Ein Garten voller Schöpfer und Geschöpfe

Susanne Filz

Von Susanne Filz

Di, 22. Juni 2021

Lenzkirch

Kunstereignis am Black Forest Institute of Art.

. Klara aus Konstanz hat gerade ein freundliches Krokodil unter ihren Händen, sie formt es aus Tonerde, ein zweites, noch ganz kleines wird bald dazukommen. Marlies, Lehrerin an der Lenzkircher Sommerbergschule, hat sich einen Bogen zart gemusterte Tapete ausgesucht, der sich im Lauf der nächsten eineinhalb Stunden in eine spiegelnde Wasserfläche verwandeln wird. Und Daniela Evers aus Titisee-Neustadt, Landtagsabgeordnete für die Grünen, staunt über den geschichtenreichen Ort, an dem all dies möglich ist und von dem sie bis Sonntag gar nicht gewusst hat, dass es ihn in ihrer nächsten Heimat überhaupt gibt.

Eingeladen zu diesem Kunstereignis hatten die "Freien Unabhängigen Künstler*innen Stuttgart (FUKS)", bei dem Besucherinnen und Besucher selbst künstlerisch arbeiten konnten und mit ihrem Tun Teil einer großen, lebenden Installation im Garten des Black Forest Institute of Art (BIA) werden konnten. Das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst geförderte Ereignis in Lenzkirch war die Auftaktveranstaltung zu der Tour, auf der die FUKS-Künstlerinnen dieses Format in weitere Städte und Gemeinden des Landes tragen werden.

Rund 20 professionelle und nichtprofessionelle Kunstschaffende hatten die Gelegenheit genutzt, im Garten der ehemaligen Pension Waldfrieden zusammenzukommen, sich auszutauschen oder selbst künstlerisch tätig zu werden. Darunter aber nur sehr wenige Einheimische, obwohl sich das Angebot an alle Bürger gerichtet hatte und gerade diese Offenheit Teil des Konzepts ist.

Für die FUKS-Künstlerinnen Christa Munkert und Kerstin Schaefer sowie ihre Kooperationspartnerin Michaela Tröscher aus Titisee-Neustadt gab es am Sonntagnachmittag jedenfalls auch so genug zu tun. Da war zum Beispiel Software-Ingenieurin Klara aus Konstanz. Sie hatte von dem Ereignis im BIA aus einem Newsletter erfahren. Unter den unzähligen Materialien, aus denen die Kunstschaffenden wählen konnten, greift sie entschlossen zur Tonerde. "Weil man da alle Möglichkeiten hat, und zwar ohne vorher einen Plan zu haben", sagt sie. Ihr Tierwesen, das an ein Reptil erinnert, allerdings ein sehr sanftmütiges, nimmt unter ihren Händen schnell Form an, wird nach und nach zu einer richtigen Persönlichkeit. "Der soll frei nach dem biblischen Wort nicht alleine bleiben", sagt sie, greift zu einem neuen Tonklumpen, einem viel kleineren als dem ersten, und formt ihrem Geschöpf zur Seite ein Jungtier, ein Pflegekind, wie sie sagt.

Klara gegenüber sitzt, wie es das Konzept des künstlerischen Begleitet-Werdens vorsieht, Michaela Tröscher. Auch sie hat beim gemeinsamen Tun etwas aus Ton geschaffen, ein schlichtes Boot mit einem großen prächtigen Tannenzapfen drin. Dazu sagt sie etwas Poetisches: "Das ist das Einbaumboot, das die Geschichte dieses Hauses trägt."

Ohne die Geschichte des Hauses, Löffelschmiede 2, hätte es dieses Kunstereignis in Lenzkirch wohl nicht gegeben. Ist es doch das renommierte Künstlerduo Stefan Hösl und Andrea Mihaljevic, Nachfahren des Künstlerehepaares Melitta und Wilhelm Schnarrenberger, die das Haus Waldfrieden zum Black Forest Institute of Art c/o Schnarrenberger fortentwickelt haben und es nun dem Stuttgarter Kollektiv als Station ihres Tournee-Projektes zur Verfügung stellen konnten.