Unterm Strich

Die zehn Plagen der digitalen Welt

Markus Hofmann

Von Markus Hofmann

Sa, 10. April 2021 um 16:13 Uhr

Computer & Medien

Nach Viren und Mails belästigen uns nun endlose Video-Meetings. Ausgerechnet die Chefin einer US-Investmentbank plädiert für weniger Zoom am Arbeitsplatz.

Zuerst verwandelt sich das Wasser der Flüsse in Blut. Dann wimmelt es von Fröschen, Mücken und Stechfliegen. Dann sterben die Pferde an der Pest, später die Menschen an den Pocken. Es donnert Hagel vom Himmel und Heuschrecken fressen auf, was wächst. Schließlich bedeckt eine Finsternis das Land. Und am Ende sterben Ägyptens erstgeborene Kinder.

Weil der Pharao nicht einlenkt, schickt Gott ihm eine Katastrophe nach der anderen. Es sind die zehn biblischen Plagen – so steht es im 2. Buch Mose, dem Exodus. Mehr als 3200 Jahre sind vergangen seit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Die Plagen hat es vermutlich real nie gegeben. Allgegenwärtig sind dagegen die Plagen der digitalen Welt.

Wir werden geplagt von Werbebannern, die uns durchs Internet folgen. Wir werden geplagt von Hasskommentaren. Wir werden geplagt von einer Flut sinnloser E-Mails. Wir werden geplagt von der Lernplattform Moodle. Wir werden geplagt von Sprachnachrichten, Klingeltönen und Influencern, die uns mit Schleichwerbung belästigen. Wir werden geplagt von Facebooks Gefällt-mir-Knopf. Und wir werden geplagt von Viren und Trojanern.

Die zehnte Plage in der digitalen Welt sucht uns heim seit Beginn der Corona-Pandemie – es sind Videokonferenzen auf Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams. Wer nicht weiß, was das ist: Bei einer Zoom-Konferenz starrt man zwei Stunden auf seinen Bildschirm und vergisst bei eigenen Wortmeldungen, das Mikrofon anzuschalten. Eigentlich eine gute Sache. Allerdings: Weil es so unendlich einfach ist, Kollegen zu Videokonferenzen einzuladen, besteht der Tag nur noch aus Video-Meetings – und endet mit müden Augen und einer Matschbirne.

Die Chefin einer Investmentbank hat nun erkannt, welch Plage uns da heimsucht – und plädiert für "Zoom-freie Freitage" ohne Videokonferenzen. Seien wir dankbar für diese Freiräume – und freuen uns auf inspirierend-narkotisierende Marathonmeetings in schlecht belüften Büros, wenn die Pandemie vorüber ist.