Klimaschutz

Dieser Weltumsegler bringt Greta Thunberg nach New York

dpa

Von dpa

Mi, 14. August 2019 um 20:14 Uhr

Panorama

Im englischen Plymouth ist das Hochsee-Rennboot Malizia II mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg an Bord gestartet. Chef der Crew ist der deutsche Profisegler Boris Herrmann.

Seine Wassersportwiege ist das ostfriesische Wattenmeer, sein Arbeitsplatz sind die Weltmeere: Der Oldenburger Segelprofi Boris Herrmann strebt dem Gipfel seiner Karriere entgegen, er will als erster Deutscher an der härtesten Segelregatta der Welt teilnehmen. Die Vendée Globe führt die Teilnehmer solo und nonstop in weniger als 80 Tagen um die Welt. Vor der ab Ende 2020 geplanten ultimativen Bewährungsprobe hat der 38-Jährige aber noch einen Sonderauftrag zu bewältigen – und einen ganz besonderen Gast an Bord des Rennboots Malizia II.

Herrmann und sein Co-Skipper und Förderer Pierre Casiraghi, Sohn von Caroline von Monaco, bringen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg von Plymouth in Südengland aus über den Atlantik nach New York, wo sie im September an Klimademonstrationen sowie am UN-Klimagipfel teilnehmen will. Im Dezember steht in Chile die Weltklimakonferenz an. An Bord der Malizia II sind auch noch Thunbergs Vater Svante sowie der Filmemacher Nathan Grossman, der die Reise über den Großen Teich dokumentiert.

Etwa zwei Wochen lang werden sie unterwegs sein

Für die 16-jährige Thunberg ist es der erste Segeltörn ihres Lebens – ein krasserer Einstieg als der Transatlantik-Törn auf Herrmanns 18 Meter langem Kohlefaser-Geschoss ist kaum vorstellbar. Doch der deutsche Segelprofi hat schon drei Weltumseglungen absolviert und mehr als eine Viertelmillion Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Thunberg vertraut ihm: "Ich habe sie gefragt, ob sie Angst hat", berichtet Herrmann, "sie hat mit klarem Nein geantwortet." Herrmann hat Thunberg und ihren Vater intensiv auf die Reise vorbereitet. Auf Facebook veröffentlichte er am vergangenen Montag ein Video, das zeigt, wie er seinen Gästen die Rolle des Wetters bei der Überfahrt des Atlantiks erklärt.

Greta Thunberg fliegt nicht, weil Flugzeuge immense Mengen an Treibhausgasen ausstoßen. Deshalb hatte sie länger nach einer klimaschonenderen Alternative für die Reise nach Amerika Ausschau gehalten. Herrmann bot ihr die Reise auf der Malizia II an. Das Hightech-Boot gehört dem Stuttgarter Finanzinvestor und Segler Gerhard Senft. Er hat es Herrmanns Sponsor, dem Yacht Club de Monaco, verpachtet.

Es wird laut und unbequem

Die Malizia II ist mit Solarpaneelen und Unterwasserturbinen zur Stromerzeugung ausgestattet. Der Dieselmotor an Bord ist nur für Notfälle, er ist versiegelt, so dass sich nachprüfen lässt, ob er benutzt wurde. Unter Deck ist kaum Platz. "Eine Rennjacht ist nie komfortabel, sondern bietet im Bestreben um Leichtigkeit nur die minimalste Ausstattung", sagt Herrmann. Statt Toiletten gibt es an Bord einen Eimer, statt Betten zwei enge Rohrkojen. Es wird laut und unbequem, bei Sturm auch ruppiger. Man müsse sich immer festhalten, berichtete Besitzer Senft der Stuttgarter Zeitung.

Anders als Thunberg saß Herrmann schon als Baby auf einem Segelboot: Im Alter von sechs Wochen nahmen ihn seine Eltern mit auf ihre kleine Familien-Fahrtenjacht. Später erkundete der Vater mit ihm das Wattenmeer hinter den Ostfriesischen Inseln, dann die Nordsee und in den Schulferien skandinavische Gefilde. Das Seemannsherz habe er von zu Hause mitbekommen, sagt er.

Selbst steuern lernte Herrmann klassisch in der Kinderjolle Optimist. Seine Teilnahme an der Mini-Transat, einer Einhand-Transatlantikregatta, als jüngster und einziger deutscher Segler machte ihm kurz nach der Jahrtausendwende und dem bestandenen Abitur Lust auf mehr Meer. Parallel studierte er Wirtschaftswissenschaften. Seine Diplomarbeit schrieb er über "Nachhaltiges Management", obwohl "das damals noch nicht so hoffähig war und einen alle ausgelacht haben". Auch darüber wird er sich mit Thunberg auf der Reise unterhalten können.

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