BZ-Interview

Diese 77-jährige Waldkircherin tritt bei Poetry-Slams auf

Felix Ruf

Von Felix Ruf

Do, 24. November 2022 um 14:04 Uhr

Waldkirch

Poetry Slams sind nur etwas für Junge? Ulla Skrue Klomp ist 77 Jahre alt – und freut sich auf den "X-Mas Slam" am Wochenende im Elztalmuseum.

Am 26. November findet im Elztalmuseum der Poetry (X-Mas) Slam statt. Beim Poetry Slam geht es darum, innerhalb von sieben Minuten selbstverfasste Texte zu präsentieren, bei denen auch keine Requisiten verwendet werden dürfen. Es wird also vor allem Kreativität von den Künstlern erwartet. Im Vorfeld sprach Felix Ruf mit Ulla Skrue Klomp, die ebenfalls am Wettbewerb teilnimmt.


BZ: Wie sehr freut und motiviert es Sie, in Waldkirch beim Poetry (X-Mas) Slam dabei zu sein und diesen mitzugestalten?

Klomp: Hier in Waldkirch mitzumachen freut mich sehr. Gerade weil wir in den letzten Jahren viel dafür getan haben, dass die Slams attraktiver werden und eine breite Masse des Publikums angesprochen werden kann. Wir hoffen auch dieses Mal auf ein gemischtes Publikum, was offen ist und sich Zeit nimmt, die verschiedenen Präsentationen anzuhören.

BZ: Haben Sie sich auf diesen Abend besonders vorbereitet?

Klomp: Ja, denn das Thema wird Weihnachten sein. Das heißt, man muss einen Weihnachtstext herausarbeiten. Ich habe einen Text über ein Gourmet-Essen geschrieben und das kann ich perfekt mit Weihnachten in Verbindung bringen, denn es wird das Weihnachtsessen sein. Das Gute ist, man kann Texte auch immer wieder verwenden und so umschreiben, dass sie zum jeweiligen Thema passen.
Zur Person

Ulla Klomp (77) und wohnt in Waldkirch. Die studierte Geographin und Germanistin war Lehrerin und ist jetzt im Rentenalter Künstlerin und Autorin.


BZ: Wie sind sie zur Faszination des literarischen Wettstreits gekommen?

Klomp: Als Autor ist man einsam und man liest sich immer wieder alles alleine durch. Man bekommt kaum Lesungen und ist wenig unterwegs. Die Bedingungen sind schwierig. Aber der Slam bietet Kontakt zu Menschen, man kann sich unterhalten. Bei Slams hat man Pausen, man kann sich dort und auch nach den Slams austauschen und gegenseitig unterstützen. Das habe ich immer geschätzt.

BZ: Was würde es Ihnen bedeuten, am Ende der Veranstaltung als Siegerin nach Hause zu gehen?

Klomp: Sehr viel. Ich glaube, mir würde es sogar mehr bedeuten als vielen jungen Menschen. Gewinnen macht mir Spaß und es gibt mir das Gefühl, ich kann mich mit der Jugend verständigen, ich werde gehört. Man kann daraus viel Energie ziehen, was auch Kraft für den Alltag gibt.

BZ: Wer unterstützt Sie in der Vorbereitung auf diesen Abend und dann auch beim Wettbewerb?

Klomp: Mein Mann. Er ist derjenige, der sich auch immer die verschiedenen Fassungen anhören muss. Wenn es ihm nicht gefällt, merke ich das sofort auch an seinem Gesichtsausdruck. Ansonsten liest man nirgends vor, sondern springt beim Wettbewerb direkt in das kalte Wasser.

Die Slamer hätte ich gerne schon früher kennengelernt

BZ: Auf welches Werk von Ihnen sind Sie im Rückblick am meisten stolz?

Klomp: Mein Buch "Grenzgänger". Es handelt von der Zeit zwischen 1938 und 1945. In Kopenhagen hatte ich einen Kollegen, der Jude war. Er hat mir viel erzählt und diese Texte habe ich als fingierte Tagebuchtexte in dem Buch verwendet. Es geht um Flucht, Krieg, Gewalt und eben die Nazis. Und dem gegenüber wird ein Neonazi gestellt, ein Junge, der in die Fänge von Neonazis gerät und schreckliche Dinge erlebt. Es ist ein sehr authentisches Buch.

BZ: Was treibt Sie immer noch an, so aktiv zu sein und auf den Bühnen dieses Programm abzuspulen?

Klomp: Die Liebe zur Jugend, mich mit ihr zu unterhalten. Von ihrer Energie mir eine Scheibe abzuschneiden, ihre Auffassungen zu hören und dann darüber zu diskutieren. Man kann durch den Austausch Brücken bauen und dafür bin ich sehr dankbar.

BZ: Gibt es noch etwas, was Sie speziell jungen Menschen mitgeben können?

Klomp: Zwischen Jung und Alt besteht zwar ein Abstand, aber die Jugend ist so kreativ und energiegeladen, dass sie einem so viel geben kann. Sie sollen ihr Selbstbewusstsein und ihre Kreativität behalten, davon profitieren auch Menschen wie ich. Die Slamer hätte ich gerne schon früher kennengelernt.
Poetry X-Mas Slam

Beginn ist am Samstag, 26. November, um 20 Uhr im Elztalmuseum. Teilnehmer sind Ulla Skrue Klomp, Gregor Biberacher, Philipp Stroh, Cäcilia Hufnagel, Dominik Heißler, Dominik Fahrner sowie die Singer-Songwriterin Lisa Huber. Kartenvorverkauf für 12 Euro oder ermäßigt 8 Euro im Elztalmuseum.