Gesprächsabend

Eichstetter Winzer äußern Sorgen über Folgen von "Pro Biene"

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Do, 19. September 2019 um 14:50 Uhr

Eichstetten

Der Ärger der Landwirte und Winzer am Kaiserstuhl und am Tuniberg über das Artenvielfalt-Volksbegehren ist groß, ebenso groß wie ihre Sorgen vor den Folgen.

Landwirte und Winzer befürchten, dass dann keine Landwirtschaft und kein Weinbau mehr möglich sein werden. Bei einem Gesprächsabend beim Eichstetter Weingut Köbelin bekamen sie nun die Gelegenheit, den beiden liberalen Landtagsabgeordneten Klaus Hoher und Rudi Fischer ihre Sorgen und Nöte mitzuteilen.

Die Gegeninitiative
Der Präsident des Badischen Weinbauverbandes Kilian Schneider erläuterte anfangs die Gegeninitiative, die er zusammen mit Landwirten und Winzern aus der Region entworfen hat. Für ihn sei klar, dass das Volksbegehren weit über sein Ziel – die Wiederherstellung der Artenvielfalt – hinaus gehe. Es gefährde das Überleben vieler Familienbetriebe und somit auch den Fortbestand der Kulturlandschaft. "Wir können nicht verhindern, dass die Unterschriften zusammenkommen. Wir müssen einen anderen Weg finden, etwas zu unternehmen. Deshalb wollen wir einen Volksantrag Gegeninitiative stellen", sagte er. Der sei bereits formuliert und müsse nun juristisch geprüft werden. Einen solchen Volksantrag müssen bis Jahresende 0,5 Prozent der Wahlberechtigten unterschreiben – das wären aktuell 40.000. "Pro Hektar Anbaufläche erwarte ich zwei Unterschriften", erklärte Schneider.

Die Sorgen der Winzer
"Wir Winzer leben von und mit der Natur. Wir haben das Ziel, die Kulturlandschaft so zu erhalten, wie sie ist", sagte der Eichstetter Winzer Albert Schmidt. Umweltschonende Verfahren seien bereits in Anwendung, ebenso gebe es bereits viele Blühstreifen auf freiwilliger Basis. Derzeit sei die Unsicherheit jedoch groß. "Wir sind keine Panikmacher, aber wir brauchen Produktionssicherheit", sagte auch Gastgeber Arndt Köbelin. Ohne Pestizide könne im konventionellen wie auch im ökologischen Weinbau nichts gegen Krankheiten wie beispielsweise den Mehltau unternommen werden, betonte Tobias Burtsche, Weinbauberater am Kaiserstuhl. Bisher habe es für den Einsatz der Mittel einen rechtlichen Rahmen gegeben und er habe die Winzer entsprechend beraten können. Auch sei nur so viel eingesetzt worden wie nötig und so wenig wie möglich.

Der Landesimkerverband
"Wir sind voll auf Ihrer Seite", betonte Michael Nutsch vom Landesverband Badischer Imker gegenüber den anwesenden Winzern und Landwirten. Der Weg sei bisher von den Initiatoren des Volksbegehrens falsch begangen worden. "Wir alle sind natürlich pro Biene, denn ohne uns gäbe es die Biene hier schon lange nicht mehr. Dann wäre sie der Varroamilbe zum Opfer gefallen", sagte er. Ihm missfalle auch das Etikett des Volksbegehrens. "Bei Pro Glanzkäfer wäre keiner mit dabei", erklärte Nutsch.

Die Sicht der FDP-Landtagsfraktion
"Keiner kann auf 50 Prozent Pestizide verzichten. Das käme einem Berufsverbot gleich", sagte der Landtagsabgeordnete Klaus Hoher, selbstständiger Land- und Forstwirt sowie Sprecher für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Landtag. Das Volksbegehren sei nicht umsetzbar und den Verbrauchern die Konsequenzen unklar. "Alle die unterschrieben haben, müssten an der Supermarktkasse zurückgeschickt werden, wenn ihr Einkauf nicht mindestens 50 Prozent bio enthält", betonte Hoher. Die Winzer und Landwirte müssten sich wehren, sagte auch sein Fraktionskollege Rudi Fischer, ebenfalls Mitglied im Ausschuss Ländlicher Raum und Verbraucherschutz. "Es geht nicht, dass ein Teil der Gesellschaft einem anderen sagt, wie er seine Arbeit zu machen hat. Gehen Sie raus und kommunizieren Sie das Problem. Sonst werden Sie nicht gehört", so Fischer. Die Gegeninitiative sei laut Hoher eine Möglichkeit Konsens zu finden und den Politikern, die die Landwirte unterstützen wollen, eine Grundlage zu geben. Er kritisierte, dass sich einige Landtagsfraktionen bisher uneinig seien und wünschte sich "mehr Butter bei die Fische".