"So was wie eine Autobahn"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 26. Februar 2019

Efringen-Kirchen

Der Weg über die Britsche gehört mit zu den ältesten Verbindungsstraßen im Markgräflerland.

EFRINGEN-KIRCHEN. Den Berg hinauf und wieder hinunter und dabei jede Menge historisch interessante und auch witzige Details zu Straßen, Bebauung und Umgebung der Britsche, zu Leusel- und Katzenberg zu erfahren – mehr als 35 geschichtlich Interessierte folgten der Einladung von Maren Siegmann zur Zeitreise zwischen Britsche und Katzenberg. Schönstes Februarwetter sorgte für rundum zufriedene Gesichter.

Der Weg über die Britsche war "einmal so etwas wie die Autobahn zwischen Basel und Frankfurt", schilderte Siegmann die Bedeutung der Straße – nur auf dem Rhein selbst oder auf der elsässischen Rheinseite kamen Reisende noch schneller voran. In der Ebene vor den Vogesen war schlicht mehr Platz für Kutschen und andere Gefährte.

Trotz der Anstiegsmühen wählten schon in grauer Vorzeit die Menschen die Britschenhöhe als Siedlungs-, Kult- oder Begräbnisplatz und die Straße über die Vorlandhügel als Verbindungsweg, berichtete Siegmann. Eine Aussicht hat bekanntlich auch Vorteile – etwa auf nahende Feinde im Kriegsfall, so Siegmann. Vor der Rheinkorrektur gab es zudem entlang des Flusses keine direkte mit Wagen zu befahrende Verbindung zwischen Efringen, Kirchen und Bad Bellingen, rief sie in Erinnerung. Auf Karten zeigte Siegmann den Verlauf der Handelswege im Südwesten, darunter die wichtige Straße von Basel über die Britsche zur Kaltenherberge, weiter zum "bösen" Schliengener Berg – und umgekehrt.

Auf der Britsche – das Wort kommt vermutlich vom Ausdruck für aneinandergelegte Hölzer, "Britschen", mit denen man am Fuß des Berges eine Brücke über den Bach baute – konnte man an einer Station, der späteren Rössle-Gaststätte, die Pferde wechseln, essen und logieren, desgleichen an der Kaltenherberge.

"Nachts ist niemand, der es vermeiden konnte, gereist"

Um den Pferden den Weg bergauf zu erleichtern, trug man um 1775 sogar einen Teil der Bergkuppe ab. Was man übrigens dann auch mit der "Schliengener Steige" tat, die im 18. Jahrhundert aber noch bis zu 20 Prozent Steigung aufwies. "Zwischen 16 und 20 Pferde wurden den Wagen vorgespannt, um die Steigungen zu überwinden", so Siegmann.

Die Bedeutung über die Jahrhunderte hinweg belegen auch Funde frühgeschichtlicher Keramik, ein Armreif aus der Hallstatt-Zeit (ab 800 vor Christus) oder römisches Glas, das möglicherweise ein Badehaus schmückte. Die Straße war auch "Postweg" , wer genügend Geld hatte, konnte ab 1774 eine "Express-Postkutsche" nutzen, die zwischen Basel und Frankfurt fuhr, und das auch nachts. Fünf Tage brauchte man für die Reise.

Allgegenwärtig war der Zoll, ob bei wechselndem Herrschaftsbereich, auf dem Fluss, auf Brücken, an Stadtgrenze n oder Straßen. Handelsreisende berichteten, dass französische Zöllner höflich und zuvorkommend seien, was das Reisen auf der anderen Rheinseite angenehmer machte.

Warum also überhaupt den beschwerlicheren Weg über Britsche und Schliengener Berg nehmen? "Weil beschwerliche Wege zumindest bei Zoll und Maut billiger in der Nutzung waren", gab Siegmann zu bedenken. Mit der Straßenmaut – die gar keine so moderne Erfindung ist – sollten Straßen instandgehalten und Furtübergänge gesäubert werden. Steinbrüche wie bei Huttingen und Blansingen lieferten das Ausbesserungsmaterial. Dem kam man aber nur sporadisch nach.

Um 1700 wurden Gabelfuhrwerke, in denen man Pferde hintereinander anspannte, verboten, denn diese verursachten tiefe Fahrrinnen. 1770 gab es fast nur noch Gespannwagen, in denen zwei Pferde nebeneinander liefen – die Straßen wurden so automatisch breiter.

Und überall lauerten Gefahren: Räuber und Mörder überfielen die Reisenden immer wieder – 1757 etwa wurde bei Eimeldingen auf der Straße ein Seidenbandhändler umgebracht. "Nachts ist damals niemand, der es vermeiden konnte, gereist", erzählte Siegmann.