Ein Dorf verschwindet

Laura Reichenbach, Klasse SG9B,

Von Laura Reichenbach, Klasse SG9B &

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

Die Gemeinde Reute braucht dringend mehr Einwohner und eine bessere Infrastruktur / Eine Bestandsaufnahme.

Reute ist eine kleine Gemeinde zwischen Freiburg und Emmendingen. Und Reute hat ein Problem: Das Dorf wird immer weniger, weil viele Einwohner wegziehen, aber keine neuen Menschen zuziehen. Warum das so ist, wollte Zisch-Reporterin Laura Reichenbach wissen. Sie lebt mit ihrer Familie in Reute und hat sich in ihrem Dorf umgehört.

Reute ist wunderschön. Es liegt inmitten der Breisgauer Bucht mit Blick auf den Schwarzwald. Trotzdem ziehen mehr Menschen aus Reute weg als welche zuziehen. Das geht auch aus einem Diagramm des Statistischen Landesamtes Baden-Württembergs hervor. Man sollte bald etwas tun, damit Reute kein Dorf wird, das ausstirbt. Denn aktuell hat Reute nur noch 2960 Einwohner.

Auch wenn Reute das Dorf mit der geringsten Gemarkungsfläche im Landkreis Emmendingen ist, kann man etwas Schönes und Besonderes aus Reute machen. Das findet auch Bürgermeister Michael Schlegel. Er hat mir auf dem Plan gezeigt, dass Reute nicht viel Fläche zur Verfügung hat. Entweder fallen Flächen wegen einer neuen Bestimmung zum Hochwasserschutz weg, oder sie liegen im Naturschutzgebiet. "Bevor man in Reute ein neues Baugebiet erschließen kann, müssen erst einmal die Baulücken geschlossen werden", erklärt Schlegel mir.

Doch das ist gar nicht so einfach, denn manche Bürger behalten die Grünflächen und warten, bis ihre Kinder oder Enkel darauf bauen können. Oder die Grünfläche wird landwirtschaftlich genutzt.

Auch die Schule sieht nicht mehr aus wie früher. Vor zehn Jahren waren so viele Grund- und Werkrealschüler auf der heutigen Eichmattenschule auf dem Pausenhof, dass die Pausenaufsichten sich Mühe geben mussten, um alle Kinder im auge zu behalten zu können. Heute ist das, weil es erheblich weniger Schüler sind, kein Problem mehr. Laut Bürgermeister Schlegel liegt das am demografischen Wandel. Doch ist das wirklich der ausschlaggebende Punkt? Könnte es nicht auch sein, dass der Bürgermeister zu wenig tut, um Reute attraktiver zu machen? Nein, denn Michael Schlegel plant viel in Bezug auf die Zukunft in Reute. "Mit unserem Dorfentwicklungskonzept haben wir den Grundstein gelegt", sagt er und zählt auf, was unter anderem dazugehört: altersgerechtes Wohnen zum Beispiel, Wohnmöglichkeiten für Studierende oder die Ansiedelung eines Lebensmittelmarktes, neue Jugendräume und vieles mehr. Junge Ideen sind ausdrücklich erwünscht. Dazu plant Bürgermeister Michael Schlegel, auch Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben, um im Dialog ihre Ansichten und Ideen für die Gemeinde zu nutzen.

Auch das, was bald schon in der neuen Ortsmitte von Reute passieren soll, ist spannend. Es soll eine Art Einkaufsfleck in Reute entstehen, der sich mit dem Edeka-Markt in Gundelfingen vergleichen lässt. In diesem kann man nicht nur den Wocheneinkauf tätigen, sondern auch zum Frisör gehen, Fotos drucken lassen oder Brötchen einkaufen. Ähnlich soll es jetzt bald auch in Reute zugehen: Kind in den Kindergarten bringen, Einkäufe erledigen, sich einen neuen Haarschnitt gönnen und zuletzt noch schnell zum Bäcker, um Brötchen zu kaufen. Ein sehr interessantes Modell.

Damit sich das lohnt, muss dort dann natürlich auch wirklich eingekauft werden, sonst geht es den Geschäften wie dem Schreibwarenlädele von Rita Wildegans. Sie hatte vor neun Jahren den Laden, eines der Herzstücke Reutes, übernommen, doch zum Jahresende wird sie ihre Selbständigkeit beenden. Sehr viele Einwohner waren geschockt – kein Wunder: Wer bei Rita Wildegans einkaufte, blieb gerne mal auf ein Schwätzchen. Auch die Kreativität der Ladenbesitzerin wurde häufig gelobt. Die älteren Menschen sind auch gerne zu ihr gekommen - meistens, um morgens ihre Zeitung zu holen. Hoffentlich ist das nicht der Anfang vom Ende, denn Reute ist doch ein so schönes Dorf!