"Die Welt im Kleinformat"

bex

Von bex

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit der Schülerin Charlotte Beer, die ab Januar das United World College in Swasiland besuchen wird.

Zischup-Reporterin Antonia Beer aus der Klasse 9a des St.-Ursula-Gymnasiums in Freiburg hat ihre Schwester Charlotte Beer (16) über das United World College (UWC) interviewt. Charlotte Beer wird ab Januar 2015 das UWC in Swasiland besuchen. Ein UWC gibt es seit diesem Schuljahr auch in Freiburg.

Zischup: Was ist überhaupt das UWC?
Beer: UWC steht für United World College, das sind 14 Colleges, also Hochschulen, auf der Welt verteilt. Es sind internationale Schulen, wo Leute aus der ganzen Welt hingehen, um zwei Jahre gemeinsam zu lernen und ihren Schulabschluss zu machen. Man macht nicht das Abi, sondern das IB (International Baccalaureate).
Zischup: Was ist der Unterschied zwischen den 14 UWCs?
Beer: Alle haben eine bestimmte Richtung, das UWC in Deutschland, genauer Freiburg, ist eher naturwissenschaftlich ausgerichtet und das UWC in Italien beispielsweise musikalisch, wobei das nicht bedeutet, dass alle Schüler in Italien musikalisch sind und alle Schüler in Freiburg naturwissenschaftlich begabt. Auch beim Community Service, also dem Dienst für die Gesellschaft, unterscheiden sie sich. In Swasiland gibt es zum Beispiel ein Aids-Präventionsprogramm und in Wales gibt es Seenotrettungsdienste.
Zischup: Warum gehst du erst im Januar nach Swasiland? Ein Schuljahr beginnt doch im September.
Beer: Weil Swasiland auf der Südhalbkugel ist. Auch die beginnen nach den Sommerferien und das ist dort eben im Januar.
Zischup: Also geografisch, wo liegt Swasiland genau? Es ist schließlich kein sooo bekanntes Land ...
Beer: Es liegt zwischen Südafrika und Mosambik, das bedeutet ziemlich im Süden von Afrika, dort tendenziell eher im Osten.
Zischup: Wie hast du vom UWC erfahren?
Beer: Mir wurde von einer Ehemaligen davon erzählt, die war vor mehreren Jahren in Hongkong im United World College. Sie hat mir vor anderthalb Jahren davon erzählt, weil ich in einem passenden Alter war. Wir haben uns zufällig kennen gelernt.
Zischup: Warum hast du dich dann angemeldet?
Beer: Mich hat die Idee des UWC überzeugt. Die Idee des Gründers war, dass wenn unterschiedliche Nationen sich schon früh kennen lernen, also als Jugendliche, dass man dann ziemlich viele Konflikte im Voraus vermeiden kann. Denn wenn man sich nicht kennt und jemand sagt, zum Beispiel, die Russen sind so und so, dann glaube ich das vielleicht, weil ich es nicht besser weiß. Aber wenn ich Leute kenne, die aus Russland kommen, dann weiß ich es besser!
Zischup: Wie muss eine Person sozusagen ticken, um am UWC angenommen zu werden?
Beer: Man sollte engagiert und motiviert sein. Man sollte interessiert sein, was in der Welt so vor sich geht. Das bedeutet jetzt nicht, dass man in allen Bereichen absolut informiert sein muss.
Zischup: In welchen Ländern der Welt gibt es diese 14 Colleges?
Beer: Ich fange mal in Amerika an, wir haben eins in Kanada, den USA und in Costa Rica eins. Dann ist eins in Swasiland. In Europa sind sie in Wales, Norwegen, Italien, Deutschland ... (überlegt) in den Niederlanden und Bosnien-Herzegowina. In Asien haben wir eins in Singapur und eins in Hongkong und eins in Armenien. Das ist auch ganz neu.
BZ: Spielten bei der Auswahl Noten eine große Rolle?

"Wenn sich verschiedene

Nationalitäten gut kennen,

gibt es weniger Konflikte."

Beer: Ich weiß nicht, wie groß die Rolle der Noten war. Aber ich glaube, sie war nicht absolut ausschlaggebend. Wobei, man muss seine Noten angeben und ich glaube, sie würden sich tendenziell schwertun, jemanden zu nehmen, der ganz schlecht in der Schule ist. Einfach, weil das Niveau an den UWCs relativ hoch ist. Es wird oft gesagt, das IB sei schwerer als das Abi. Und Lernen soll nicht alles sein.
Zischup: Hast du Beziehungen zum UWC hier in Freiburg?
Beer: Ja, ich kenne sämtliche Personen aus meinem Jahrgang, die aus Deutschland genommen wurden, egal wohin die jetzt gegangen sind. Dementsprechend kenne ich auch die Deutschen, die nach Freiburg gekommen sind. Über die habe ich auch Kontakt zum College hier in Freiburg, da wir befreundet sind und ich sie öfters besuche. Dadurch kenne ich mittlerweile auch einige aus anderen Ländern.
Zischup: Wie empfindest du die Gemeinschaft im UWC hier in Freiburg? Macht dir das eher Angst oder Vorfreude auf dein eigenes UWC?
Beer: Es ist spannend auf jeden Fall. Man merkt einfach wie die Kulturen aufeinander prallen, und wie Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander zurechtkommen müssen. Ich freue mich darauf, es selbst in Swasiland erleben zu dürfen und es selber handhaben zu müssen. Es sind natürlich große Diversitäten, auf die man da stößt.
Zischup: Sag’ in einem kurzen Satz, was UWC für dich bedeutet!
Beer: Ein Austausch der Welt im Kleinformat.