Drunter und drüber in Kanada

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 20. März 2020

Skilanglauf

Skilangläufer Janosch Brugger beendet die Weltcupsaison mit einer chaotischen Rückreise.

TITISEE-NEUSTADT. Rund 14 Stunden im Flieger und sechs Stunden im Bus – für eine Trainingseinheit auf Ski und null Wettkämpfe. So lautet die ernüchternde Bilanz von Janosch Bruggers Übersee-Trip in der vergangenen Woche. "Das war schon eine krasse Aktion", kommentiert der Langläufer der WSG Schluchsee den vergeblichen Versuch, in Zeiten weltweit rapide wachsender Coronafälle in Kanada wider alle Vernunft noch Weltcuprennen auszutragen. Zurück in der Heimat blickt der 22-jährige Lenzkircher auf die vorzeitig beendete Saison zurück.

Dienstagnacht war Brugger mit zwei Kollegen und sechs Kolleginnen aus dem deutschen Langlaufkader von Frankfurt nach Montreal geflogen, danach fuhren sie noch drei Stunden im Reisebus nach Quebec. "Innerhalb von 24 Stunden ging’s drunter und drüber", erinnert sich der Hochschwarzwälder. Die Deutschen trainierten "einmal mit Ski unter den Füßen und zweimal zu Fuß" für die geplanten Weltcup-Sprints am Samstag und Sonntag. Derweil dünnte sich das Feld der Konkurrenten immer weiter aus.

Die Norweger waren gar nicht erst angereist. Das schwedische Team entschloss sich zur Rückreise aus Angst, wegen der Corona-Pandemie später nicht mehr nach Hause zu kommen. Die Tschechen zogen aus demselben Grund nach, auch die Finnen, Briten und Franzosen wollten nur noch heim und selbst die kanadischen Langläufer verzichteten aus Sorge auf ihren Heim-Weltcup. In der Heimat entschied Andreas Schlütter, der sportliche Leiter für Skilanglauf im Deutschen Skiverband (DSV), dass im Interesse der Gesundheit seine Athleten und Athletinnen ebenfalls den Rückzug antreten sollten und kümmerte sich um Dinge wie Flugtickets. Das sei recht schnell gegangen, sagt Janosch Brugger anerkennend. Mit einem "Absacker in einer Bar" stimmte sich der deutsche Tross am Donnerstag auf die lange Heimreise ein.

Dass die auf das letzte März-Wochenende terminierte deutsche Meisterschaft in Oberwiesenthal (Massenstart und Staffelrennen) abgesagt worden war, hatten die Langläufer schon auf dem Hinflug mitgekriegt. Auch die Absage des Weltcuprennens in Minnesota (USA) sowie des Finales in Canmore (Kanada) waren lange bekannt, bevor sich das Organisationskomitee in Quebec am Freitag zur Absage der beiden Sprints durchrang – und auch dann nur, weil viele Nationalteams mit ihrer Abreise Fakten geschaffen hatten.

"Anfangs war’s schwierig,

weil’s gar nicht lief."

Bruggers Weltcup-Bilanz
Zurück im Allgäu war das Gruppentraining untersagt und die Krafträume in der Sonthofener Kaserne wie auch am Olympiastützpunkt Oberstdorf "dichtgemacht". Dort hätten sich Brugger und Kollegen gern "das Grundniveau erarbeitet" für die Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Oberstdorf. Weil in Rohrmoos und Balderschwang noch "Topbedingungen" herrschten, ging Janosch Brugger morgens zunächst noch "privat" auf die Loipe. Mittags setzte er sich bei schönstem Wetter aufs Rennrad oder ging eine Runde laufen. Die körperliche Aktivität gleich "von 100 auf null" zu reduzieren, wäre "nicht angenehm" und auch nicht ratsam gewesen, sagt er und fühlt sich gleichwohl "lahmgelegt". Auch aus dem einwöchigen Urlaub in Norwegen über Ostern mit Trainingsgruppe samt Partnerinnen "zum Langlaufen und Spaß haben" wird nun nichts. Vielleicht werde er mal "einen Serienmarathon vor dem Fernseher starten". Jetzt müsse man "abwarten, wie schlimm das noch wird". Die Ansteckungsgefahr sei schwer einzuschätzen, man dürfe die Lage nicht verharmlosen, solle sie aber auch nicht dramatisieren, meint der Hochschwarzwälder Profi in seiner gelassenen Art. Gelassen kann Janosch Brugger inzwischen auch auf die vorzeitig zu Ende gegangene Saison blicken. "Durchwachsen" fällt seine Bilanz aus. Anfangs war’s für ihn "sehr schwierig, weil’s gar nicht lief" im Weltcup, bei dem er diesmal ohne Punkte blieb. Seinen Saisonhöhepunkt, die U-23-Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal, beurteilt er dagegen als "gut bis sehr gut", auch wenn er die angestrebte Medaille als Vierter über 15 Kilometer im klassischen Stil knapp verpasst hat.

Nicht richtig zufrieden, aber kein Totalausfall – so lautet Bruggers Fazit einer Saison, aus der er "lernen kann". Der Plan – Bestleistung beim Saisonhöhepunkt – habe funktioniert. "Die nächste Saison kommt" und ja, das sei eine Kampfansage.