Laschet verzichtet. Wollen Sie ihn mit Ihrer öffentlichen Erklärung dazu drängen?
Marschall: Mit der öffentlichen Stellungnahme wollen wir den Diskussionsprozess befördern. Was wir nicht wollen, ist ein Automatismus, der ohne Rücksicht auf das Meinungsbild in der Fraktion zu einer Entscheidung in die eine oder andere Richtung führt.

"Wir sollten Armin Laschets eigene Aussage ernst nehmen: Kanzlerkandidat solle derjenige werden, der die besten Chancen für ganz Deutschland hat."

BZ: Öffentliche Führungsdebatten haben der CDU in den vergangenen Jahren nicht gut getan. Droht eine K-Debatte die Partei nicht weiter zu spalten?
Marschall: Das glaube ich überhaupt nicht. Ich kann für mich selbst sagen, dass ich denjenigen, der Kanzlerkandidat wird, aus voller Kraft unterstütze. Aber wir sollten Armin Laschets eigene Aussage ernst nehmen: Kanzlerkandidat solle derjenige werden, der die besten Chancen für ganz Deutschland hat. Das ist glaube ich von ihm selbst auch ernst gemeint.

BZ: Wenn Sie Herrn Laschet vertrauen würden, dass er dieses Kriterium anwendet, bräuchten Sie sich doch öffentlich nicht zu Herrn Söder zu bekennen.
Marschall: Nochmal, ich finde, dass bei einer solch wichtigen Entscheidung auch die Stimmungslage in der Fraktion zur Kenntnis genommen werden sollte.

BZ: Sie betonen, Laschet nicht beschädigen zu wollen, aber die Botschaft ist doch: Der CDU-Vorsitzende ist als Kanzlerkandidat nicht gut genug.
Marschall: Das könnte man ja auch über Markus Söder sagen, würde sich keiner in der Union für ihn einsetzen. Ich sehe da keine Beschädigung für Armin Laschet.
Matern von Marschall, 58, vertritt als direkt gewählter CDU-Abgeordneter seit 2013 den Wahlkreis Freiburg im Bundestag.

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