Trendsport

Dogscooting – wenn der Hund das Herrchen zieht

dpa

Von dpa

Do, 23. Mai 2019 um 11:49 Uhr

Panorama

Sport mit dem Hund liegt voll im Trend. Ob gemeinsam laufen, Fahrrad fahren - oder scootern. So ein Hund-Roller-Gespann kann richtig schnell werden.

Schäferhündin Kira kann es kaum erwarten, vor den Roller gespannt zu werden. Aufgeregt läuft sie umher, nachdem Mario Reitz ihr das Geschirr angezogen hat. Noch schnell die Zugleine des Scooters ans Geschirr angeklickt und los gehts: "Go!", ruft Reitz, der inzwischen auf seinem Tretroller steht. Und Kira rennt. Blitzschnell setzt sich der Scooter in Bewegung.

"Es ist schön, dass ich den Hund auslaufen lassen kann, dass er alle Energie rauslassen kann und mehr oder weniger frei ist", sagt Reitz, der mit seiner belgischen Schäferhündin seit zwei Jahren Dogscooting macht. Seine Hündin sei "ein Power-Paket". Und wenn sie ihn etliche Kilometer durch Wiesen und Wald gezogen habe, sei sie entspannt. Und er genieße es, bei solchen Touren in der Natur zu sein. "Es ist ein tolles Gefühl."

Auf die Idee, sich einen Dogscooter zuzulegen, kam der 35-Jährige, weil er nach etwas suchte, um seine Hündin auszulasten. Zuvor hatte er mit Kira (6) bereits "Gebrauchshundesport" gemacht und sie in Fährtenarbeit und Gehorsam trainiert. Den Scooter zu ziehen lernte sie nach seinen Worten ganz schnell: "Wir haben das zwei, drei Mal geübt, dann ist sie schon geradeaus gelaufen."

Rollerfahren mit dem Hund sei eine Trendsportart, sagt Trainer Markus Behr. Er gilt im Hundeschulen-Netzwerk von Hunde-Profi Martin Rütter als Experte für Zughundesport. Es gebe das Dogscooting zwar schon ein paar Jahre, aber: "Es findet immer mehr Anhänger. Man kann schon sagen, dass da weiter ein Boom vorhanden ist." Überhaupt werde Outdoor-Sport mit dem Hund als Partner zunehmend beliebter. Beim sogenannten Canicross halten sich Hundebesitzer und Vierbeiner – durch eine Leine verbunden – beim Laufen durchs Gelände fit. Beim "Bikejöring" wird der Hund mit einem Zugseil am Fahrrad befestigt.

Was den gemeinsamen Sport so interessant macht? "Das schönste Gefühl ist wirklich diese Einheit, die man als Team bildet", sagt Behr. Zudem mache es Freude, seinen Hund sowohl körperlich als auch geistig auszulasten. "Geistig, weil er vor dem Scooter läuft und die Kommandos von hinten bekommt, die er sorgfältig umsetzen muss." Er empfiehlt Hundebesitzern, sich gut zu informieren. "Falsche Geschirre können zu inneren Verletzungen führen."

Tierschützer haben keine grundsätzlichen Bedenken gegen jene "Sportarten". Sofern die Hunde "spielerisch motiviert" würden und freiwillig bei der Sache seien, spreche aus Tierschutzsicht nichts gegen eine Ausübung, teilt der Deutsche Tierschutzbund mit. Man müsse aber auf das Alter des Hundes und seinen Gesundheitszustand achten. Kritisch seien Wettbewerbe und Shows – wenn Leistungen von Tieren erzwungen würden.

Wenn Reitz in seiner Freizeit auf dem Roller mit bis zu Tempo 40 über die Wege saust, zieht er neugierige Blicke auf sich. "Manche Leute sind überrascht, viele sind begeistert", erzählt er. Er sei aber auch schon als Tierquäler beschimpft worden. "Das ignoriere ich." Bei ihm stehe das Wohl des Hundes im Fokus. Bei seiner Tour macht er immer wieder Pausen und lässt seinen Hund im Bach trinken und abkühlen. "Im Sommer fahre ich gar nicht, weil es zu warm ist." Und zu Hause trainiere Kira auf einem Hunde-Laufband. "Einfach nur zur Entspannung."

Dass Dogscooter auch praktisch sein können, zeigte sich im Januar bei einem Polizeieinsatz in Worms. Da lieh sich ein Polizist das Gefährt samt Hündin kurzerhand bei einer Dame aus, um einen rabiaten Jogger zu verfolgen. Mit Erfolg: Der Beamte konnte den Sportler einholen, der die Dogscooterin beleidigt und vom Roller gestoßen haben soll. Nach einem klärenden Gespräch aller Parteien war alles wieder gut.