Ein Heimspiel an Orgel, Klavier und Cembalo

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 10. September 2019

Lahr

Hermann und Hanna Feist präsentieren musikalische Raritäten.

LAHR. Gerahmt von zwei ganz unterschiedlichen, weithin bekannten Orgelsolostücken boten Hermann und Hanna Feist bei der vierten und letzten Sommermusik in der Stiftskirche am Sonntagabend viele mit Bedacht ausgewählte Raritäten. Ein Heimspiel für den Lahrer Kirchenmusikdirektor an Orgel, Klavier und Cembalo und seine in Würzburg lebende Schwester, die die Solopartien für Querflöte und Sopran übernahm.

Den regnerischen, schon sehr herbstlichen Sommerabend hellte gleich zu Beginn Jeremiah Clarkes "Prince of Denmarks March" auf, als festlicher und feierlicher Auftakt, bei dem sich die große Orgel der Stiftskirche von ihrer besten – und strahlend barocken – klanglichen Seite zeigen konnte. Zwei inhaltliche Auswahlkriterien prägten das Konzert: Das Motto "Jauchzet Gott alle Lande", das in Julius Weilands Arie für Sopran und Orgelpositiv reich verziert anklang, und ein politisches Statement für Europa.

Komponisten aus England, Frankreich, Italien und Deutschland standen auf dem Programm, viele von ihnen in ihrer Zeit europäisch oder gar – wie bei Louis Moyse – international vernetzt und unterwegs. Von Moyse, der 1912 in den Niederlanden geboren wurde, in Paris lebte und danach 1945 über Argentinien in die USA auswanderte, interpretierte Hanna Feist eine "Hommage an Krishna" als Flötensolo, in dem impressionistische und asiatische Einflüsse aufeinandertreffen. Ein besonderer Moment in diesem Konzert, eine der vielen Miniaturen, die sich zu einem abwechslungsreichen Mosaik ein zusammenfügten.

Der erste Teil des Konzerts war fast ausschließlich dem Barock vorbehalten. Francesco Geminianis "Sonate e-moll" für Flöte und Orgel bleibt da besonders im Gedächtnis, durch die unaufgeregt weiche und dennoch präzise Tonansprache der Flötistin und die inspirierende Registrierung an der großen Orgel.

In der Arie "My song shall be of mercy and judgement” ließen vor allem die rhythmischen Finessen aufhorchen. Jubelnde Soprankoloraturen und beschwingte Begleitung nehmen ein für das selten gespielte Stück. Ähnlich ergeht es den Zuhörern bei der Vater-unser-Vertonung von Ernest Chausson für Sopran und Klavier, die viel Raum für gefühlvolle Interpretation lässt.

Stetiger Wechsel von der Orgelempore in den Chorraum

Die kurzen Zeitspannen, die es zu überbrücken galt, weil Hermann Feist immer wieder von der Orgelempore in den Chorraum wechseln musste, wurden gefüllt mit Informationen, zum Beispiel über die beiden Stücke, die Robert Schumann für Pedalflügel komponiert hat. Da es dieses Instrument, das Organisten zu Hause das Üben erleichtern sollte, nicht mehr gibt, erklangen eine Studie in h-moll und eine Skizze in c-moll auf der Orgel. Erstere erinnert an Kompositionen für Walzenorgeln, Letztere an ein spielerisches Selbstgespräch der Stimmen.

Josef Rheinbergers "Preghiera" (Gebet) für Sopran und Klavier bildete den inhaltlichen, César Francks "Choral a-moll" für Orgel den musikalischen Abschluss des fast zweistündigen Konzerts. Polyphone Theatralik, die in immer drängenderen Steigerungen zur Klimax kommt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – außer dem begeisterten Applaus des Publikums.