Ein glückliches Leben und gute Gene

Roland Gutjahr

Von Roland Gutjahr

Sa, 28. September 2019

Elzach

Josef Kern aus Oberprechtal wird morgen, Sonntag, 29. September, 90 Jahre und hat eine Menge erlebt, von der er gern erzählt.

ELZACH-OBERPRECHTAL. Es ist eine Freude, ihm gegenüber zu sitzen und seinen zahlreichen Episoden vom Heimatort und dessen Vereinen zu lauschen. Josef Kern ist einer der ältesten Bürger Oberprechtals, der am morgigen Sonntag seinen 90. Geburtstag feiert.

Der "Messemer-Sepp", wie ihn alle kennen und nennen, meint verschmitzt, "es muss halt in den Genen liegen", denn seine Mutter wurde über 100 Jahre alt und seine zwei Schwestern leben auch noch. Man sei von der Natur aus gut versorgt worden. Sie waren fünf Geschwister, drei Mädels und zwei Buben, die im Haus des Schuhmachers und Messmers (Kirchpflegers) der katholischen Kirche Wilhelm Kern in der Schulstraße aufwuchsen.

Er selbst, gerade mal 15 Jahre alt und beim Vater in Lehre zum Schuhmacher gegangen, wurde dann noch 1944 im Volkssturm sehr krass mit dem Ende des 2. Weltkriegs konfrontiert. Seine Erlebnisse hierbei würden einen eigenen Bericht füllen. Schlussendlich war er froh, als er am 23. April 1945 zu seiner Familie heimkehren konnte. Dieser Tag bleibt ihm auch gut in Erinnerung, weil tags darauf die französische Armee mit einer marokkanischen Abteilung über den nahegelegenen Kirchberg ins Dorf einzog.

Als nach Kriegsende auch im Schwarzwalddörfchen Oberprechtal wieder einigermaßen Normalität eingekehrt war, galt es für Josef Kern seine Lehre fertig zu machen. Denn seine aufgezwungenen "Landserkapriolen" hatten ihm ein halbes Jahr seiner Lehrzeit gekostet. Die Lehrstätte blieb Vaters Werkstatt. Nicht die schlechtesten Zeiten seien es gewesen, als Sepp mit seinem Vater im ganzen Prechtal aber auch über dem Berg, in Mühlenbach-Büchern, auf der "Stör" war. "Obwohl bekanntlich Lehrzeiten keine Herrenzeiten sind, gab es hierbei auch manche schöne Stunden", gibt Josef Kern noch heute schmunzelnd zu.

Zu einer beruflichen Neuausrichtung kam es beim Jubilar im Zeitraum der Währungsreform. Von seiner ersten Stelle könnte er heute manchem Auszubildenden erzählen, wie man früher ohne Computer und elektronischen Gerätschaften bei der Landesvermessung arbeitete. Dort verdinget er sich fast ein Jahr lang im Gebiet Rohrhardsberg. Bei seinen Ausführungen über die damalige detaillierte Arbeitsweise kam man selbst nach so langer Zeit nur den Hut ziehen. Nun, genaues Messen kam ihm auch bei seinem nächsten Beruf zugute, als er sechs Jahre als Zimmermann in einer örtlichen Zimmerei arbeitete, um dann insgesamt 31 Jahre in der heimischen Kistenfabrik bis zu seiner Pensionierung 1989.

Eines hat er aber Gott sei Dank nicht verlernt, seine Schuhmacherei. Noch heute freut sich die Familie aber auch manch Nachbar oder Bekannter, wenn er mit einem guten Schuh zu Sepp in sein kleines Werkstättchen zur Nothilfe kommen kann.

Gleich nach Kriegsende, noch 1945, war Josef Kern der heimischen Blasmusik beigetreten – 53 Jahre wirkte er bei der Trachtenkapelle als Bassist aktiv mit. Musik wurde für ihn ein Teil seines Lebens. Manch älterer Mitbürger kommt heute noch ins Träumen, wenn er sich an das "Walter-Trio" erinnert, in dem der Jubilar mit Freude auf seinem Lieblingsinstrument, dem Kontrabass, aufspielte. Es gab in dem Luftkurort Oberprechtal Zeiten, in denen das Trio fast täglich in einem der zahlreichen Lokale aufspielte. Manch Einheimische/-r fand bei den täglichen Tanzrunden ihren Partner/seine Partnerin. Das krönende ehrenamtliche Engagement des "Messemer Sepp" liegt sicherlich in seiner Mitwirkung beim katholischen Kirchenchor, die er im Oktober 2018 genau nach 70 Jahren beendete. "Ich habe aber heute noch meinen Platz auf der Empore zwischen den ehemaligen Sangeskollegen", meint er bestimmt.

Keinesfalls vergessen werden bei der Ehrenamtlichkeit darf der rührige Umtrieb des Ehepaares Josef und Frieda Kern in der Osterzeit, das einst sogar das Osterdorf ins Leben gerufen hat. Der Jubilar wird noch immer zur Osterzeit zu einem der gefragtesten Männer im Kurgarten, der an das Anwesen der Kerns grenzt.

Musik rund um die Uhr bei ’s Messemers – irgendwoher wird wohl Sohn Jürgen, der erst vor kurzem im Fernsehen bei Bohlens "Supertalent" auftrat und dafür großem Applaus erntete, sein Talent ja geerbt habe. Apropos Familie: 1956 hatte Josef mit der Yacherin Frieda Hin die Richtige gefunden. Er als Musiker und sie als Bedienung in der Sonne. 1958 wurde geheiratet, vier Mädchen und ein Junge machten die Familie komplett. Heute sind Opa Josef und Oma Frieda der Dreh- und Angelpunkt der großen Familie, zu der zusätzlich zehn Enkel und sechs Urenkel hinzugekommen sind.

Sie freuen sich alle auf ein großes Fest am morgigen Sonntag, den 29. September 2019, wenn Ehemann, Papa und Opa den 90. Geburtstag gebührend feiert. Neben der Familie wünschen alle Oberprechtäler dem "Messemer-Sepp" von Herzen, dass sie ihn noch recht lange gesund und munter in ihren Reihen haben.