Dunkelkammer statt Digitalkamera

Ralph Lacher

Von Ralph Lacher

Fr, 23. August 2019

Maulburg

Fotokurs im Dorfstübli: Kinder lernen, wie Fotos mit einer analogen Kamera entstehen.

MAULBURG (vfsw). "Es ist echt toll, was man mit analoger Fotografie alles machen kann. Ich vermisse mein Smartphone überhaupt nicht." Das sagte Marcel Szokol, einer der Teilnehmer an der Projektwoche "Fotowerkstatt" des Dorfstübli. Beeindruckt war auch Leiter und Ferienspaß-Organisator Tobias Hohenstatter von den Aktionstagen und vom Fotografen Christoph Madico-Bosch aus Lörrach.

Dieser erläuterte den acht teilnehmenden Ferienspaß-Kindern, dass er schon immer ein Fan von analoger Fotografie sei. "Vor 30 Jahren habe ich mit einer eigenen Dunkelkammer und Schwarz-Weiß-Filmen mit der Fotografie begonnen", so Madico-Bosch. An fünf Tagen gingen der Workshop-Gestalter und seine Schützlinge dann auf Motivsuche im Dorf und daran, sich in der Werkstatt des Dorfstübli ein analoges Fotolabor einzurichten. Staunend erkannten die Kids dabei, wie viel Aufwand nötig ist, um von einem klassischen 36-Bilder-Filmstreifen fertige Fotos zu erhalten. Zuerst muss der Negativfilm in der Dunkelkammer auf eine Spule gewickelt werden, dann geht es ab in die Dose, wo der nicht unbedingt angenehm riechende Entwickler hinzukommt. Nach dem Entwickler – er ist basisch und geeignet Löcher in die Klamotten zu machen – kommt das saure Fixierbad. Später galt es mit einem Föhn die entwickelten Negativstreifen zu trocknen mittels Föhn. Bis das Foto indessen fertig ist, sind weitere Arbeitsschritte nötig. Da gilt es das richtige Papier auszuwählen, den Negativstreifen in den Vergrößerer zu befördern, dann auch noch das belichtete Papier in Entwickler und Fixierer zum fertigen Foto zu machen.

Analog sei nicht nur schön, es bringe einen zurück zur eigentlichen Fotografie und entschleunige, findet Fotograf Christoph Madico-Bosch. Und er glaubt: "Analoge Fotografie macht euch zu einem besseren Fotografen." Schließlich, so die Begründung, lernt nur der die wahre Kunst des Fotografierens, der sich einmal mit einer klassischen Kamera beschäftigt hat. Für ein gutes Foto muss man die Einstellungen einer Kamera kennen, je nach Modell manuell fokussieren und so den Bildausschnitt festlegen. Und anders als heutzutage konnten Fotografen eben nicht hunderte Neuversuche machen und die Fehlversuche dann sofort löschen.

Trotz allem mit dem analogen Fotografieren verbundenen arbeitstechnischen Mehraufwand sei ein Vorteil dieser Art von Fotografie der Wegfall der Nachbearbeitungszeit am Computer. Mit analoger Fotografie knipse man nicht einfach drauflos, sondern fotografiere, so Fotograf Madico-Bosch. Nebenbei führte der Löracher die Kinder auch in die Geschichte der Fotografie ein und bastelte mit ihnen eine Lochkamera.

Am Ende der Fotowoche haben die Kids auf jeden Fall gelernt,welche Sorgfalt ein Fotograf in vordigitalen Zeiten hat walten lassen müssen, um gute Bilder zu produzieren. Und womöglich kann der ein oder andere jetzt zumindest mit seiner Digitalkamera bewusster umgehen.