"Benefizival" im E-Werk

Digitale Veranstaltungen: Eine Branche erfindet sich neu

Elena Stenzel

Von Elena Stenzel

Do, 08. April 2021 um 16:20 Uhr

Kultur

Über die Plattform #inFreiburgzuhause findet am Samstag das Benefizfestival "Benefizival" statt. Die Veranstaltungsbranche erfindet sich gerade neu und sieht in Livestream-Veranstaltungen neue Chancen.

Singen, auftreten, tanzen und Gutes tun: Die Kulturförderungsplattform #inFreiburgzuhause der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau veranstaltet am morgigen Samstag das Benefiz-Festival "Benefizival" im E-Werk. In dem mehrstündigen Livestream treten unter anderem Jazz-Sängerin Cécile Verny & Andreas Erchinger, Äl Jawala oder Kabarettist Jess Jochimsen auf. Der Erlös geht an die Initiative Kulturgesichter0761, die einen Nothilfefonds für Solo-Selbstständige gegründet hat.

Auch das "Benefizival" will die Aufmerksamkeit auf die Menschen lenken, die um und hinter den Bühnen in der Kultur- und Veranstaltungsbranche arbeiten. Die große Bandbreite im Programm soll die Bandbreite der Kulturbranche widerspiegeln. Denn: "Die Menschen auf der Bühne sind ja nur ein Bruchteil der Branche, an solch einem Event wirken immer viele Menschen mit", sagt Julica Goldschmidt. Sie wird den Livestream moderieren. Nicht nur die Kulturbranche hat seit einem Jahr Sendepause, auch für Goldschmidt – hauptberuflich Radiomoderatorin bei Baden.fm und Event-Moderatorin – sind 2020 reihenweise Jobs weggebrochen. Besonders die 900-Jahr-Feier der Stadt Freiburg hätte viele Live-Moderationen für sie bedeutet, die dann alle abgesagt werden mussten. "2020 hat ganz klare und bedeutende Spuren hinterlassen", sagt sie.

Die Branche erfindet sich neu

Doch die Branche krempelt derzeit die Ärmel hoch und entwickelt neue Formate: Verstaltungen wie die Gala-Nacht des Sports wurden im vergangenen Jahr noch abgesagt, mittlerweile finden wieder viele Veranstaltungen live, aber eben digital statt. "Die ganze Branche befindet sich in einer Neufindungsphase", sagt Goldschmidt. "Durch die Zeit hat man gemerkt, dass uns derlei Formate vermutlich noch eine Weile begleiten werden. Also hat man Wege gefunden, diese ‚neue Wirklichkeit‘ zu gestalten." Neue und digitale Formate habe man gesucht, gefunden und ausgetestet. Mittlerweile, so sagt die Moderatorin, hätten sich die Formate auch schon professionalisiert und die Nachfrage nach professionell moderierten Livestreams steige. Natürlich böten sich dabei auch neue Chancen, Menschen können sich von überall zu Veranstaltungen zuschalten: Neue Reichweiten können erzielt und neue Wege begangen werden.
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Und dennoch fehlt der direkte Publikumskontakt auch bei solchen Formaten: "Gerade wenn es um Leidenschaft und Emotion geht, wie das bei Musik, Theater und Tanz der Fall ist, braucht es ein Publikum." Denn ohne die Resonanz eines Live-Publikums, sei es eine besondere Herausforderung, den Funken der Begeisterung zu entzünden, sagt Julica Goldschmidt. Es sei schwieriger, einen Draht zum Publikum, das zuhause vor den Bildschirmen sitzt, zu bekommen.

Auftretende Acts haben auf Gagen verzichtet

Bei der "Gala Benefizival" wird eine große Bandbreite von Künstlerinnen und Künstlern auftreten: Das Studio Pro Arte zeigt zeitgenössische und urbane Tanzperformances, bluesig und rockig wird es mit dem "German Blues Award"-Gewinner Michael Oertel werden, das DJ-Duo "Mehr is Mehr" bringt am späteren Abend Electro ins E-Werk, und auf die Bildschirme und für Fans der zeitgenössischen Musik spielt das ensemble recherche. "Die gesamte Branche soll am Samstag im Vordergrund stehen", sagt Goldschmidt. Nicht nur auf der Bühne soll das Programm vielfältig werden, auch vor der Kamera sollen möglichst viele Menschen aus vielen kulturellen Bereichen zu Wort kommen. Die auftretenden Acts haben zugunsten des Nothilfefonds auf Gagen verzichtet, eine Aufwandsentschädigung bekommen sie aber dennoch.

Goldschmidt freut sich auf die Veranstaltung: "Ich freue mich, meinen Beruf ausüben zu dürfen. Das ist ja derzeit keine Selbstverständlichkeit. Ich freue mich auch, so viele tolle Künstlerinnen und Künstler zu sehen und auch mal wieder Kultur erleben zu dürfen – und in meinem Fall habe ich auch noch das Glück, – mit 1,5 Metern Abstand – hautnah dabei zu sein."
"Gala Benefizival": Samstag, 10. April, ab 19 Uhr, mit Künstlerinnen und Künstlern der Freiburger Kulturbranche. Der Erlös der freiwilligen Publikumsbeiträge geht an den Nothilfefonds für Solo-Selbstständige der Initiative Kulturgesichter0761.

Mehr unter: www.infreiburgzuhause.de/Benefizival