Digitaler Dorfplatz geht an den Start

Dora Schöls

Von Dora Schöls

Mi, 13. Januar 2021

Rheinfelden / Schweiz

Beide Rheinfelden haben gemeinsam eine grenzüberschreitende Plattform ins Leben gerufen.

. Vereinsleben, Austausch, Kultur: In der Corona-Pandemie haben sich viele Lebensbereiche ins Digitale verschoben. Doch die Idee eines digitalen Dorfplatzes kam in Rheinfelden schon 2019 auf, bei einem grenzüberschreitenden Bürgerdialog. Nun geht er an den Start, dieser Dorfplatz, der Bürger beider Rheinfelden stärker vernetzen soll: Crossiety, eine Plattform, auf der sich Privatmenschen und Gruppen wie etwa Vereine austauschen können, Gleichgesinnte finden, Veranstaltungen bewerben, Hilfsangebote machen, Dinge verkaufen oder tauschen können.

Bei einem gemeinsamen Pressegespräch stellten die beiden Stadtverwaltungen die neue Plattform am Dienstag vor. Junge Menschen informierten sich vor allem über soziale Medien, sagte Franco Mazzi, Stadtammann auf Schweizer Seite. Mit einer digitalen Plattform könne man diese also besser erreichen. Oberbürgermeister Klaus Eberhardt nannte die Plattform einen "Quantensprung", bei dem der Verwaltung auf deutscher Seite vor allem zwei Bereiche wichtig seien: Die Vernetzung und der Austausch unter den Ehrenamtlichen – sowie die Ausweitung der Bürgerbeteiligung: "Wenn wir Informationen früher zugänglich machen, können wir besser in einen Austausch mit den Bürgern treten."

Bislang nutzen 62 Schweizer und 20 deutsche Gemeinden Crossiety, sagte Geschäftsführer Joel Singh. 2015 hat sich das Schweizer Start-up gegründet. 2020 habe es einen Digitalisierungsschub in den Verwaltungen gegeben, so Singh: Nun sollen die Bürger auch zuhause erreicht werden. Der Vorteil von Crossiety im Vergleich zu den großen sozialen Medien wie Facebook sei der lokale Fokus: "Bei uns geht es nicht um Katzenvideos, sondern um lokale Themen. Es gibt weniger Content – dafür relevanteren."

Auch Hasskommentare hielten sich bislang in Grenzen, so Singh, da sich Nutzer mit Namen, E-Mail und Telefonnummer registrieren müssen. "Wir möchten, dass soziale Medien sinnvoll genutzt werden." Zudem halte das Unternehmen den Datenschutz hoch: "Bei uns gibt es kein Profiling und keine Werbung." Die Plattform registriert also nicht, wofür sich welcher Nutzer interessiert, um gezielt Werbung auszuspielen.

Finanziert wird die Plattform von den Städten, die jährlich einen Franken pro Einwohner zahlen, wobei es auf deutscher Seite eine Förderung vom Land gibt, wie Eberhardt betonte. Es habe im Gemeinderat durchaus kritische Stimmen gegeben – "aber wir wollen nicht vor Facebook und Co kapitulieren, sondern selbst ein lokales Gewicht setzen".

423 Nutzerinnen und Nutzer haben sich bislang auf beiden Seiten registriert, die Zielmarke liegt laut Eberhardt bei 1000. In einer Pilotphase gab es Workshops, in denen die Plattform für Vereine, Schulen oder die Verwaltung erklärt wurde. Nun sollen sich möglichst viele Bürger anmelden – "je mehr mitmachen, desto größer der Nutzen", so Mazzi.

Bei der Anmeldung gibt man seine Postleitzahl an, kann dann aber die eigene Region selbst definieren, indem man mehrere Gemeinden und Städte auswählt. Zudem können Gruppen gebildet werden, etwa von Vereinen, aber auch von kleineren Gruppierungen. Die Gruppen können dann wiederum Untergruppen bilden. Wer einen Beitrag postet, kann festlegen, wer diesen sehen darf. Beiträge können zudem mit "Gefällt mir" markiert werden, außerdem kann man mit einem Nachbarn oder einer ganzen Gruppe chatten, wie bei den bekannten sozialen Medien auch.

Weitere Workshops bietet die Stadtverwaltung am Montag, 25. Januar, jeweils um 10, 16 und 19 Uhr. Anmeldungen per Mail an crossiety@rheinfelden-baden.de