Schuttertal-Schweighausen

Drei Kapellen und ihre ganz eigene Geschichte

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Sa, 20. April 2019 um 15:20 Uhr

Schuttertal

Einsam auf einem Hügel, nahe eines Hofs oder mitten im Ort gibt es im Bergdorf noch drei Kapellen. Wir haben sie für euch besucht.

Kapellen sind oft privat gebaut und gestiftet worden, um sich dankbar zu zeigen oder um ein Gelübde zu erfüllen. Man sieht sie am Ortsrand, auf Hügeln und Bergen oder bei einem Bauernhof. Sie symbolisieren eine Stätte des inneren Rückzugs oder der Dankbarkeit und dienen oft als Wallfahrts- und Prozessionsort. Die Kirchlein werden nicht selten von Wundern und Sagen umwoben. In Schweighausen haben drei Kapellen ihre ganz eigene Geschichte.

Kniesteinkapelle
Die Kapelle steht an einer Waldlichtung unterhalb des Hünersedels und ist von der Dorfmitte Schweighausen aus über den Kniesteinweg zu Fuß in etwa 30 Minuten zu erreichen. Sie liegt an einem stark frequentierten Wanderweg und ist deshalb beliebtes Ausflugsziel und ein Ort für eine Rast oder ein Gebet, bei dem eine Kerze angezündet wird.

Es ist bekannt, dass die Wände im Innenraum vom Rauch der Kerzen in kurzer Zeit nach einem Anstrich wieder verrußt sind. Der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Albert Fehrenbacher, der an manchem Sonntag früh zur Kapelle geht, hat oft erlebt, dass schon vor 7 Uhr eine Kerze gebrannt hat. Mit dem dagelassenen Kerzengeld konnte er ausrechnen, dass an den Wochenenden bis zu 80 Kerzen entzündet worden sind.

Die Kniesteinkapelle wurde 1866 unter dem Schweighausener Pfarrer Johann Baptist Glatz gebaut. Der Platz, an dem sie steht, wird allerdings schon im 9. Jahrhundert als Wallfahrtsort erwähnt. Eine der mündlich überlieferten Sagen erzählt von einem Einsiedler, der dort gehaust hat und auf einem Stein vor einem Holzkreuz kniend betete.

Durch das viele Knien sollen sich in dem Stein zwei faustgroße Einbuchtungen gebildet haben. Der Name Kniestein entspringt noch einer anderen Geschichte, die ähnlich der des Einsiedlers von einem betenden Heiligen berichtet, dessen Knieabdrücke im Stein zu sehen sind.

Eine weitere Sage spielt um einen lieblichen Gesang im Wald, der die Menschen zur Wallfahrt dorthin bewegte. Es rankt auch die Erzählung, dass man in früheren Zeiten versucht habe, zweimal den Kniestein in der St. Anna-Kapelle im Dorf aufzustellen. "Jedes Mal ist der Stein über die Nacht auf wundersame Weise an den Platz an der Waldlichtung zurückgekehrt".

Da sich dieser Ort als ein heiliger verinnerlichte, schrieb Pfarrer Glatz 1866 an das Erzbischöfliche Ordinariat den Antrag zum Kapellenbau: "Auf einem steinernen Postamente steht ein einfaches Feldkreuz ohne Bild. Vor demselben liegt, halb in der Erde versenkt, ein Stein mit zwei faustgroßen Aushöhlungen. Dahin wallfahren seit Jahrhunderten viele Leute scharenweise aus Nah und Fern."

Nach einem schriftlichen Hin und Her, das auch Gutachten zum Bedarf eines Kapellenbaus enthielt, kam schließlich die Genehmigung. Unter Mithilfe des Kirchen- und Gemeinderats sowie einiger Wohltäter wurde sie vom "Zehnlebur" Roman Göppert erbaut und am 17. September 1871 bei einer großen Prozession gesegnet. Albert Fehrenbacher erinnert sich daran, dass man bei der Renovierung in den 1970er Jahren auf dem Speicher Holzkrücken gefunden habe, die schon 1894 in einem Schriftstück erwähnt worden waren.



St. Anna Kapelle
Die Kapelle steht im Ortskern des Bergdorfs und wurde 1738 erbaut. An diesem Standort gibt es laut Überlieferungen seit Jahrhunderten Kapellen. Ein gesicherter Nachweis besteht für 1692. Allerdings wird schon in einem Ablassbrief 1500 und in einem Visitationsbericht 1616 eine Marienkapelle erwähnt. Man sagt, diese Vorgängerkapelle sei von einem Bauern errichtet worden, der damit ein Gelübde erfüllte.

1738 wurde "die von alter ganz baufällige Kapell" aus den Einnahmen der Kapelle und durch Spenden errichtet. Sie erhielt 1748 eine erste Glocke und 1755 eine zweite, die im barocken Zwiebeltürmchen hängen.

Die Patronin der Kapelle gilt als Schutzheilige vieler Berufe (unter anderem der Bergleute), werdender Mütter und der Eheleute. Das Kirchlein gilt als baugeschichtlich bemerkenswert, da sie mit spätgotischen Elementen wie einem Sandsteinbogen aus dem 16. Jahrhundert ausgestattet ist. 1781 wurde laut Überlieferung unter großem Zeremoniell ein Knochenteilchen der heiligen Anna in den Altar eingelassen. Die Reliquie hatte Pater Bernardus Stöber aus Rom erhalten.

Robertskapelle
Über die Andachtsstätte am hinteren Geisberg gibt es kaum Quellen. Sie ist die Hofkapelle des nahen Robertshofs und wurde 1713 in Erfüllung eines Gelübdes erbaut. Das Kirchlein liegt am Kandelhöhenweg und wurde 1951 vom damaligen Hofbesitzer Josef Zehnle vergrößert und mit einem Glockentürmchen ausgestattet. Gelübde wurden oft mit dem Bau einer Kapelle erfüllt, etwa aus Dankbarkeit nach einer verhinderten Katastrophe oder wenn Söhne aus dem Krieg zurückkehrten.

Nicht selten bauten Hofbesitzer eine Andachtsstätte nach einem Hofbrand in Glaube und Hoffnung, dass sich ein solches Unglück niemals wiederholt.