Ein Haus für jedes Alter

Tilmann Krieg

Von Tilmann Krieg

Sa, 03. August 2019

Offenburg

Das Mehrgenerationenhaus Offenburg verbindet Jung und Alt.

OFFENBURG. Man hat fast das Gefühl, ein Märchenschloss zu betreten: Das Offenburger Mehrgenerationenhaus liegt mitten im Zentrum der Stadt, etwas versteckt in der winzigen Bäckergasse. Freundlich mediterranes Ambiente im Innenhof: Liegestühle, Sonnenschirme, Kopfsteinpflaster, Hanfpalmen in großen Kübeln. In einer Ecke wartet ein kleines Café auf Besucher.

Stefan Zirke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, und Johannes Fechner, SPD-MdB und Kreisvorsitzender aus Emmendingen, hatten sich für einen Besuch angesagt. Das Bundesfamilienministerium fördert Mehrgenerationenhäuser mit dem festen Beitrag von jährlich 30 000 Euro, wobei die Kommune jeweils 10 000 Euro zur Fördersumme zuschießen muss. "Demnächst sind wieder Haushaltsverhandlungen des Bundes", erläutert Zirke, daher ist er mit Fechner in dessen Wahlkreis Emmendingen-Lahr und im Nachbarwahlkreis Offenburg auf Visitation, um sich ein Bild zu machen über die Arbeit der vom Bundesfamilienministerium geförderten Initiativen.

"Wir kommen ursprünglich aus der Jugendarbeit"

Martin Maldener, Leiter der Einrichtung, führte durch die Gebäude. Im "Hinterhaus" gibt es verschiedene Räume für Gruppenarbeit und Initiativen. Der große Gemeinschaftsraum kann auch gelegentlich für Übernachtungen genutzt werden, wenn etwa Künstler zu Gast in Offenburg sind. Auch eine Küche ist vorhanden. Im Haupthaus befindet sich das Café, das für jedermann zugänglich ist, mit einem Gastraum, dazu Büros und ein weiterer mehrfach nutzbarer Tagungsraum.

"Wir kommen ursprünglich aus der Jugendarbeit", erklärt Maldener, "das ist etwas untypisch für Mehrgenerationenhäuser, jedoch haben wir Räume, Angebote und Möglichkeiten der Mitarbeit für ältere Mitbürger." Beispielsweise für die Ehrenamtlichen, die Projekte gemeinsam mit Jugendlichen erarbeiten, oder die Gruppe, die die Mikwe aufschließt und betreut. Das jüdische Badehaus ist das wohl älteste jüdische Bauwerk Südbadens und reicht 15 Meter unter das Hofniveau des Gebäudes, in dem das Mehrgenerationenhaus beheimatet ist.

Der Grundgedanke dieser Einrichtungen ist der Ausgleich zwischen jungen und älteren Mitbürgern – unter dem Begriff "Generationengerechtigkeit". Dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Angebote an die Jugendlichen, während die Eltern berufstätig sind und ihrem Broterwerb nachgehen. Babysitterkurse werden angeboten und unter dem Begriff "Ferienspaß" Freizeitangebote für die unterrichtsfreie Zeit bereitgestellt. Auch die Förderung des Ehrenamtes ist ein wichtiger Bereich, so versteht sich die Einrichtung auch als Beratungsstelle für die Themen Freiwilligendienste, Kinder- und Jugendarbeit, Ferienbetreuung und Spielangebote für alle Generationen.

Derzeit sind im Mehrgenerationenhaus anderthalb Vollzeitstellen im Bereich Pädagogik vergeben, eine halbe Vollzeitstelle für das Sekretariat und eine Stelle für Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Die Finanzierung dieser Stellen sowie die Miete für die Räumlichkeiten trägt die Stadt Offenburg. Dabei ist der Zuschuss des Bundesfamilienministeriums sehr willkommen.

"Natürlich reicht dieser Betrag nicht aus, um das Haus zu finanzieren", erläuterte Bürgermeister Kopp. Jedoch sei das Projekt ein großes Anliegen der Stadt im Sinne des Ausgleichs zwischen den Generationen und der Selbstverantwortung der Mitbürger. Daher übernehme die Stadt die notwendigen Kosten gerne.

"Sie leisten eine beeindruckende Arbeit für das soziale Miteinander in ihrer Stadt", so der Staatssekretär. "Sind Sie selbst mit der Situation zufrieden? Oder was könnte man noch besser machen?" Bürgermeister Kopp: "Wir arbeiten ja in langfristigen Projekten."

Ein Problem seien die auf jeweils ein Jahr befristeten Arbeitsverträge, die längerfristiger Planungssicherheit entgegenstehen. "Es wäre schön", fuhr er fort, "wenn man wenigstens beispielsweise Drei-Jahres-Verträge zusichern könnte." Doch dagegen stehe, so Zirke und Fechner, das Haushaltsrecht des Bundes.