Impressionen in kräftigen Farben

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Do, 16. Mai 2019

Ebringen

Arbeiten von Vit Pavlik aus Südböhmen sind zurzeit in Ebringen beim Badischen Kunstforum zu sehen.

EBRINGEN. Öffentliches Amt und künstlerisches Schaffen schließen einander nicht aus – das wissen die Ebringer, ist doch ihr Bürgermeister Rainer Mosbach gelegentlich als aktiver Musiker unterwegs. Er traf nun im Badischen Kunstforum auf einen Kollegen, der sich in der Bildenden Kunst über die Grenzen seines Landes hinaus einen Namen gemacht hat: Vit Pavlik, Bürgermeister von Volary in Südböhmen in der Tschechei.

Hans Benesch, Inhaber der Galerie in der Schönbergstraße und selbst in den verschiedensten Kunstsparten bewandert, hatte Pavlik bei einer eigenen Ausstellung in Budweis kennengelernt; rasch sei ihm klargeworden, dass er ihn unbedingt in seinem Haus ausstellen wollte. Denn Vit Pavlik, Jahrgang 1976, hat sein Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten wie Benesch selbst ausgehend von der gegenständlichen Darstellung um ein Vielfaches an Techniken erweitert. So ist in Ebringen zu erleben, dass er der Fotographie und dem Spiel mit Beamer und Licht ebenso viel Sorgfalt widmet wie dem Einsatz von Farbe auf Leinwand. Sehr eindrucksvoll ist der Zyklus Musical Muse, wandgroße Porträts seiner Frau Katharina, die mit den auf ihren Körper projizierten Lichtmalereien an Bodypainting erinnern. Viele dieser Bilder, berichtete er, seien mit Musikbegleitung und insbesondere Aufzeichnungen der Stücke entstanden, die sie selbst als Saxophonistin aufgenommen hatte.

Für Vit Pavlik, den Vorsitzenden des Berufsverbands der südböhmischen Künstler, spielt die Landschaft seiner Kindheit und Jugend erkennbar eine große Rolle. Mit kräftigem Strich und in üppigen Farben hat er Impressionen festgehalten, die ihn von klein auf geprägt haben, verstärkt durch das Vorbild von Vater und Großvater, beide künstlerisch tätig, und die Legenden, Mythen und Sagen, die sich in diesem Landstrich erhalten haben.

Im Begleitkatalog drückt es der Kunsthistoriker Stefan Rammer, der die Gegend gut kennt, so aus: "Mächtig brechen sich die Emotionen Bahn in dynamischem Pinselstrich. Eruptive Entladungen symbolisieren die Kraft der Natur, die ungebrochen waltet in seiner Heimat." Und das trotz der zeitweiligen Abschottung durch den Eisernen Vorhang und dessen Nachwirkungen, muss man hinzufügen.

Heute pendelt Vit Pavlik, der sehr gut Deutsch spricht, zwischen Südböhmen und Nordbayern, wo er sich wie zuhause fühlt. Das beweisen einige Stadtansichten, etwa von Passau und dem benachbarten Wallern, die ebenfalls zu sehen sind. Rammer sagt dazu: "Das Bild wird Fiktion, das sich stets die Option erhält, aus der Gegenstandslosigkeit zurückzukehren in die Gegenständlichkeit hinein. Da kann man ein Bild als extreme Stilisierung einer naturalistischen Landschaft interpretieren oder als innere Landschaft, die als schlichte expressive Unmittelbarkeit ihren Niederschlag findet."

Die Ausstellung Vit Pavlik ist die erste einer Reihe, die Hans Benesch für seine Galerie plant. Als überzeugter Europäer und als Maler, Grafiker und Videoinstallationskünstler auch außerhalb Deutschlands unterwegs, war in ihm die Idee gereift, sein Haus und die Galerieräume Künstlerkollegen aus anderen europäischen Ländern in einer Serie zur Verfügung zu stellen. Die Ausstellung Vit Pavlik macht nun den Anfang, viele andere zum Thema "Europa" sollen noch folgen.

Die Ausstellung in der Galerie Hans Benesch in Ebringen, Schönbergstraße, ist bis 19. Mai, zu sehen: Freitag 16 bis 18 Uhr, Sonntag 15 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung: Tel. 07664/600460.