Kolumne

Diese zuckerfreie Ritter Sport-Schokolade darf keine Schokolade sein

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Do, 04. Februar 2021 um 11:04 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Tatsächlich muss Schokolade laut deutscher Kakaoverordnung Zuckerarten enthalten. Wegen der deutschen Regelwut dürfe darf die Marktneuheit aus dem Hause Ritter Sport nicht Schokolade heißen.

Na klar, Zucker ist schlecht für die Figur und für die Zähne. Aber Süßes schmeckt halt so gut. Und erst Schokolade... Dieser zarte Schmelz, der sich von der Zunge bis zum Gaumen schmeichelnd an die Geschmacksknospen schmiegt, höchstens unterbrochen von einer knackenden Haselnuss zwischen den Zähnen. Köstlich!

Der Mund funkt per Standleitung ans Gehirn: "Gib mir mehr!" Doch eben weil Süßes irgendwie süchtig macht und Gesundheitsbewusstsein im Trend liegt, hat nicht nur die Politik dem Zucker den Kampf angesagt.

Lebensmittelhersteller lassen Kunden abstimmen, wie süß ein (Schoko-)Pudding sein muss. Promis berichten vom peinvollen Zucker-Entzug, und der Hinweis "Jetzt mit weniger Zucker" lässt selbst größte Kalorienbomben einen Bissen gesünder wirken.

Der schwäbische Schokobaron Ritter Sport wollte es nun auf die Spitze treiben und eine Schokolade ganz ohne Zucker auf den Markt bringen. Keine Diabetiker-Variante, sondern eine richtige, aber nur mit der Süße aus der Kakaofrucht gesüßt.

"Cacao y Nada" bestehe – wie der Name sagt – nur aus Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaopulver und Kakaosaft, sei aber dank des Kakaofruchtsaftes süßer als hochprozentige Bitterschokoladen, teilt der Hersteller mit – und empört sich: Wegen der deutschen Regelwut dürfe diese Marktneuheit nicht Schokolade heißen.

Tatsächlich muss Schokolade laut deutscher Kakaoverordnung Zuckerarten enthalten, bestätigt die Verbraucherzentrale. Die Zuckerarten regelt die deutsche Zuckerverordnung. Für den Mindestgehalt gibt es aber keine Regel, so dass "Cacao y nada" wohl durch eine Prise Zucker ganz leicht zu einer regelrechten Schokolade würde. Doch bei einem Preis von 4,99 Euro je 57 Gramm wäre das zu einfach. Stattdessen vermarktet Ritter Sport sein neuestes Quadrat nun werbewirksam als Kakaofruchttafel. Als was? Schokoladenjunkies erkennen sofort den Vorteil: Kakaofruchttafel – das klingt mindestens so gesund wie Fruchtriegel und gar nicht mehr nach sündiger Schlemmerei.